Lieber normale Klassen

Studie: Willkommensklassen für #Flüchtlinge  nicht ideal

Flüchtlingskinder in der Schule
Flüchtlingskinder in der Schule
Foto: Peter Steffen / dpa
Flüchtlingskinder sollten lieber zusammen mit deutschen Kindern lernen, damit Integration gelingt. Das ist das Ergebnis einer Studie.

Flüchtlingskinder sollten einer Studie zufolge lieber zusammen mit deutschen Kindern statt in Willkommensklassen unterrichtet werden. Die separaten Klassen führten zu einer ganzen Reihe organisatorischer Probleme, kritisiert eine am Montag veröffentlichte Untersuchung des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Berliner Humboldt-Universität.

Juliane Karakayali, Professorin für Soziologie an der Evangelischen Hochschule Berlin, war eine von sechs an der Studie beteiligten Experten. „Viele Lehrkräfte haben befristete Verträge und keine methodisch didaktischen Kenntnisse“, sagt sie. Problematisch sei auch, dass es für Willkommensklassen an Grundschulen keinen Lehrplan gebe. Was und mit welchem Material die Kinder lernten, hänge allein vom Lehrer ab. Auch, was Kinder können müssen, um in normale Klassen zu wechseln, ist aus Sicht der Experten nicht geregelt.

Mehr als 1000 Willkommensklassen für Flüchtlinge in Berlin

Während in Berlin die meisten der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse zunächst in „Willkommensklassen“ lernen, haben Brandenburger Schulen gute Erfahrungen mit vielfältigen Formen der Beschulung ihrer insgesamt 7660 Kinder und Jugendlichen gemacht. Es gibt Vorbereitungsgruppen (Willkommensklassen), aber auch einzelne Gruppen oder Teilungsstunden in der Regelklasse und zusätzlich Förderkurse, je nach individuellem Bedarf.

Laut Studie haben Grundschulen, die Kinder ohne Deutschkenntnisse direkt in normale Klassen eingliedern und ihnen zusätzlichen Deutschunterricht anbieten, die wenigsten Probleme. „Werden die Kinder gleich in Regelklassen eingegliedert, beugt dies möglichen Stigmatisierungen vor“, sagt Juliane Karakayali.

Das bestätigt auch Schulleiter Nuri Kiefer von der Hannah-Höch-Gemeinschaftsschule in Reinickendorf. „Die Kinder müssen so früh wie möglich in Regelklassen unterrichtet werden.“ Problematisch sei zudem, dass an Sekundarschulen in Brennpunktgebieten, die nicht genügend nachgefragt sind, bereits reine Migrantenklassen aufgemacht worden seien. „Das ist stigmatisierend und verhindert Integration.“

Wie Lehrer für Willkommensklassen ausgewählt werden

Die Experten des BIM hatten zwischen Mai und November insgesamt 18 Willkommensklassen an zehn Grundschulen in acht Berliner Bezirken untersucht sowie drei Schulen, an denen die Kinder ohne Deutschkenntnisse von Anfang an in Regelklassen lernen. Neben den erwähnten Ergebnissen stellten sie fest, dass fast alle befragten Lehrkräfte einen Mangel an personeller Unterstützung zu beklagen hatten.

In Berlin lernen gegenwärtig über 12.500 neu zugewanderte Kinder an den Schulen, die meisten von ihnen in einer der derzeit 1056 Willkommensklassen. Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagt, dass Kinder, die kein Deutsch können und wenig Schulerfahrung haben, zunächst in den Willkommensklassen lernen. Mit dem Übergang in die Regelklassen gebe es dann noch zusätzliche Deutschkurse für sie.

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