„Welt“-Korrespondent

#Türkei  Einspruch abgelehnt: Deniz Yücel bleibt vorerst in Haft

Freiheit für den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel wird es vorerst nicht geben. Ein Gericht lehnte den Einspruch gegen seine Inhaftierung ab.
Freiheit für den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel wird es vorerst nicht geben. Ein Gericht lehnte den Einspruch gegen seine Inhaftierung ab.
Foto: Gregor Fischer / dpa
Der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel kommt vorerst nicht frei. Ein Istanbuler Gericht lehnte den Antrag des Anwalts ab.

Istanbul.  Der Einspruch gegen den Haftbefehl gegen den „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel ist von einem türkischen Gericht abgelehnt worden. Das bestätigte Veysel Ok, ein Anwalt Yücels, am Mittwoch.

Die Berichterstattung Yücels könne „nicht als Journalismus oder im Rahmen der Pressefreiheit interpretiert werden“, hieß es zur Begründung des Richters in einem Dokument. Dies betreffe die Überschriften, die Bilder, die Ausdrucksweise und den Ton der Berichte Yücels.

Merkel fordert Freilassung von Deniz Yücel

BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL, CDU "Unabhängiger Journalismus muss existieren können, Journalisten müssen ihre Arbeit machen können. Deshalb denken wir an diesem Abend auch an Deniz Yücel, der in der Untersuchungshaft in der Türkei sitzt. Und dessen Freilassung wir fordern, weil wir glauben, dass er nichts Anderes getan als seiner unabhängigen journalistischen Arbeit nachzugehen. Und das muss durchgesetzt werden. Und die Bundesregierung wird Alles, was in ihrer Macht steht tun, um darauf hinzuwirken, das genau das geschieht."
Merkel fordert Freilassung von Deniz Yücel

Termin für erste Anhörung Yücels unklar

Vergangene Woche hatte der Anwalt des Journalisten Widerspruch gegen dessen Inhaftierung eingelegt. Es sei unklar, wann die erste Anhörung Yücels stattfinde, sagte Anwalt Ok Reuters. Vor mehr als zwei Wochen hatte ein Haftrichter in Istanbul nach 13 Tagen Polizeigewahrsam Untersuchungshaft für Yücel angeordnet. Diese kann fünf Jahre dauern, bis es zur Freilassung oder zum Prozess kommt.

Yücel wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Volksverhetzung vorgeworfen. Deutschland hat erklärt, die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage. Die Festnahme Yücels hat zu der jüngsten Verschlechterung der Beziehungen beider Länder beigetragen. In der Türkei sind rund 150 Journalisten wegen ihrer Arbeit inhaftiert – so viele wie in keinem anderen Land der Welt. (dpa/rtr)

In sozialen Netzwerken ist die Idee entstanden, Yüzel Briefe zu schreiben, um ihm die Haft zu erleichtern. Die Adresse ist: Deniz Yücel - Silivri kapalı ceza infaz kurumu (9. numaralı), İnfaz B6/54 koğuşu

U-Haft für Journalist sorgt für Spannungen mit Türkei

Der Fall des inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel sorgt für neue Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei. Kanzlerin Angela Merkel kritisierte am Montagabend eine Entscheidung der Justiz, Untersuchungshaft gegen den 43-Jährigen anzuordnen. Die Nachricht sei "bitter und enttäuschend", erklärte sie. Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel kritisierte die Türkei am Montag Abend: "Heute ist nach gut zwei Wochen der deutsche Journalist Deniz Yücel in der Türkei endlich in Polizeigewahrsam verhört worden. Aus unserer Sicht hat es keinen Anlass gegeben ihm so lange die Freiheit zu entziehen. Er hat sich freiwillig in das Polizeigewahrsam begeben und ist dort nach unserer Auffassung viel zu lange festgehalten worden. Wir setzen jetzt darauf, dass jetzt die Entscheidung, die jetzt gefällt werden kann im Einklang mit der Pressefreiheit steht und Herrn Yücel eine schnelle Möglichkeit gibt wieder in die Freiheit zurückzukehren." Kurz nach Gabriels Ankündigung verhängte schließlich ein Richter Untersuchungshaft. Yücel wird Terrorpropaganda und Aufstachelung zur Gewalt vorgeworfen. Der deutsch-türkische Korrespondent war vor etwa zwei Wochen festgenommen worden.
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