Zweite Liga

#Union  sucht nach einem Ordner

Unions energischer Ordner: Stephan Fürstner (r.)
Unions energischer Ordner: Stephan Fürstner (r.)
Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / Maurizio Gamb
Warum die Schaffenskrise der Unioner mit der Verletzung von Stephan Fürstner zusammenfällt. Kaiserslautern soll Wende zum Guten bringen.

Berlin.  Manchmal sind Statistiken nur Zufälle, die Kausalität vorgaukeln. Diesen trügerischen Charakter mancher Zahlen haben sie beim 1. FC Union derzeit ganz genau im Blick. Unter dringendem Verdacht stehen die Drei, die Fünf und vor allem eine Null: Fünf Gegentore hat Union in den vergangenen drei Spielen kassiert, keines davon wurde gewonnen. Das ist fraglos zu wenig für den direkten Aufstieg. Aber haben sich Fünf, Drei und Null zufällig eingeschlichen? Oder sind sie etwa doch an der Abwesenheit Stephan Fürstners festzumachen, der mit einer Kniearthroskopie seit eben jenen drei Spielen ausfällt?

Der Trainer verneint das natürlich. „Es lag nicht an seinem Fehlen, denke ich, sondern in der ganzen Mannschaft habe ich eine gewisse Verunsicherung gespürt. Was eigentlich nicht sein dürfte“, sagt Jens Keller. Für einen genaueren Befund muss man schon gut hinsehen. Fürstner ist kein Torjäger, kein Sprinter, kein Abwehrfels; Fürstner ist ein sogenannter Sechser. In Unions Mittelfeldzentrale ist Fürstner selten zu sehen, aber immer sichtbar.

Das Knie ist Schuld

Fürstner hat sich für diese Rolle eine Weile gedulden müssen, vier Trainer-Ären lang. Nicht lange nach seiner Ankunft im Sommer 2015 galt er fast als Fehleinkauf. Unter Keller ist Fürstner gesetzt. Bis zu seiner Kniearthroskopie bespielte er den Korridor zwischen vorn und hinten. Fürstner lief Passwege zu, baute das Spiel aus der Tiefe auf. Als Scharnierspieler ist er meist der einzige Sechser in der Union-Formation dieser Saison. Seine vornehmlichen Aufgaben: Antreiben, Ordnen, Vorhersehen, Laufen.

Lange hat man in Köpenick gedacht, dass andere das mindestens genauso gut können wie der 29-Jährige. In den drei fürstnerlosen Spielen zuletzt versuchte es Keller mit Dennis Daube als Stellvertreter. „Eigentlich weiß jeder, was er auf der Position zu tun hat“, sagt Daube. In Hannover und gegen Aue verlor Union – Wissen ist das eine, Anwenden das andere. Weil ihm die Ausstrahlung Fürstners abzugehen scheint, installierte Keller auch während der laufenden Spiele immer wieder einen zweiten Mann neben Daube. Meist hieß der Felix Kroos. Der Kapitän nahm diese leicht defensivere Rolle an.

Drei Vertreter mit Defiziten

Dadurch verlor Union Kroos‘ taktisches Gewicht und technische Klasse. Es fehlte an vorletzten und letzten Pässen, die bei den Berlinern keiner besser spielt als Kroos. Auch fern des Balles wirkte der Kapitän zuletzt ein bisschen aufgerieben ob seiner Gesamtbedeutung für die Mannschaft. Eine Szene vom Sonntag in Düsseldorf, in der Kroos Simon Hedlund wegen eines Fehlers lautstark anfuhr, darf nicht überdeutet werden, passt aber in das Bild eines Kapitäns, auf den sich gerade zu viel zu kaprizieren scheint bei den Köpenickern.

Ein ähnlich symbolisches Bild gibt auch Damir Kreilach ab. Der Kroate hat die interne Stellung, die Lücke zu füllen. Er ist derzeit aber sehr mit sich beschäftigt, stand in Düsseldorf erstmals in dieser Saison nicht in der Anfangself und denkt für einen echten Sechser letztlich zu offensiv. Versucht Kreilach, seine Rollen als Ersatz-Fürstner und Ur-Kreilach zu vereinen, läuft er so viel, dass ihm am Ende seiner Aktionen gern die Kraft und damit Konzentration ausgehen. In Düsseldorf traf Kreilach zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen ins eigene Tor. „Pech“, nennt er das – man könnte auch Übereifer sagen.

Auch verbal stark auf dem Platz

Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen den jüngsten Vertretern und dem Original. „Fürstner ist jemand, der sehr viel organisiert im Spiel, auch verbal. Es ist sehr wichtig, dass er gut eingreift. Das hat uns in letzter Zeit ein bisschen gefehlt“, sagt der Trainer und tritt dem Eindruck entgegen, ohne Fürtsner nicht mehr gewinnen zu können. „Wir dürfen nicht alles am Stefan festmachen. Alle auf dem Platz müssen Verantwortung übernehmen“, so Keller.

Sie haben ja schon ohne ihn gesiegt, in der Hinrunde, im ersten Spiel des Jahres auch. Da bogen die Köpenicker gegen Bochum einen Rückstand noch zu einem 2:1. Damals gab Michael Parensen den Fürstner. Ob er für das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Ostersonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei und Sky) wieder eine Option ist, war Keller nicht zu entlocken.

Vielleicht schon Sonntag wieder dabei

Vielleicht plant er bereits wieder mit Fürstner. „Er ist nicht so lange ausgefallen, hat daher körperlich nicht viel verloren. Er konnte relativ früh wieder trainieren. Diese Woche war er im Training dabei, jetzt müssen wir schauen“, so der Trainer. Fürstner weiß, wie es sich anfühlt, in die Bundesliga aufzusteigen. 2012 gelang ihm das bei Greuther Fürth. Diese Erfahrung kann für die Berliner sehr wichtig sein in der aktuellen Phase.

Fürstner könnte sich über seine Bedeutung für die Mannschaft freuen, die die vielleicht beste ist in 51 Jahren Union und mit 23 Punkten vor dem aktuellen Spieltag auf jeden Fall die beste der Rückrunde. Fürstner sollte sich aber im Stillen freuen. Manchmal sind Statistiken ja einfach nur Zufälle.

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