ARD-Film

#TV  „Viel zu nah“ ist ein Familiendrama, das lange nachwirkt

Foto: HR/Bettina Müller
Die ARD zeigt mit „Viel zu nah“ ein eindringliches Familiendrama. Darin versucht eine Polizistin, den Sohn mit aller Macht zu schützen.

Er trinkt, er kifft, hat komische Freunde. Und das ist längst nicht alles. Ben, 18 Jahre alt, gerät in Verdacht, eine Gewalttat begangen zu haben. Caro Böhm will ihn schützen, doch das ist nicht so einfach: Sie ist seine Mutter, aber auch die ermittelnde Kommissarin. „Viel zu nah“ ist mehr Familiendrama als Krimi. Genau das macht den Film so sehenswert.

Mutter und Sohn stecken in der Krise. Dabei war ihre Beziehung doch bis eben noch so innig: Die Mutter als eine Art große Schwester ihres Teenie-Sohns. Sie waren ein Team, vor allem beim Segeltörn in Regen und Wind, wie die Eingangsszene zeigt. Mutter und Sohn – der Fels in der Brandung und der Beweis dafür, dass es doch funktioniert, ein Leben ohne Vater, der längst ausgezogen war. Und dann fallen Sätze wie „Mama, du nervst“.

Glänzende Corinna Harfouch

Solche Sprüche sind normal. Aber ist es auch normal, dass der Junge volltrunken auf dem Bürgersteig liegt? Die Mutter in ihr will auch das nicht schlimm finden; obwohl es ihr schwer fällt. Rührend, wie Caro Böhm (Corinna Harfouch) zupackt, statt zu lamentieren: Sie schnappt sich den Jungen huckepack, schleppt ihn ins Bad und hilft ihm, den Kopf über dem Eimer zu halten.

„Ich versteh’s nicht. Wann ist das bloß passiert?“ Diese Fragen brennen sich ein. Fragen einer Mutter, die nicht begreift, warum ihr Sohn ein Leben führt, das nichts mehr mit den ewig gepredigten Werten von Fleiß, Disziplin und Ehrlichkeit zu tun hat.

Strafen verhängt

Simon Jensen gibt den Problemsohn, dem man anfangs noch über den blonden Wuschelkopf streichen möchte, ihm dann aber lieber Hausarrest, Handy- und Taschengeldentzug an den Hals wünscht. Diese Strafen hat seine Mutter längst verhängt. Doch Ben gerät dennoch auf die schiefe Bahn.

Also muss sie handeln. Und ihr sind alle Mittel recht. Da zückt sie die Polizeimarke, um ihm aus der Patsche zu helfen. Da frisiert sie den Polizeicomputer, um eine Anzeige vom Tisch zu bekommen. Wenn es realistisch zugehen würde, hätte die Kommissarin längst wegen Befangenheit vom Dienst suspendiert werden müssen. Das ist in der Tat ein logischer Bruch in diesem Film. Corinna Harfouch macht es einem jedoch leicht, von der dramaturgischen Schwäche abzusehen.

Drama mit Tiefe

Sie spielt subtil und dennoch so intensiv, dass viele Mütter von Teenagern ihr Dilemma nachvollziehen können. In manchem Film wäre es zu plump, wenn auch noch der Ex-Mann Probleme macht. Doch das hält Harfouchs Spiel aus. Mehr noch: Der Auftritt von Peter Lohmeyer in der Rolle des Verflossenen, der eine Jüngere geheiratet hat und noch einmal Vater wird, gibt ihrem Drama noch mehr Tiefe.

Fazit: Sensibles Porträt, das die Zerrissenheit einer Frau zeigt, die an das Gute in ihrem Kind glauben will und weiß, dass sie sich etwas vormacht. Großes Lob für die Darstellerin, die es schafft, dass der Film auch lange nach dem Abspann noch nachwirkt.

ARD, Mittwoch, 15. März, 20.15 Uhr

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