Berlin

Im Flughafen Tempelhof spielen #Flüchtlinge  jetzt Fußball

Flüchtlingskinderbeim Fußball
Flüchtlingskinderbeim Fußball
Foto: Kay Nietfeld / dpa
Hertha-Profi Ibisevic stiftet einen Bolzplatz für die Tempelhofer Unterkunft. Denn die wird noch eine Weile belegt sein.

Berlins Bundesligist Hertha BSC träumt bekanntermaßen von einem neuen Stadion, einem ohne Aschebahn. Ob das in Berlin steht, irgendwo in Brandenburg oder ob es überhaupt gebaut wird, weiß nur der Fußballgott.

Fakt ist, dass in der Flüchtlingsunterkunft im Flughafen Tempelhof ein neues Stadion steht, das den Namen von Vedad Ibisevic trägt. Der Hertha-Kapitän weihte am Montag die „Vedad Ibisevic Arena“ ein, einen mobilen Bolzplatz, der den Flüchtlingen in den Hangars ein bisschen Ablenkung im öden Alltag bescheren soll.

Nur wenige können das Schicksal der Menschen in der Notunterkunft so nachvollziehen wie Ibisevic. Als Kind floh er vor der Krieg aus seiner Heimat Bosnien, erst in die Schweiz, dann in die USA.

Spätestens seit der Flüchtlingskrise betont der 32-Jährige oft, dass er weiß, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. „Ich will etwas zurückgeben“, sagt er, den Fußballplatz in den Tempelhofer Hangars hat er gestiftet.

Solidarität mit Flüchtlingen in Berlin ungebrochen

Es ist Teil einer Verschönerungs-offensive, die auf Initiative des Betreibers Tamaja angeschoben wurde. Auf dem Vorplatz von Hangar 2 wurde im Oktober eine parkähnliche Fläche namens „Plantaja“ gebaut. Auf knapp 1000 Quadratmetern entstanden Sitzbereiche, Pflanzenkübel auf Holzpaletten, ein Sandkasten.

Außerdem zwei begehbare Glaskästen, „ComBox“ und „KidsBox“ genannt, in denen erwachsene und junge Geflüchtete an speziellen Arbeitsmodulen Deutsch lernen können. Die „Vedad Ibisevic Arena“ steht derweil noch im gut geheizten Hangar 1. Sie soll nach dem Winter nach draußen wandern – der Auf- und Abbau dauert nur eine halbe Stunde.

360 Grad – So leben Flüchtlinge in Berlin

„Wir wollten die Betonfläche etwas lebhafter gestalten“, sagt Tamaja-Geschäftsführer Michael Elias und schickt den viel relevanteren Grund gleich hinterher: „Die Bewohner werden ja noch eine Weile hier sein.“

Wann die Tempohomes kommen, ist noch vollkommen unklar

Rund 1100 Menschen leben derzeit in der größten Notunterkunft der Stadt. Nach ursprünglichen Plänen sollen auf dem Gelände vier Containerdörfer, die sogenannten Tempohomes, entstehen, die die Notunterkunft ablösen. Sie würden genug Platz bieten, um alle Bewohner aufzunehmen und ihnen mehr Komfort und Privatsphäre bieten. Aktuell leben die überwiegend männlichen Flüchtlinge in den Hangars in Parzellen, die nur notdürftig durch Trennwände abgesteckt sind.

Wann die Tempohomes kommen, ist aber noch vollkommen unklar. Wie berichtet, steht die Frage der Wirtschaftlichkeit im Raum. Zudem könnten sie wohl nur zwei Jahre genutzt werden, da temporäre Bauten laut Tempelhof-Gesetz nur bis Ende 2019 genehmigt werden dürfen. Und: Bauen im Flughafen ist wegen des Denkmalschutzes der Anlage sowieso eine komplizierte Angelegenheit.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) unterstützt die Pläne indes weiterhin, die designierte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hat sich zuletzt eher distanziert dazu geäußert. Allgemein hat die rot-rot-grüne Koalition vereinbart, Flüchtlinge „kleinteilig und dezentral in Wohnungen“ unterzubringen.

Momentan gelingt es aber noch nicht einmal, die noch 38 belegten Turnhallen freizuräumen, da nicht ausreichend Ersatzquartiere zur Verfügung stehen und Fehler bei der Ausschreibung der Tempohomes gemacht wurden.

Mängel in Hellersdorfer Containern werden beseitigt

Immerhin gibt es in Sachen Unterbringung von Flüchtlingen auch gute Neuigkeiten: Das Containerquartier an der Zossener Straße in Hellersdorf soll nach jüngsten Informationen der Senatssozialverwaltung wohl doch nicht komplett geschlossen werden.

Wie berichtet, wurden dort erhebliche Mängel an der Elektroanlage festgestellt. Diese könnten nicht bei laufendem Betrieb beseitigt werden, erklärten die für den Bau der Tempohomes zuständige Berliner Immobilien-Management GmbH (BIM) und das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) zuletzt übereinstimmend. Die Mängelbeseitigung könne in zwei Phasen erfolgen, erläuterte Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle am Montag.

Unter den rund 250 im Hellersdorfer Tempohome untergebrachten Flüchtlingen seien knapp die Hälfte alleinreisende Männer. Sie sollen im Dezember in das dann fertiggestellte Containerquartier an der Siverstorpstraße in Pankow ziehen, so der Vorschlag, der jetzt mit den betroffenen Bezirken diskutiert wird. Die Familien sollen in der Zossener Straße bleiben und nicht aus ihrer Umgebung gerissen werden, sagte Gerstle der Morgenpost.

Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose sollen sich Job teilen

Die Mängel könnten dann zunächst in der einen Hälfte der Unterkunft beseitigt werden, anschließend in der anderen. Das sorge nicht für Verzögerungen. BIM-Sprecher Christian Breitkreutz betonte, für die Schäden an der Elektrik sei die Firma verantwortlich, die die Container geliefert und aufgestellt habe. Sie habe ihren Fehler eingesehen und ihre Kooperation zugesagt.

In der Erstaufnahme im Brandenburgischen Wünsdorf will Berlin in wenigen Tagen erheblich mehr Flüchtlinge unterbringen. Wie berichtet, stehen dort 995 Plätze für Asylbewerber bereit, belegt sind aber lediglich 44. Grund: Nur wenige Flüchtlinge erfüllen die Kriterien, die zwischen Senatskanzlei und Brandenburger Landesregierung festgelegt wurden. Nun sei vereinbart, dass Berlin auch Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern wie etwa Moldau nach Wünsdorf schicken kann, sagte Dirk Gerstle. Von ihnen leben mehrere Hundert in Berlin.

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