Tempelhofer Feld

#Flüchtlinge  Bau verzögert sich: Kraftwerk zu laut für Containerdorf

Auf Teilen des stillgelegten Flughafens Tempelhof, auf dem Foto im unteren Bereich des Flugfeldes, soll ein Containerdorf entstehen
Auf Teilen des stillgelegten Flughafens Tempelhof, auf dem Foto im unteren Bereich des Flugfeldes, soll ein Containerdorf entstehen
Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Settnik / picture alliance / ZB
Flüchtlinge können die geplanten Container-Unterkünfte auf dem Flugfeld in Tempelhof nicht beziehen. Die geplanten Kosten sind zu hoch.

Die Versuche des Senats, neben dem Flughafengebäude von Tempelhof neue Wohnquartiere, Sportanlagen und Spielflächen für Flüchtlinge zu errichten, stehen unter keinem guten Stern. Die Blumenhalle der Marzahner Gartenausstellung erwies sich als untauglich, Millionen wurden für nichts ausgegeben. Jetzt liegt nach einigen Versuchen ein neuer Entwurf der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) für ein großes Containerdorf vor. Aber der Lärm vom nahe gelegenen Heizkraftwerk des Flughafengebäudes ist zu stark. Das gefährdet die Baugenehmigung und dürfte die für Juni 2017 geplante Fertigstellung verzögern.

Die alte rot-schwarze Koalition hatte es vor mehr als einem Jahr sehr eilig, das Tempelhof-Gesetz zu ändern. Gegen das Ergebnis des Volksentscheides sollen Teile des Flugfeldes wegen der Flüchtlinge bebaut werden dürfen. Wann es dazu kommt, ist jedoch nach wie vor unklar. Das geänderte Tempelhof-Gesetz erlaubt eine Nutzung der Flächen nur bis 2019.

Betreiber soll Leistung des Kraftwerks drosseln

Diesmal hat der Lärmschutzgutachter Einwände. In den „Schutzräumen“, also den Wohncontainern, wäre es zu laut und es sei unmöglich, die Container besser zu dämmen. „Es ist von einer deutlichen Überschreitung für tieffrequente Schalleinträge auszugehen“, heißt es in einem Gutachten im Auftrag des Lärmschutzreferats der Bauverwaltung. Um die Baugenehmigung erteilen zu können, sollte der Betreiber Getec nun die Leistung des Heizkraftwerkes nachts auf maximal 60 Prozent drosseln. So geht es aus einem E-Mail-Verkehr hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Die landeseigene Betreibergesellschaft des Gebäudes, die Tempelhof Projekt GmbH, fürchtet um die Wärmeversorgung der Hangars und ihrer sonstigen Mieter, darunter die Polizei, eine Hochschule und eine Reihe von Firmen. Weil der Bund Tempelhof dauerhaft als „Ankunftszentrum“ für neu nach Berlin kommende Flüchtlinge nutzen möchte, wird zumindest der Hangar 5 dauerhaft bewohnt.

Nach Aussage der BIM soll das Problem nun aber durch einen Umbau des Heizkraftwerkes gelöst werden. Die Pläne für das für 1100 Menschen ausgelegte „Tempohome“ samt Sportflächen, Gemeinschaftsräumen und Spielplätzen sollen nicht noch einmal verändert werden. Schon im Oktober lagen die Kosten wie berichtet bei 17 Millionen Euro und damit um 4,5 Millionen Euro höher als zunächst kalkuliert. Wegen der hohen Kosten und der begrenzten Nutzungszeit hatte der frühere Sozialsenator Mario Czaja (CDU) wenig Neigung, das Projekt zu realisieren.

Allein für die Herrichtung, den Bau sowie den Rückbau der Außenanlagen würden pro Nutzungstag und Person fast 20 Euro anfallen. Damit wäre dieser Standort nach einer internen Berechnung der Sozialverwaltung etwa doppelt so teuer wie andere Tempohomes in Berlin. Dieses Verhältnis wird sich weiter verschlechtern, wenn die Kosten für den Umbau des Heizkraftwerkes dazukommen. Diese werden von der BIM derzeit als „sehr überschaubar“ angegeben. Der Umbau müsste aber fertig sein, ehe in der Nähe des Kraftwerkes Menschen untergebracht werden können.

Berliner Senat macht weitere Turnhallen frei

In den Hangars leben noch 860 Menschen

Auch über den Zaun um das Gelände, das vom asphaltierten Vorfeld ein Stück auf das Wiesengelände ragt, wird gestritten. Die Polizei verlangt aus Sicherheitsgründen eine höhere Barriere um das Flüchtlingsdorf. Das könne mit anderen Vorschriften kollidieren, so die BIM. Die Frage werde geprüft.

Wenn die Wohncontainer auf dem Vorfeld fertig sind, könnte auch Berlins größte Notunterkunft in den Hangars des Flughafens freigezogen werden. Dort leben nach Angaben des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten noch 860 Menschen. Platz wäre dort für fast die dreifache Zahl an Menschen.

Aber die Politik hat sich dagegen entschieden, Flüchtlinge aus den Turnhallen in die Hangars zu verlegen. Denn Tempelhof hat einen schlechten Ruf. Auch viele Flüchtlinge haben sich in der Vergangenheit geweigert, aus anderen Unterkünften in die Hangars zu ziehen.

Dabei ist die Infrastruktur dort besser als in vielen anderen Heimen, von Turnhallen ganz zu schweigen. Es gibt Sozialarbeiter, freiwillige Helfer, Kinderbetreuung, medizinische Versorgung und Sportangebote. Die hygienischen Verhältnisse haben sich durch den Einbau von Sanitärcontainern verbessert.

So leben die Flüchtlinge im Flughafen Tempelhof

Dennoch scheute der Senat davor zurück, Bilder zu erzeugen, auf denen sich wehrende Flüchtlinge in die Hangars gedrängt werden. Die Betreiberfirma Tamaja hat jedenfalls im vergangenen Jahr nach Informationen der Berliner Morgenpost mehr als 40 Millionen Euro mit der Unterkunft in den Hangars umgesetzt. Als Rendite blieben von diesem Umsatz rund 4,4 Prozent oder etwas mehr als zwei Millionen Euro hängen. Im Vorjahr setzte die seinerzeit frisch gegründete Firma noch 6,7 Millionen um und verlor 342.000 Euro.

Den größten Teil der 2016 vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) an die Tamaja überwiesenen Summe reichten die Betreiber aber an Dienstleister weiter. Davon flossen allein 24 Millionen Euro an eine Sicherheitsfirma für die Bewachung des Gebäudes. Dieses Geld wird – wie die Aufträge anderer Flüchtlingsheimbetreiber auch – ohne Ausschreibung über die geforderten Leistungen vergeben.

360 Grad – So leben Flüchtlinge in Berlin

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Flüchtlinge

2016 kamen viel weniger #Flüchtlinge  nach Berlin als 2015

Flüchtlingskinder spielen in einer Notunterkunft in Berlin.
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Foto: dpa
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