Strafprozess in Berlin

#Berlin  Unfallfahrer bekommt nach Tod seines Beifahrers Bewährungsstrafe

Der Angeklagte vor einem Moabiter Jugendschöffengericht
Der Angeklagte vor einem Moabiter Jugendschöffengericht
Foto: wolfgang mrotzkowski / Wolfgang mrotzkowski
Ein 19-Jähriger verursachte mit einem Auto einen Unfall, sein bester Freund starb dabei. Das hat der Angeklagte nicht verwunden.

Die kleinen Gedenkstätten sind an Straßen immer wieder zu sehen: Holzkreuze, vor denen Blumen abgelegt wurden. Es gibt so ein Kreuz auch an der Gosener Landstraße im Stadtteil Köpenick, nachdem hier am 5. Mai 2016 ein 17-Jähriger ums Leben kam.

Seinen Tod verursacht hat der heute 20 Jahre alte Marvin G.* Ein Moabiter Jugendschöffengericht verurteilte ihn am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe. Zudem verhängte Gericht eine Führerscheinsperre von zwei Jahren. Von einer „wahnsinnigen Leichtfertigkeit“, sprach die Richterin.

Am 5. Mai hatte Marvin G. mit Freunden gefeiert. Zunächst wurde gegrillt, schon da hatte er zwei Bier getrunken und war anschließend Auto gefahren - einen Opel Corsa, den ein Kunde in der Autowerkstatt abgegeben hatte, in der Marvin G. eine Lehre als Mechatroniker absolvierte. Am gleichen Abend hatte er sich dann noch Mal hinter das Lenkrad des Opel Corsa gesetzt. Diesmal hatte er Cola-Wodka getrunken. Neben ihm saß sein Freund, der 17-jährige Daniel H.* , hinten Marvin G.s 16 Jahre alte Freundin. Es war kurz vor 1.30 Uhr. Sie waren ausgelassen, wollten zum Strandbad Müggelsee. Marvin G. hatte rund 1,5 Promille Alkohol im Blut.

Die äußeren Bedingungen waren gut: eine klare Nacht, neun Grad Celsius, eine trockene Asphaltstraße. Vor einer S-Kurve forderte eine Schild, das Tempo auf 50 Stundenkilometer zu drosseln. Wie hoch die Geschwindigkeit tatsächlich war, wurde später nicht festgestellt. Gericht und auch Verteidigung waren sich jedoch einig, dass sie stark überhöht war, als Marvin G. mit dem Corsa durch die Kurve bretterte. Der Wagen kollidierte mit einem Baumstumpf, drehte sich mehrfach um die eigene Achse, geriet in ein Waldstück, fräste sich durch den Boden und prallte gegen mehrere Bäume.

„Wahnsinnige Leichtfertigkeit“

Marvin G. erlitt eine Gehirnerschütterung, das Mädchen Prellungen. Daniel H. erlag fünf Tage später seinen schweren Schädelverletzungen. Er war nicht angeschnallt. Ein Gerichtsmediziner ging davon aus, dass er und Marvin G. mit den Köpfen zusammen geknallt waren. Es sei offen, ob Daniel H. den Unfall angegurtet überlebt hätte. Er handele sich um einem „klassischen Kurvenunfall unter Alkoholeinfluss“.

Marvin G. hatte unmittelbar nach dem Unfall gerufen, dass er sich selber töten werde, falls Daniel H. sterbe müsse. Ein Zeuge, der sofort die Rettungsstalle alarmierte, sah Marvin G. neben dem zerstörten Corsa auf dem Boden sitzen, in den Armen den blutenden Kopf des Freundes. Später hat sich Marvin G. den Namen des Freundes auf seinen Arm tätowieren lassen. Vor Gericht wurde ihm von einer Nebenklagevertreterin vorgehalten, warum er sich nicht bei den Eltern von Daniel H. entschuldigt habe. Er hatte mit den Tränen gekämpft und geantwortet, dass er das nicht gekonnt habe, weil es nicht zu entschuldigen sei. (*Namen geändert)

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