Tennis

Sport  Jetzt wackeln die Rekorde bei Rafael Nadal

Rafael Nadal könnte ganz Paris umarmen
Rafael Nadal könnte ganz Paris umarmen
Foto: BENOIT TESSIER / REUTERS
Erst Roger Federer, nun Rafael Nadal – die alten Tennisstars dominieren die Grand Slams. Folgt nun die Fortsetzung in Wimbledon?

Paris.  Am Morgen nach dem historischen zehnten Sieg bei den French Open erschien die spanische Zeitung „Le Mundo“ mit einer schlichten Schlagzeile. „Roland Nadal!“ stand neben dem Bild des Champions, der er innig den Siegerpokal in seine Arme schloss. Ohne Superlative war so alles gesagt: Nadal und Roland Garros, sie sind irgendwie unzertrennlich verbunden, man kann das eine kaum ohne das andere denken. Alles, was in Paris war, und alles, was in Paris noch kommen wird, das wird an dem 31-jährigen Mallorquiner gemessen werden. Vielleicht wird dereinst eine der Pariser Arenen seinen Namen tragen, den des „besten spanischen Sportlers aller Zeiten“ („Marca“).

Dieser zehnte Titellauf war, aus vielerlei Gründen, denkwürdig, überragend, emotional. Nicht nur wegen der magischen Zahl, die einem stets und überall entgegentrat. Sondern weil es einer selbstverständlichsten und zugleich am wenigsten selbstverständlichen Siege Nadals war. 2015 und 2016 war er nur Zuschauer gewesen, als sich die finalen Zeremonien abspielten, 2015 unterlag er im Viertelfinale dem damaligen Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, 2016 reiste er verletzt ab, eine Handgelenksverletzung zwang ihn zur Aufgabe.

Der Körper wollte nicht mehr

Es gab nicht wenige, die ihn abschrieben vor einem Jahr – nicht, weil er keine Motivation mehr besessen hätte. Sondern weil sein Körper nicht mehr mitzuspielen schien, schließlich sorgten diverse Verletzungen schon für runde drei Jahre Zwangspause in seiner Karriere. „Natürlich habe ich alles für ein erfolgreiches Comeback getan“, sagte Nadal, „aber du hast keine Gewissheiten, du hast eher deine Zweifel, wie alles kommen wird.“

Der Erfolgslauf des Jahres 2017, bei dem er keinen einzigen Satz und bloß 35 Spiele in sieben Partien abgab, hatte auch deswegen einen herausragenden Charakter, weil zum letzten Mal Toni Nadal an der Seite von Rafael Nadal war. Auch hier galt immer: Kann man sich den Matador ohne seinen engsten Vertrauten vorstellen, geht das überhaupt: Nadal ohne Nadal? Toni, der Coach, hat der Tenniswelt darauf früh in dieser Saison die Antwort gegeben: Es geht, es muss gehen. Er deutete an, dass einer gewissen Emanzipation und Neuausrichtung des Champions nicht im Wege stehen wolle.

Der Onkel macht Schluss

Bevor er gar nichts mehr zu sagen habe im größer gewordenen Trainerteam, werde er sich anderen Aufgaben widmen, nämlich vor allem der Tennis-Akademie, die die Nadal-Familie auf Mallorca betreibt. Ende des Jahres 2017 hört Onkel Toni dann auf, und deshalb waren die Gefühle auch so speziell, die man bei der Siegerzeremonie sah. Der Trainer kam auf den Centre Court, übergab dem Neffen eine Replika des Pokals, auf dieser nachgebildeten Trophäe stand „La Decima.“ Es war und ist zwar noch längst nicht alles vorbei für Rafael Nadal, weder in Paris noch sonst wo, doch der 11. Juni war zumindest für Roland Garros das Ende der Ära Nadal/Nadal. An jenem Platz, wo 2005 alles begann für das Gespann, mit dem ersten von zehn Titeln.

Es kann allerdings sein, dass Toni und Rafael Nadal noch einiges erleben werden in dieser letzten gemeinsamen Saison. Denn der Spanier kann auch jenseits von Roland Garros zum Titel-Helden werden. Nichts spricht im Moment dagegen, Nadal auch zum Mitfavoriten für Wimbledon oder die US Open zu ernennen, schließlich ist er fit, gesund und bereit für alle Herausforderungen.

Dominanz im Sand

Er ist auch nahe dran, in der Weltrangliste noch einmal die Nummer 1 zu werden, es könnte dabei sogar zu einem Duell mit seinem ewigen Rivalen und guten Freund Roger Federer (35) kommen. Jedenfalls führt Nadal zurzeit schon die Jahres-Bestenwertung an, also die Hitparade, die nur alle Turnierresultate ab dem 1. Januar einbezieht. „Wer mir das vor einem Jahr gesagt hätte“, sagt Nadal, „den hätte ich für verrückt erklärt. Damals wollte ich einfach nur gesund werden.“

Doch nun: La Decima, der zehnte Titel in Paris, zuvor auch schon der jeweils zehnte Titel in Barcelona und Monte Carlo. Eine flächendeckende Dominanz im Sand – und glänzende Perspektiven. „Wenn Nadals Körper hält, dann kann er allein in Paris fünfzehn Titel holen“, meinte am Sonntag der Brasilianer Gustavo Kuerten, der 1997 überraschend die French Open gewonnen hatte, „ich bin froh, dass ich nicht in einer Generation mit ihm spielen musste.“

Federer lobt den Kontrahenten

„Absolut gigantisch“ nannte auch Federer Nadals Leistung, der Schweizer hatte die komplette Sandplatzsaison sausen lassen und beginnt nun beim Rasenturnier in Stuttgart seine Vorbereitung auf Wimbledon (ab 3. Juli). „Rafa wird natürlich auch mit Selbstvertrauen nach London kommen, was für mich nicht ideal ist“, sagte Federer, der zu Jahresbeginn im Finale gegen Nadal die Australian Open gewonnen hatte, nach viereinhalb Jahren Pause war dem Rekordsieger dabei der 18. Grand-Slam-Triumph gelungen.

Nun gelang Nadal der 15. Majorsieg – und die Rekorde wackeln. „Der Fokus ist, gesund zu bleiben. Aber wenn es zu dem Showdown käme, dann wären wir beide froh. So gut wie wir beide jetzt gespielt haben, habe ich das Gefühl, dass für ihn Ende des Jahres der Moment kommen wird. Vielleicht in New York oder so“, sagte Federer.

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