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#Berlin  Ausländischer Konzern betreibt erstmals Flüchtlingsheime

Ein Containerheim für Flüchtlinge in Köpenick (Symboldbild)
Ein Containerheim für Flüchtlinge in Köpenick (Symboldbild)
Foto: Jörg Carstensen / dpa
Ein norwegisches Unternehmen gewinnt die Ausschreibung für zwei Unterkünfte in Berlin – vor allem wegen niedriger Tagessätze.

Berlin.  Das Geschäft mit der Unterbringung von Zehntausenden Flüchtlingen in Berlin lockt inzwischen auch Bieter aus anderen Staaten an. Mit dem norwegischen Konzern Hero Norge AS hat jetzt erstmals ein ausländischer Bewerber vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) den Zuschlag für den Betrieb von Flüchtlingsheimen in Berlin erhalten.

Die Norweger übernehmen die in einem neuen Modularbau eingerichtete Gemeinschaftsunterkunft an der Wittenberger Straße in Marzahn mit 450 Bewohnern. Dort war bisher der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität tätig. Und sie sollen das Containerdorf an der Dingolfinger Straße, ebenfalls in Marzahn, managen. Das sogenannte „Tempohome“ soll nach Angaben der Sozialverwaltung in den nächsten Wochen für 280 Menschen eröffnet werden.

Hero Norge hat sich in der Interims-Ausschreibung beim LAF durchgesetzt. Dabei war wohl allein der Preis das ausschlaggebende Kriterium. Der Zuschlag gilt zunächst für sechs Monate vom 1. April an, kann aber um drei Monate verlängert werden.

Mit Notmaßnahme Freizug der Turnhallen beschleunigt

Mit dieser ungewöhnlichen Kurzzeit-Vergabe stellt das Landesamt den Betrieb von insgesamt 19 Heimen auf eine rechtliche Grundlage – bis die komplizierte, europaweite Ausschreibung des Dauerbetriebs erledigt ist, für die der Preis dann nur noch zu 30 Prozent Auswahlkriterium sein soll. Zuvor fehlte dem LAF das für die Vorbereitung der EU-Vergabe nötige juristische Fachpersonal, was die Vergabe verzögerte. Flüchtlings-Aktivisten von „Berlin hilft“ bemängeln, dass Flüchtlinge womöglich innerhalb eines Jahres drei verschiedene Betreiber erleben müssten, was die Integration erschwere.

Die Interims-Vergabe ersetzt in einigen Fällen die von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) per Polizeirecht angeordnete Beauftragung ausgesuchter Träger. Die Senatorin hatte mit dieser Notmaßnahme den Freizug der Turnhallen beschleunigt. Sie reagierte darauf, dass zwar Unterkünfte fertig waren, wegen der Schwierigkeiten bei der Ausschreibung aber kein Betreiber da war und die Gebäude leer standen. Dennoch sorgt Breitenbachs Vorgehen unter den Trägern für Ärger. Das ganze Vergabeverfahren sei „absolut intransparent“, ärgert sich ein unterlegener Bieter. Wegen einiger Vergaben haben die Verlierer bereits Nachprüfungen verlangt.

Erstes Engagement außerhalb von Skandinavien

Für die Norweger, die als eines der größten Unternehmen ihrer Art in Europa gelten, ist es das erste Engagement außerhalb Skandinaviens, wo sie bereits 70 Unterkünfte in Norwegen und Schweden betreiben. Nur mit ihrer Kette von Kindergärten sind sie ausweislich ihrer Webseite auch schon in den Niederlanden präsent. Unter dem Punkt „Hero Germany“ ist dort noch nichts zu lesen.

Konzernchef Kristian Adolfsen hatte den großen und als lukrativ angesehenen deutschen Markt aber schon länger im Blick, wie er vor einem dreiviertel Jahr der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte. Dort nannte er auch seine Renditevorstellung: Drei Prozent müssten schon drin sein. Diese erreicht er mit knapp kalkulierten Preisen für Notunterkünfte von um die 20 Euro pro Tag und Kopf, während Mitbewerber etwa 30 Euro aufrufen.

Senat rechnet für 2017 mit 670 Millionen Euro

Angelockt hat die Norweger das erhebliche Budget, das auch in Berlin bereit steht, um Flüchtlinge unterzubringen und zu versorgen. Nach 865 Millionen Euro 2016 rechnet der Senat für 2017 mit 670 Millionen Euro.

Dabei ist es deutlich billiger, Menschen in einem Tempohome oder einem Modularbau wohnen zu lassen als in einer Turnhalle. Die Pritsche im Massenlager ist fast 50 Prozent teurer als ein Bett in einer regulären Gemeinschaftsunterkunft, schreibt Senatorin Breitenbach in ihrem regelmäßigen Bericht ans Abgeordnetenhaus.

Daraus geht auch hervor, dass noch sechs Sporthallen mit 428 Menschen belegt sind. In den Hangars von Tempelhof leben noch 590 Personen. Insgesamt sind die 21.740 Plätze in Notunterkünften noch zu zwei Dritteln belegt, während die qualitativ besseren Gemeinschaftsunterkünfte, in denen sich die Bewohner selbst versorgen, fast voll sind. Insgesamt bringt Berlin noch immer mehr als 32.000 Flüchtlinge unter.

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