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#Verkehr  Warum die Berliner S-Bahn so unpünktlich ist

Fahrgäste warten am Bahnhof Savignyplatz auf die S-Bahn
Fahrgäste warten am Bahnhof Savignyplatz auf die S-Bahn
Foto: KRAUTHOFER , JOERG
Fast 54.000 S-Bahn-Züge sind im vergangenen Jahr nicht nach Fahrplan gefahren. Ein Grund dafür waren Notarzteinsätze.

Die Berliner S-Bahn hat weiter ein Pünktlichkeitsproblem. Die Bahntochter konnte nach eigenen Angaben im Vorjahr in keinem Monat die im Verkehrsvertrag mit den Ländern vereinbarte Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent erreichen. Selbst bei dem von der S-Bahn lieber angewandten Berechnungssystem (System LeiDis), bei dem nur die Fahrplantreue der tatsächlich angebotenen Fahrten gewertet wird und komplette Zugausfälle nicht berücksichtigt werden, konnte das Unternehmen die Vorgabe nur in vier von zwölf Monaten erfüllen. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Qualitätsbilanz für 2016 hervor.

Am besten sah es demnach bei der S-Bahn im März vorigen Jahres aus, als 97,3 Prozent Fahrten pünktlich absolviert wurden. Wobei berücksichtigt werden muss, dass eine Zugfahrt erst dann als verspätet bewertet wird, wenn sie vier Minuten oder mehr vom Fahrplan abweicht. Vergleichsweise pünktlich fuhren die Züge auch im Februar, April und August. Besonders schlecht fiel die Bilanz hingegen für den Monat November aus, als nur 92,2 Prozent den Fahrplan im Toleranzbereich einhielten.

Vor allem kurzfristige Einschränkungen

Die S-Bahn begründet den Negativausreißer vor allem mit den vielen kurzfristigen Einschränkungen während des Besuchs des damaligen US-Präsidenten Barack Obama in Berlin. Während des Aufenthalts war aus Sicherheitsgründen kurzfristig die Stadtbahnstrecke über mehrere Stunden komplett gesperrt worden. Insgesamt lag die Pünktlichkeit im vierten Quartal 2016 etwa einen Prozentpunkt unter der Quote des Vorjahres, so die S-Bahn.

Als einen wichtigen Grund für die – trotz aller Bemühungen – erneut verfehlten Pünktlichkeitsvorgaben sieht die S-Bahn eine Zunahme von störungsbedingten Zugverspätungen an. Ihr Anteil an allen im Fahrplan vorgesehenen Zugfahrten lag etwa im Oktober vorigen Jahres bei 4,5 Prozent, im November bei 6,8 und im Dezember bei 3,7 Prozent. Insgesamt sind im Vorjahr 53.918 Züge aufgrund von Störungen nicht nach Fahrplan gefahren. Neben Ursachen, die im Unternehmen selbst liegen (etwa, wenn ein Triebfahrzeugführer nicht oder verspätet zum Dienst erscheint) sieht die S-Bahn aber auch Gründe, die außerhalb ihrer Verantwortung liegen, ihr aber dennoch angerechnet werden.

Dazu gehören etwa Störungen an Signalen, Weichen und Bahnübergängen. Probleme also, die von der Bahntochter DB Netz zu verantworten sind. Zudem gebe es eine spürbare Zunahme von Störungen, die auf sogenannte Dritte veranlasst werden. Dazu gehören etwa Eingriffe der Bundespolizei, die die Bahnstrecken häufiger sperren lassen. Durch die Verschärfung der Sicherheitslage gebe es zum einen „einen deutlichen sensibleren Umgang mit nicht zuordenbaren Gegenständen“, heißt es bei der S-Bahn. Zum anderen sei die Zahl der Betriebsunterbrechungen stark gestiegen, die auf Notarzteinsätze zurückzuführen seien. Dahinter verbergen sich nicht nur Unfälle oder Herzinfarkte der Reisenden, sondern immer wieder auch Selbsttötungen.

Igeb: "Zu wenig Reserven"

Der Berliner Fahrgastverband Igeb sieht die S-Bahn dennoch in der Hauptverantwortung. „Die S-Bahn hat grundsätzlich zu wenig Reserven an Fahrzeugen und Personal, um auf Störungen schnell zu reagieren“, sagte Igeb-Sprecher Jens-Wieseke der Berliner Morgenpost. Ein noch größeres Problem sei aber die veraltete und lückenhafte Infrastruktur, die immer wieder für Engpässe sorge. Dazu würde auch das an etlichen Strecken fehlende zweite Gleis gehören. Die Schienenstränge wurden meist nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Reparationsleistung demontiert und seither nicht ersetzt.

„Über viele dieser Mängel reden wir seit 20 Jahren, aber es ändert sich nichts“, beklagt der Igeb-Sprecher. Es forderte den Berliner Senat auf, endlich mit dem Bund als Eigentümer der Bahnstrecken über Verbesserungen zu sprechen. „Allein mit mehr Fahrradwegen werden wir die Verkehrsprobleme der wachsenden Großstadt nicht lösen“, so Wiesekes Seitenhieb auf die aktuelle Prioritätensetzung von Rot-Rot-Grün.

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Der Nord-Süd-Tunnel, hier der Abschnitt am Potsdamer Platz (Archivbild)
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