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Sport  Lionel Messi - Für jedes Spiel eine Million Euro

Für immer Barcelona: Lionel Messi verlängert seinen Vertrag
Für immer Barcelona: Lionel Messi verlängert seinen Vertrag
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Lionel Messi zieht mit der Vertragsverlängerung beim FC Barcelona an Ronaldo vorbei und ist wieder der bestverdienende Fußballprofi.

Barcelona.  Lionel Messi hat so beschwingte wie harte Tage hinter sich. Bei seiner Trauung in der Heimatstadt Rosario versuchte er zwar tapfer den Salonlöwen zu geben, aber danach belustigte sich die halbe Welt über den ungelenken Hochzeitkuss und Tanzküste wie von einem deutschen Vorstopper der 1980er-Jahre. Zu allem Überfluss tauchte nun im argentinischen Fernsehen auch noch seine Großtante Susana auf und ließ die Öffentlichkeit in die offenbar nicht sehr harmonischen Familienverhältnisse blicken. Sie sei nicht mal eingeladen worden, schluchzte sie im Programm mit dem passenden Namen „Infama“, denn „diese Frau“ habe die Sippschaft auseinanderdividiert. Gemeint war Messis Mutter, durch die Wahl eines weißen Kleides und damit der Missachtung des Brautprivilegs sowieso schon in aller tuschelnden Munde: Zwischen den beiden frisch vermählten Häusern soll es nicht ums Beste stehen.

Gefährlicher Trick mit dem Financial Fairplay

Wenn das Leben mal nur so einfach wäre wie der Fußball. Da musste der fünffache Weltfußballer am Mittwoch nicht mal seine Flitterwochen auf der Karibikinsel Antigua unterbrechen, um weißen Rauch über Barcelona aufsteigen zu lassen. Eine knappe Pressemitteilung genügte, in der der FC über die Verlängerung seines Vertrags bis 2021 informierte. Nie hat Eigengewächs Messi (30) für einen anderen Klub professionell Fußball gespielt, und dabei soll es bleiben, bis müde Knochen und ermattete Motivation sie scheiden.

„Ich träume davon, meine Karriere bei Barça zu beenden“ – so ließ sich Messi, über 500-facher Torschütze für den Klub, sich schon kürzlich zitieren. Dennoch erwies sich die achte Erneuerung seines Arbeitsverhältnisses als komplizierter denn je. Über ein halbes Jahr dauerten die von Präsident Bar­tomeu und Messis Vater Jorge geführten Verhandlungen, und zeitweise war die Nervosität so groß, dass Kluburgestein Pere Gratacós, einst auch Jugendtrainer Messis, seinen Posten als Direktor für institutionelle Beziehungen räumen musste – am Rande einer Pokalauslosung hatte er sich den Kommentar erlaubt, „ohne Neymar, Suárez und Iniesta wäre Leo nicht so gut“.

Argentinier will auch als Weltbester entlohnt werden

Freilich ging es auch ums Geld. Wo Messi auch vom eigenen Klub ausdauernd als Weltbester bezeichnet wird, muss er auch als solcher entlohnt werden. Nach der letzten Verlängerung seines Madrider Dauerrivalen Cristiano Ronaldo war dieser Status trotz rund 20 Millionen Euro netto jährlich allerdings nicht mehr garantiert. Zudem sollen die Messis eine Form von Anerkennung für ihr Leiden im Steuerprozess (21 Monate Haftstrafe und zwei Millionen Euro Strafe) gewünscht haben. Umgerechnet kostet Messi also nun für jedes Pflichtspiele rund eine Million Euro brutto.

Auf der anderen Seite oszilliert Barça schon länger gefährlich an der vom Financial Fairplay erlaubten Gehaltsobergrenze (70 Prozent des Umsatzes). Die Lösung bestand laut der klubnahen „Sport“ nun in einer Sonderprämie über 50 Millionen Euro brutto, die in den Rechnungsbüchern über die gesamte Vertragslaufzeit gestückelt, aber möglicherweise schon vorher komplett ausbezahlt werde. Die Zeitung schreibt von einem „nie dagewesenen wirtschaftlichen Kraftakt“.

Weitere Schummeleien gegenüber dem Fiskus?

In Madrid berichtete die Real nahestehende „ABC“ derweil in den letzten Tagen von weiteren Schummeleien der Messis gegenüber dem Fiskus. Danach hätten sie ihre Stiftung genutzt, um Einnahmen aus Bildrechten zu verschleiern. Sollten die Vorwürfe strafrechtlich justiziabel sein, wären die Folgen fatal. Zwar hat die Staatsanwaltschaft zugestimmt, Messis Gefäng-nisstrafe aus dem abgeschlossenen Prozess gegen Zahlung von 505.000 Euro zur Bewährung auszusetzen. Aber zumindest für drei weitere Jahre will sie Messi als vorbestraft wissen.

In Barcelona wird Messi vielerorts für ein Opfer der Madrider Eliten gehalten. Während des Steuerverfahrens versicherte ihm Barça seine Solidarität mit Kampagnen wie „Wir sind alle Messi“. Ob der Spieler das wirklich eingefordert hat, ist nicht bekannt. Wohl soll er aber ein sportliches Projekt verlangt haben, das Barça unter dem neuen Trainer Ernesto Valverde wieder zur Nummer eins in Europa macht.

Verstärkungen für häufigere Titelgewinne gefordert

All seine Glanzleistungen reichten ja auch deshalb in den letzten sechs Jahren nur zu einem Champions-League-Titel (2015), weil an seinen schlechten Tagen zu selten andere in die Bresche sprangen. Der Abhängigkeit von Messi soll durch eine Wiederbelebung des zuletzt verdörrten Mittelfeldspiels abgeholfen werden: Marco Verratti (Paris) bleibt dafür der Wunschkandidat, außerdem balgt man sich mit Real um Dani Ceballos (Betis Sevilla), ausgezeichnet als „bester Spieler“ der U21-EM.

Wenn Messi aus dem Urlaub zurückkommt, will er den neuen Vertrag unterschreiben. Nur seine Familienwirrungen allerdings dürften sich bis dahin jedoch kaum geklärt haben.

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