Bode-Museum

Berlin  Wachmann Dennis W. gab den Münzdieben entscheidende Tipps

Polizei fahndet mit Video nach Münzdieben vom Bode-Museum

Schubkarre, Rollbrett, Axt und Leiter: Mehr brauchten die Diebe nicht, um eine 100 Kilo schwere Goldmünze aus dem Museum zu stehlen.
Di, 04.07.2017, 20.54 Uhr

Schubkarre, Rollbrett, Axt und Leiter: Mehr brauchten die Diebe nicht, um eine 100 Kilo schwere Goldmünze aus dem Museum zu stehlen.

Beschreibung anzeigen
Die Polizei hat am Mittwoch vier Menschen verhaftet, darunter einen Wachmann. Der versorgte die Diebe offenbar mit Insiderwissen.

Nach den Festnahmen im Zusammenhang mit dem Goldmünzen-Diebstahl aus dem Bode-Museum steht fest, dass die Einbrecher Insider-Wissen hatten. Unter den am Mittwoch Festgenommenen ist mit Dennis W. (19) auch Aufsichtspersonal aus dem Museum. Die Ermittler sind sich sicher, dass er die arabische Großfamilie R. mit den entscheidenden Informationen und Interna aus dem Museum versorgte.

Durch Observationen und Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) stieß die Polizei auf ein ganzes Netzwerk, das am Einbruch ins Bode-Museum beteiligt gewesen sein soll. Bei der Razzia am Mittwochmorgen wurden 14 Objekte in Berlin und Brandenburg durchsucht. Schwerpunkt war der Bezirk Neukölln. Laut Oberstaatsanwältin Martina Lamb, welche die Ermittlungen leitete, wurden vier Haftbefehle vollstreckt.

Gegen neun weitere Personen, darunter auch Hehler, laufen Ermittlungsverfahren. Neben Dennis W. wurden noch die Verwandten Abdel R., Ahmed R. und Wissam R. verhaftet. Sie sind alle zwischen 18 und 20 Jahre alt – und würden damit nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Dennis W. hatte erst im März dieses Jahres über ein Subunternehmen als Aufsichtsperson im Bode-Museum angefangen. „Wir glauben allerdings nicht, dass er da schon eine Tatabsicht hatte“, sagt Carsten Pfohl, Leiter für qualifizierte Eigentumsdelikte beim Landeskriminalamt (LKA) Berlin. Er habe vielmehr bei seiner Arbeit die Tatgelegenheit erkannt. Auf die Schliche kamen die Ermittler Dennis W. wegen anderer Taten. So fiel er unter anderem wegen Tankbetrugs und Kennzeichenfälschung auf – bei einem dieser Verfahren fiel den Ermittlern auf, dass Dennis W. auch im Bode-Museum arbeitet und Umgang mit der polizeibekannten Großfamilie R. pflegt.

Scharfe Schusswaffen und sechsstelliger Geldbetrag

Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem vier munitionierte Schusswaffen, ein niedriger sechsstelliger Geldbetrag und Kleidung sichergestellt, sagte Staatsanwältin Lamb. Die Razzien seien „unproblematisch“ verlaufen, lediglich in einem Fall habe ein Verdächtiger eine Kopfplatzwunde erlitten. Die Ermittlungen seien noch nicht vorüber. Was die Goldmünze betrifft, so sei es jedoch wahrscheinlich, dass diese bereits teilweise oder ganz verkauft wurde. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir keine Teile finden“, sagte Carsten Pfohl vom Berliner Landeskriminalamt.

Laut Staatsanwaltschaft war der Einbruch in das Bode-Museum auch nicht der erste Versuch. Bei der Auswertung des Videomaterials vom S-Bahnhof Hackescher Markt entdeckte die Polizei, dass es offenbar bereits am 17. März und am 21. März dieses Jahres Einbruchsversuche gab. Am 21. März waren die Täter sogar bis zu dem Fenster gelangt, über das sie beim dritten Versuch am 27. März tatsächlich ins Museum gelangten. Sie durchtrennten einen von sechs Eisenbolzen, der das Sicherheitsglas vor dem Fenster hält und verschwanden wieder. Dieser Einbruchsversuch war aber niemandem aufgefallen.

Möglicherweise weiterer Komplize im Museum

Mittlerweile ist auch klar, warum die Täter sich im Museum frei bewegen konnten. Der Wachmann, der in jener Nacht Dienst tat, hatte für seinen Rundgang die Alarmanlage deaktiviert. Als er sie wieder aktivieren wollte, fiel ihm auf, dass mehrere Türen offenstanden. Weil der Mann sich bei seiner Vernehmung in Widersprüche verstrickte, steht auch er im Fokus der Ermittler. Es besteht also die Möglichkeit, dass Großfamilie R. gleich zwei Komplizen im Museum hatte.

Ins Visier der Ermittler geriet nach Morgenpost-Informationen am Mittwochmorgen auch ein Juweliergeschäft an der Neuköllner Sonnenallee, das damit wirbt, Bruchgold anzukaufen. „Ziel der Durchsuchungen ist es natürlich, Hinweise auf den Verbleib der Goldmünze zu finden und Erkenntnisse über Tatverdächtige zu erhalten“, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel der Berliner Morgenpost. „Auch kleinste Spuren können entscheidend sein“, so Wenzel. So sei es etwa möglich auch kleinste Goldanhaftungen später noch nachzuweisen. Man gehe aber davon aus, dass das Gold in Teilen oder bereits ganz veräußert worden ist.

So konnte die Münze in Millionenwert aus dem Bode-Museum geklaut werden

So konnte die Münze in Millionenwert aus dem Bode-Museum geklaut werden

Die „Big Maple Leaf“ ist aus purem Gold und hat einen Durchmesser von etwa 53 Zentimetern. Nach dem aktuellen Goldpreis wäre eine Münze mit diesem Gewicht aus reinem Gold etwa 3,74 Millionen Euro wert.

Da die vier Verhafteten alle unter 21 Jahre alt sind, wird der Fall in der Jugendstrafkammer des Landgerichts verhandelt werden. Die mutmaßlichen Hintermänner der Großfamilie, gegen die auch ermittelt wird, sind allesamt älter. Wie Dennis W. zu dem Clan fand, ist noch unklar. Fest steht, dass er bereits vor seiner Verhaftung den Job im Bode-Museum verloren hatte: wegen Unzuverlässigkeit.

Kommentare einblenden
Krawalle

CDU-Politiker will #RigaerStraße  schließen lassen

Die Rigaer Straße 94 in Berlin
Die Rigaer Straße 94 in Berlin
Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa
Armin Schuster fordert angesichts der Krawalle in Hamburg, linke Szenetreffs wie die Rote Flora oder die Rigaer Straße 94 dicht zu machen.
Mehr lesen