Schauspielerin

#Promis  Cornelia Gröschel - „Ich habe mich freigespielt“

Cornelia Gröschel steht seit ihrem zehnten Lebensjahr vor der Kamera
Cornelia Gröschel steht seit ihrem zehnten Lebensjahr vor der Kamera
Foto: Maurizio Gambarini
Die Schauspielerin Cornelia Gröschel über Perfektionismus – und wie man ihn los wird.

Kurz vor 10 Uhr klingelt das Handy. Es ist Cornelia Gröschel. Sie steht vorm Café „Nola’s“ am Weinbergsweg, wo man in zehn Minuten verabredet ist. Das Lokal hat zu, ob man woandershin gehen solle? Diese kleine Anekdote sagt viel über die 29-Jährige aus, die eine ganz untypische Aktrice ist.

„Das Organisierte gefällt mir“, erklärt sie im Café „Nola’s“, das Punkt 10 Uhr die Türen aufgesperrt hat. Für einige Zeit hat sie sogar die Steuererklärung ihrer Kollegen gemacht. Seit sie zehn Jahre alt ist, steht die gebürtige Leipzigerin vor der Kamera, dreht seitdem mindestens einen Film pro Jahr. Von „Heidi“ über „Lerchenberg“ bis „Der Staat gegen Fritz Bauer“. Demnächst spielt sie in dem ZDF-Dreiteiler „Honigfrauen“ (23.4./30.4./7.5., 20.15 Uhr) neben Sonja Gerhardt, Anja Kling und Götz Schubert. In dem Coming-of-Age-Film geht es um zwei junge Frauen, die zu DDR-Zeiten ihre erste Reise an den Balaton machen und dort verdächtigt werden, fliehen zu wollen.

Das Drehbuch hat sie mit ihrer Familie besprochen. „Ich habe meiner Mama viele Fragen gestellt: Ob sie auch am Balaton waren? Ob sie tatsächlich keinen West-Kontakt hatte? Und ob es wirklich so schlimm war?“, erzählt sie. Ihre Verbesserungsvorschläge haben sich mit denen von Kling und Schubert gedeckt, „denn meine Mama hat gesagt, dass sie das Wort ‚Klassenfeind‘ nicht benutzt hat. Was sie aber bestätigt hat, ist, dass man mit Mitte 20 tatsächlich noch nie jemanden aus dem Westen getroffen haben konnte.“

Cornelia Gröschel ist in einer Künstlerfamilie aufgewachsen, ihr Vater ist Opernsänger, ihre Mutter Pianistin. Sie selbst spielt Geige, Klavier, singt Sopran und tanzt seit jungen Jahren, was ihr alles im Beruf zugutekommt. Ebenso wie ihr Perfektionismus. „Ich habe die Disziplin und die Genauigkeit bei den Requisiten und die Wiederholbarkeit bei dem, was ich spiele. Da bin ich sehr präzise“, sagt sie. Oft höre sie von Kameramännern: „Wahnsinn, du hältst das Handy jedesmal exakt an die gleiche Stelle, was für eine Maschine bist du?“

Perfektionismus ist Gröschels Stärke – aber auch ihre Schwäche. „Ich muss aufpassen, dass ich aus mir rausgehe vor der Kamera. Mich fallen lasse, aus dem Bauch heraus bin“, erklärt Gröschel. Die Kontrolle zu verlieren, das hat sich der Kameraprofi an der Schauspielschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig hart erarbeitet.

Und noch etwas machte ihr das Leben damals schwer. Sie sei sehr korrekt gewesen, habe ihren Unterricht erfüllt und sei danach nach Hause gegangen. Das, wofür Schauspieler oft auch berühmt sind, das Verrücktsein, Saufengehen, Krass-und-individuell-Sein, war nicht ihr Ding. Das Bild der verrückten, kaputten Seele, die für ihren Beruf verbrennt, bedient sie nicht. „Es gab Momente, da habe ich mich schon gefragt, ob es mir schlecht gehen muss, damit ich spielen kann“, sagt sie. Man müsse aber nicht kaputt sein, um Schauspieler zu werden.

Sondern einfach nur viel spielen. Nach der Ausbildung geht sie ans Badische Staatstheater in Karlsruhe. „Ich hatte so viel Rollen, war körperlich so am Ende, dass ich nicht mehr viel denken konnte, und habe mich dann freigespielt“, sagt sie strahlend. Kon­trolle verlieren, rumschreien und auch abtanzen, ist für sie inzwischen kein Thema mehr. Gröschel, die in Berlin-Moabit lebt, hat im West Coast Swing, den sie bei einem Aufenthalt in Los Angeles kennen gelernt hat, eine dritte große Leidenschaft – neben Schauspiel und Reiten – gefunden.

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