Bundesliga

Sport  Karim Rekik hat bei Hertha alles im Griff

Karim Rekik (l.) ist der neue Abwehrchef bei Hertha BSC
Karim Rekik (l.) ist der neue Abwehrchef bei Hertha BSC
Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS
Der Niederländer Karim Rekik hat sich auf Anhieb zum neuen Abwehrchef bei Hertha entwickelt. Nun will er auch gegen Leverkusen glänzen.

Berlin.  Als Karim Rekik zwölf Jahre alt war, durfte er bei den Heimspielen seines Klubs Feyenoord Rotterdam regelmäßig als Balljunge dabei sein. Rekik, damals schon der talentierteste Verteidiger seines Jahrgangs, hatte völlig positionsuntypisch ein Faible für den flinken Flügelstürmer seiner Mannschaft. Der war so schnell, hatte viel Tempo mit dem Ball am Fuß. Seine Gegenspieler ließ er wie Holzklötze aussehen und außerdem lachte er so herrlich.

Und Lachen, das machte Rekik auch schon als kleiner Junge gern. Der junge Angreifer, der da alle zwei Wochen an den Sonntagen direkt vor seinen Augen das Feld hoch und runter lief, hieß Salomon Kalou und stammte aus der Elfenbeinküste. Schon zu dieser Zeit war klar, dass Kalou nicht lange bei Feyenoord bleiben würde, die großen Klubs hatten sich längst schon nach ihm erkundigt. Die Chancen, dass Rekik und Kalou einmal in einer Mannschaft stehen würden, standen also nicht sehr gut.

Es ist dann doch anders gekommen. Zehn Jahre später spielen beide für Hertha BSC in der Bundesliga. Der eine, Kalou, steuert im Alter von 32 Jahren stark auf den Herbst seiner Karriere zu. Der andere, Rekik, befindet sich mit 22 gerade im Frühling. Oder, um im Bild zu bleiben: in seinem zweiten Frühling. Es gab schon mal eine Zeit, da wurde er als ganz großes Versprechen gehandelt.

Der 22-Jährige fehlte bislang noch keine Minute

Europameister mit der niederländischen U17, danach Wechsel zu Manchester City. Louis van Gaal, der selbstbewusste Grantler mit dem unbestrittenen Auge für Talente, berief ihn sogar in die Nationalmannschaft, wo er beinahe den Sprung in den Kader für die Weltmeisterschaft 2014 geschafft hätte. Dann aber geriet die Karriere ins Stocken. Eine Ausleihe hier, eine Ausleihe da, ehe ihn City endgültig an Olympique Marseille abgab, von wo er im Sommer zu Hertha kam. Dort hat er auf Anhieb eine sportliche Heimat gefunden und ist inzwischen mindestens genau so wichtig wie Kalou.

„Karim ist in jedem Training, in jedem Spiel anzumerken, dass er nach oben will“, sagt Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer. Der Ehrgeiz, es wieder nach oben zu schaffen, sei bei ihm sehr ausgeprägt. Nach sechs Pflichtspielen, von denen er alle von Beginn an und über die volle Distanz auf dem Platz stand, ist der Sohn einer niederländischen Mutter und eines tunesischen Vaters bereits Herthas unumstrittener Abwehrchef. Lautstark gibt er Anweisungen, dirigiert, organisiert und treibt an. Als einer von wenigen ist er bislang von Pal Dardais Rotation verschont geblieben. Herthas Trainer kündigte zwar vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Leverkusen (20.30 Uhr, Olympiastadion) an, auch bei den Innenverteidigern überlegen zu wollen, aber vermutlich dürfte es eher Sebastian Langkamp treffen, für den Niklas Stark auflaufen könnte.

Gegen die schnellen Leverkusener Angreifer auf Rekik zu verzichten, würde wenig Sinn machen, da kein Berliner Verteidiger über so viel Tempo verfügt wie der Niederländer. „Er hat die Geschwindigkeit, mit den Stürmern in der Bundesliga mitgehen zu können“, sagt Co-Trainer Widmayer. Was bisher bei Rekik besonders positiv auffällt: Sein Stellungsspiel ist hervorragend und für einen 22-Jährigen ungewöhnlich sicher. Das Gleiche gilt für seinen ersten Kontakt, Ballannahme und Weiterleitung sind versiert, sein Spielaufbau ist sauber. Typisch niederländische Schule eben.

Dardai lobt Rekiks taktisches Verständnis

„Man sieht, dass er eine gute Ausbildung genossen hat“, sagt Widmayer. Dessen Chef Pal Dardai ist aber noch aus einem weiteren Grund besonders zufrieden mit seinem Zugang. „Ein Faktor, dass wir defensiv so sicher stehen, ist, dass Karim so mutig da hinten rausrückt, wenn die Abstände vorn stimmen“, sagt Dardai. Herthas Trainer meint die Distanz zwischen der hinteren Viererkette und der Mittelfeldreihe. Dort gibt es für die Gegner bislang kaum ein Durchkommen. In der ersten englischen Woche kassierte Hertha in drei Spielen nur zwei Gegentreffer. Auch diese Zahl gehört zu Rekiks Verdiensten. „Mit seinen Leistungen bisher hat er die Messlatte ziemlich hoch gelegt“, sagt Widmayer. Nun wird es spannend sein zu beobachten, ob der Verteidiger dieses Niveau halten und sogar ab und an „Ausreißer nach oben zeigen kann“, wie Widmayer es nennt.

Rekik und Berlin, das passt. Auch privat. Mittlerweile ist seine Familie nachgezogen, Bruder Omar spielt bei Hertha im Nachwuchs. Nur seine Freundin lebt weiter in den Niederlanden, da sie dort als Model und Moderatorin arbeitet. Nicht unbedingt die Wunschsituation für das Paar, so aber kann Rekik sich noch mehr auf seinen Sport zu konzentrieren.

Gegen Bayer kassierte Hertha am letzten Spieltag der vergangenen Saison eine empfindliche 2:6-Niederlage im Olympiastadion, welche die Freude über den Einzug in die Europa League doch etwas trübte. Alles vergessen, sagt Dardai. „Wir haben jetzt eine andere Mannschaft mit einem anderen Charakter.“ Und einen neuen Abwehrchef. Der so gut in Form ist, dass sechs Tore gegen Hertha derzeit nur schwer vorstellbar sind.

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