Kriselnde Airline

Berlin  Berliner Senat will nicht für Air Berlin bürgen

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin
Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin
Foto: pa
Die hoch verschuldete Airline hatte um staatliche Hilfe gebeten. Doch der Senat will Air Berlin nicht unter die Arme greifen.

Berlin/London.  Der Berliner Senat will der kriselnden Fluglinie Air Berlin nicht mit einer Landesbürgschaft unter die Arme greifen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Senatskreisen. Offiziell wird die Anfrage des Unternehmens noch gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium geprüft.

Air Berlin hatte vergangene Woche um staatliche Hilfe der beiden Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen nachgesucht. In der Hauptstadt und in Düsseldorf sind mit jeweils 2800 Beschäftigten die meisten der insgesamt 8000 Mitarbeiter tätig. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte sich zunächst aufgeschlossen geäußert. „Air Berlin ist nicht nur ein Berliner Unternehmen, sondern trägt den Namen unserer Stadt täglich in die Welt hinaus“, hatte sie am vergangenen Donnerstag gesagt, ohne aber konkrete Hilfe in Aussicht zu stellen.

Air-Berlin-Chef: „Wir loten alle Möglichkeiten aus – für alle Fälle“

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann will sich mit den Bürgschaften weiteren Spielraum bei der Sanierung der Fluggesellschaft verschaffen. Air Berlin zahlt aufgrund früherer Entscheidungen extrem hohe Zinsen von zehn Prozent für seine Verbindlichkeiten. Da hätte ein öffentlich abgesichertes neues Darlehen, das das alte ablösen würde, für Entlastung gesorgt. „Eine Landesbürgschaft von Nordrhein-Westfalen und Berlin wäre als Unterstützung für den Umbau willkommen“, sagte Winkelmann denn auch am Mittwoch bei der Hauptversammlung der Air Berlin in einem Hotel am Londoner Flughafen Heathrow. „Wir loten alle Möglichkeiten aus – für alle Fälle“, sagte er. Berichten zufolge soll es bei der Bürgschaft um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gehen. „Wir wollen keine Steuergelder, wir wollen auch nicht verstaatlicht werden“, betonte Winkelmann.

Vor den Aktionären verbreiteten die Manager Zuversicht. Die Liquidität sei gesichert, schon im kommenden Jahr soll es operativ – ungeachtet des Schuldenberges – schwarze Zahlen geben, sagte Finanzchef Dimitri Courtelis. Allein im vergangenen Jahr standen unter dem Strich knapp 782 Millionen Euro Verlust. Die Hälfte dieser Summe stammt jedoch nach Angaben des Unternehmens aus verschiedenen Altlasten, vor allem den viel zu hohen Zinsen auf Kredite und zu teuer geleasten Flugzeugen. Zudem habe Winkelmann nach seinem Amtsantritt die Bilanz bereinigt und unter anderem die mit immer noch 40 Millionen Euro bewerteten Markenrechte der vor zehn Jahren übernommenen Fluggesellschaft LTU bilanziell aufgelöst. Seit Jahren überlebt Air Berlin nur mit Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad aus Abu Dhabi. Als Rettungsoption Nummer eins gilt in Branchenkreisen eine Übernahme durch die Lufthansa.

Die Air-Berlin-Hauptversammlung dauerte am Mittwoch nur 42 Minuten. Die Anteilseigner vertrauen auf den Ex-Lufthansa-Manager Winkelmann. Der erklärte die jüngste operative Krise mit zahlreichen gestrichenen und verspäteten Flügen für beendet. „Air Berlin ist wieder eine sichere, pünktliche und zuverlässige Fluggesellschaft“, sagte Winkelmann. Seit dem 1. Juni sei der Flugplan stabil, die Pünktlichkeit wieder bei mehr als 80 Prozent, Streichungen gebe es nur aus technischen Gründen.

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