Tour de France

Sport  Peter Sagan: „Ich habe nichts falsch gemacht“

Mittendrin, aber nicht mehr dabei: Peter Sagan muss das Verhalten erklären, das zu seiner Disqualifikation führte und fühlt sich unschuldig
Mittendrin, aber nicht mehr dabei: Peter Sagan muss das Verhalten erklären, das zu seiner Disqualifikation führte und fühlt sich unschuldig
Foto: DIRK WAEM / imago/Belga
Peter Sagan wehrt sich gegen den Vorwurf eines bösartigen Remplers. Viele halten seinen Ausschluss von der Tour de France für zu hart.

Vittel.  Die Stimmung war gedrückt im Club Med in Vittel. Schweigsam schoben die Mechaniker Räder über den Rasen der Ferienanlage. Auch die Stimmen waren gedämpft. Nicht nur bei Team Bora-Hansgrohe, das damit umgehen musste, dass ihr großer Star, Weltmeister Peter Sagan, von der Tour de France weggeschickt worden war. Auch bei anderen Teams, die auf der Anlage untergebracht waren, herrschte eher gedämpfte Atmosphäre.

Winokurow verteidigt den Weltmeister

„Der Ausschluss ist zu hart. Einen Tag Pause, okay, aber nicht für die gesamte Tour“, sagte Alexander Winokurow, Rennstallmanager von Astana, dieser Zeitung. Winokurow fügte noch spöttisch hinzu: „Wenn es sich um Astana gehandelt hätte, wäre die Entscheidung vom Ausschluss ganz schnell getroffen worden.“

Der Kasache mochte damit nicht ganz unrecht haben. Bei Verfehlungen Astanas wurde in den vergangenen Jahren schnell reagiert. Bei Sagans Ausschluss jedoch agierte die Jury erst zögerlich. Sie verpasste ihm zunächst eine 30-Sekunden-Strafe und einen Abzug von 80 Punkten in der Wertung des Grünen Trikots. Dann aber rang sie sich zum Ausschluss durch. Der Jury zufolge gab die „ernsthafte Gefährdung anderer Fahrer“ den Ausschlag für die harte Strafe.

Verletzung Cavendishs tut ihm leid

Die Tour de France 2017 hat damit ihren Skandal. Wie vor zehn Jahren, als Dopingrazzien und Rennfahrerausschlüsse die Tour de France zeichneten, schlugen auch jetzt Fernsehanstalten vor dem Teamhotel ihr Lager auf. Live wurde vom grünen Rasen vor dem Club Med gesendet. Zu vermelden gab es lange aber nichts. Team Bora gab erst um 11 Uhr am Folgetag eine erste Erklärung ab. Peter Sagan bedauerte dabei die Verletzung Cavendishs. „Ich hoffe, er wird schnell gesund“, meinte er. Selbst war er sich aber keiner Schuld bewusst. „Ich habe nichts falsch gemacht im Sprint“, behauptete er.

Tatsächlich sind die TV-Bilder schwer zu deuten. Cavendish ging in eine Lücke zwischen Sagan und der Absperrung. Dabei berührte er zuerst den Weltmeister. Dann, als der Brite fast auf gleicher Höhe mit dem Slowaken war, fuhr letzterer den Ellenbogen aus. Bruchteile von Sekunden später stürzte Cavendish – und holte sich dabei eine Schulterfraktur. „Das ist ein Gewaltakt“, empörte sich Cavendishs Manager Rolf Aldag.

Eine Art Aufwecksignal für die Sprinter

Sagan sieht es anders. „Ich wollte nur mein Gleichgewicht halten, deshalb der Ellenbogen“, erklärte er. Es ist nicht einmal klar, ob der Ellenbogen tatsächlich den Sturz auslöste. Cavendishs Teammanager forderten unmittelbar nach der Etappe aber vehement den Ausschluss Sagans. Die Jury folgte dieser Auffassung. Nach durchschlafener Nacht wurde diese jedoch nur noch von einer Minderheit geteilt.

„Die Entscheidung ist zu hart, ganz klar“, sagte Sunweb-Profi Simon Geschke. „Aber vielleicht ist das auch eine Art Aufwecksignal für die Sprinter, dass sie sich im Finale anders verhalten“, mutmaßte er. Auch André Greipel bedauerte den Ausschluss seines Rivalen. Viele andere Fahrer und sportliche Leiter stimmten zu. Der Fall Sagan beschäftigte kurzfristig sogar den Internationalen Sportgerichtshof Cas, Anwälte waren involviert, bis unmittelbar vor dem Start wurde verhandelt – doch die Jury kannte kein Pardon.

Froome fährt als Dritter ins Gelbe Trikot

Komplett ungerecht behandelt fühlte sich Team Bora. „Für uns ist unverständlich, dass die Entscheidung gefällt wurde, ohne unsere Sportlichen Leiter und ohne die Fahrer anzuhören“, sagte Teamchef Ralph Denk vor dem Start der fünften Etappe. Da war, trotz laufendem Protest des Rennstalls, Sagan schon auf dem Weg zum Flughafen. Nur ein Aspekt an der traurigen Geschichte stimmt positiv. Der aktuelle Aufreger bei der Tour ist kein Dopingskandal mehr, sondern eine Debatte über Disziplin. Zeichen für einen Wandel in dieser Sportart.

Die erste Bergankunft gewann Fabio Aru vom Team Astana. Der Italiener setzte sich im Finale der fünften Etappe an der Planche des Belles Filles vor dem Iren Daniel Martin (Quick Step) und Titelverteidiger Christopher Froome (Großbritannien/Sky) durch. Froome übernahm in den Vogesen die Gesamtführung von seinem walisischen Teamkollegen Geraint Thomas.

Buchmann auf Platz 17 bester Deutscher

Aru lag nach einem Angriff 2,5 Kilometer vor dem Ziel 16 Sekunden vor Martin und meldete mit seinem ersten Tour-Etappensieg Ansprüche als Herausforderer Nummer eins an. Froome blieb 20 Sekunden hinter Aru zurück. Der Australier Richie Porte (BMC) kam zeitgleich mit Froome ins Ziel. Bester Deutscher war in den Vogesen Emmanuel Buchmann (Ravensburg/Bora-Hansgrohe) auf Platz 22 mit 1:17 Minuten Rückstand.

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