Polizeieinsatz

#Panorama  S-Bahn München: Polizistin nach Kopfschuss in Lebensgefahr

Polizisten in Unterföhring in der Nähe vom S-Bahnhof.
Polizisten in Unterföhring in der Nähe vom S-Bahnhof.
Foto: Peter Kneffel / dpa
  • Ein Mann hat am S-Bahnhof Unterföhring einer 26 Jahre alten Polizistin in den Kopf geschossen
  • Der Schütze wurde festgenommen und es wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt
  • Vorausgegangen war ein Streit zwischen mehreren Beteiligten, von denen einer ein Messer hatte

München.  Am S-Bahnhof Unterföhring nahe München hat ein Mann eine Polizei-Waffe an sich gerissen und einer Beamtin in den Kopf geschossen. Die 26 Jahre alte Polizistin wurde bei dem Vorfall am Dienstagmorgen lebensgefährlich verletzt. Auch am Dienstagabwend war ihr Zustand unverändert schlecht, hieß es von der Polizei.

Auch der Täter erlitt nach Polizeiangaben Schussverletzungen – er wurde festgenommen. Der 37-jährige Deutsche schoss laut Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins zudem auf zwei unbeteiligte Passanten, die unter anderem am Arm getroffen wurden. Sie müssen wohl über Nacht im Krankenhaus bleiben und gelten damit als schwer verletzt.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben keinerlei Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen den Schützen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt. Auch gebe es keine Anzeichen für weitere Täter. Der Schütze sei nicht im klassischen Sinne polizeibekannt, sagt da Gloria Martins, aber er habe der Polizei schon einmal Arbeit bereitet. Zum Zeitpunkt der Tat war er wohl nicht betrunken – jedenfalls nicht schwer.

Wie Florian Weinzierl von der Staatsanwaltschaft München erklärte, sei der Täter 2014 mit einer geringen Menge Cannabis aufgefallen. Das Verfahren sei aber wegen Geringfügigkeit eingestellt worden.

Polizistin nach Kopfschuss an S-Bahnhof in Lebensgefahr

Nach einem Schusswechsel in Unterföhring bei München will die Polizei mehr als 200 Zeugen befragen.
Polizistin nach Kopfschuss an S-Bahnhof in Lebensgefahr

Täter gelangte an Waffe des Polizisten

Vorausgegangen war in einer S-Bahn ein Streit zwischen mehreren Beteiligten, von denen einer wohl ein Messer hatte. Daraufhin sei eine Streife zum Bahnhof Unterföhring gerufen worden, sagte da Gloria Martins. Einer der Streithähne versuchte demnach, einen Polizisten ins Gleisbett zu schubsen. Das konnte der Beamte verhindern.

„Danach ist eine Rauferei am Boden entstanden“, sagte der Polizeisprecher. Dabei gelangte der Täter den Angaben zufolge an die Pistole des Polizisten, von der er auch sofort Gebrauch machte. Ob die Waffe da schon entsichert war, stand zunächst nicht fest.

Die Polizistin habe auf den 37-Jährigen geschossen, sagte da Gloria Martins. Unklar war zunächst, ob die 26-Jährige da schon getroffen worden war. Der Schütze konnte zunächst verletzt flüchten. Streifen der Münchner Polizei und der Bundespolizei stellten ihn kurz darauf.

200 Kräfte im Einsatz

Die Polizei hatte die Lage danach eigenen Angaben zufolge rasch unter Kontrolle. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, betonte eine Polizeisprecherin am Vormittag. 200 Kräfte waren im Einsatz unter anderem mit Spezialeinsatzkommandos und Hubschrauber. Die Beamten sperrten den S-Bahnhof ab und informierten über Twitter die Öffentlichkeit.

Nach dem Vorfall waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge in der Bahnhofstraße. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte sicherten das Gelände. Mitarbeiter der Spurensicherung waren am Tatort.

Über den Bahnhof Unterföhring fährt die S-Bahn-Linie 8, eine der beiden Möglichkeiten mit der Bahn zum Münchner Flughafen zu kommen. Die Strecke war zunächst auf unbestimmte Zeit gesperrt. Fluggäste auf dem Weg zum Airport oder in die Stadt mussten auf die S1 ausweichen, die in einem anderen Bogen im Nordwesten Innenstadt und Flughafen verbindet.

Vor gut einem Jahr hatte ein Amokläufer am S-Bahnhof Grafing – ebenfalls im Münchner Speckgürtel gelegen – einen Menschen getötet und drei verletzt. Der zur Tatzeit 27-Jährige gilt als psychisch krank und daher als schuldunfähig. Ein Prozess wurde ihm bislang nicht gemacht. Der aus dem hessischen Grünberg bei Gießen stammende Mann hatte am frühen Morgen des 10. Mai 2016 wild um sich gestochen. (dpa/jha)

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Ein Flüchtlingslager Kabarto im Irak (Archivbild).
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