Bundesliga

Warum #Hertha  reif ist für die große Bühne

Foto: imago sportfotodienst / imago/Matthias Koch
Hertha nähert sich Europa – auch dank Rückkehrer Weiser, der sofort im Mittelpunkt steht. Ein anderer Hoffnungsträger fällt indes aus.

Berlin.  Pal Dardai drehte den Spieß einfach um. „Mitch ist richtig getreten worden und wir haben Glück, dass er nicht im Krankenhaus liegt“, sagte Herthas Cheftrainer am Tag nach dem denkwürdigen 2:1 gegen Borussia Dortmund. Nach so einer Szene müsse man nicht über Weiser und theatralische Schwalben reden, sondern über Dortmunds Ousmane Dembélé, der dem Berliner in der Schlussphase rüde auf den Knöchel gestiegen war.

Genau das wollten nach Abpfiff aber die wenigsten, statt Dembélé war es Weiser, der in den sozialen Medien reichlich Prügel bezog. „Schlimmste Schwalbe aller Zeiten“, „Anspruchsvolles Bodenturnen“, „Da denkt man, man hat schon jede Unsportlichkeit gesehen ...“ – im Netz musste Weiser noch mehr einstecken als zuvor auf dem Rasen.

Dass er es übertrieben hatte mit seiner Einlage nach besagtem Foul, gab Weiser sogar zu. „Ich mache nur das, was er auch immer macht“, sagte er im Bauch des Olympiastadions. Die Intention war klar: Zeit gewinnen und einen Platzverweis provozieren, doch Schiedsrichter Robert Hartmann behielt den Durchblick, zeigte beiden Protagonisten Gelb. Später postete Weiser ein Bild von seinem sichtlich ramponierten Bein. Viel besser machte das die unrühmliche Szene nicht.

Der 22-Jährige ist der einzige Umschaltspieler der Berliner

Bei Hertha waren sie natürlich trotzdem heilfroh, dass Weiser so und anders für Gesprächsstoff sorgte – endlich wieder. Drei Monate lang war der verletzte Außenbahnspieler schmerzlich vermisst worden, weil ohne ihn so oft so vieles fehlte im Berliner Spiel: Kreativität und Angriffslust, aber auch das nötige Tempo im Umschaltspiel.

Qualitäten, die er bei seinem Comeback gegen Dortmund eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nach seiner Einwechslung (66.) dauerte es keine fünf Minuten, bis er das Spiel in typischer Weiser-Manier an sich riss. Ballgewinn am Mittelkreis, ein rasanter Sprint gegen gleich mehrere Dortmunder, couragiert, mit dem Ball eng am Fuß und dem Gespür für den richtigen Raum, so lange, bis sich Weltmeister Matthias Ginter an der Strafraumgrenze nur noch mit einem Foul zu helfen wusste. Den fälligen Freistoß hämmerte Marvin Plattenhardt mit sagenhafter Präzision ins Netz. Das Siegtor.

„Er kann den Unterschied machen“, war Dardai voll des Lobes, „Mitch ist unser einziger Umschaltspieler. Man sieht, wie er uns helfen kann.“ Vedad Ibisevic sah’s ähnlich. „Er ist wichtig für uns“, meinte der Kapitän, „ich freue mich, dass er wieder gesund ist.“ Im Vergleich zur hartnäckigen Nervenirritation im Rücken, die Weiser seit Dezember zur Pause gezwungen hatte, sollten die Blessuren aus dem BVB-Spiel harmlos sein.

Bilderbuchstart ins letzte Saisondrittel

Ein Sieg gegen einen der Topklubs der Liga, dazu die gefeierte Rückkehr eines Hoffnungsträgers und schwächelnde Konkurrenten – nein, viel besser hätte der 24. Spieltag nicht laufen können für Hertha. Zumal der Zeitpunkt für das sportliche Ausrufezeichen zum Start des finalen Saisondrittels denkbar günstig scheint. Wo kürzlich noch die Sorge eines erneuten Rückrunden-Einbruchs umhergeisterte, hat sich seit Sonnabend entschlossene Zuversicht eingenistet. Ibisevic war nicht der Einzige, der betonte: „So ein Sieg gibt Selbstvertrauen.“

Im Vorjahr schien die ernüchternde Pokal-Pleite gegen Dortmund die letzten Energiereserven für den Schlussspurt geraubt zu haben. Nun macht es den Anschein, als habe der Sieg gegen den BVB genau die gegenteilige Wirkung.

„Wir haben uns in den letzten zwei Jahren auf einen Tag wie gestern hinentwickelt“, sagte Manager Michael Preetz. Der Prestigeerfolg gegen den Champions-League-Viertelfinalisten soll zusätzliche Sogwirkung entfalten. Von blinder Euphorie kann jedoch keine Rede sein. „Wir sollten nicht selbstzufrieden sein“, warnte Dardai, „jetzt kommt wieder ein Auswärtsspiel, da dürfen wir nicht nachlassen.“ Das Muster dieser Saison ist schließlich hinlänglich bekannt: Auf mitunter begeisternde Heimspiele folgten in der Fremde meist Enttäuschungen. Nur drei Teams der Liga holten auswärts weniger Punkte als Hertha.

Spielmacher Duda fällt mindestens drei Wochen aus

Damit sich das schleunigst ändert, denkt Dardai schon laut über eine neue Taktik nach. „Vielleicht sollten wir auswärts ganz anders spielen als zu Hause“, sagte der Ungar – ohne viel Ballbesitz und Spielkultur, stattdessen „systematisch bunkern, bunkern, bunkern und dann kontern.“ Am Sonnabend tritt Hertha beim direkten Konkurrenten 1. FC Köln an und kann den nächsten Schritt Richtung Europa machen.

Verzichten müssen wird Dardai dann auf den zweiten Hoffnungsträger neben Weiser. Bei Spielmacher Ondrej Duda, nach gefühlter Endlos-Verletzung erst vor zwei Wochen erstmals im Einsatz, wurde ein Muskelfaserriss diagnostiziert. Er fällt mindestens drei Wochen aus. Trotzdem könnte es etwas werden mit der neuen Auswärtstaktik. Defensiv stabil stehen und dann zustechen – schließlich hat Hertha endlich wieder einen Umschaltspieler. Das Schauspielern darf sich Weiser dabei ruhig sparen.

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