Berliner Luxuskaufhaus

#KaDeWe  Angeklagte gestehen Raubüberfall im KaDeWe

Am Landgericht startet ein zweiter Prozess gegen mutmaßliche KaDeWe-Räuber
Am Landgericht startet ein zweiter Prozess gegen mutmaßliche KaDeWe-Räuber
Foto: Steffen Pletl
Zwei 20 Jahre alte Angeklagte geben Beteiligung an dem Überfall zu. Sie gehörten zu der Gruppe, die 2014 das Luxuskaufhaus überfallen hatten.

Im Zusammenhang mit dem spektakulären Raubüberfall auf das KaDeWe im Dezember 2014 hat das Landgericht Moabit die nächste Runde eingeleitet. Seit Mittwoch müssen sich zwei 20-Jährige vor einer Jugendkammer wegen Beteiligung an der Tat verantworten. Es ist der zweite Prozess in diesem Komplex und er begann mit Geständnissen der beiden Angeklagten Aladin Ö. und Hamza Al-Z.

In längeren, von ihren Verteidigern verlesenen Erklärungen äußerten sich die Angeklagten umfassend zu ihrer Beteiligung an der Tat. Dabei wurde schnell deutlich, dass beide nicht mehr als willige Helfershelfer waren, als am 20. Dezember 2014 fünf maskierte Täter in die Schmuckabteilung des Nobelkaufhauses stürmten, Vitrinen zerschlugen und in nur 79 Sekunden Uhren und Schmuck im Wert von 817.260 Euro erbeuteten.

„Ich wusste nicht, wie hart Panzerglas sein kann“

Sowohl Ö. als auch Al-Z. beteuerten in ihren Geständnissen, sie seien zu keiner Zeit in die Planung und Vorbereitung der Tat eingebunden gewesen. „Mir hat man eine Woche vorher gesagt, dass ich mitmachen muss“, sagte Aladin Ö. Seine Aufgabe sei es gewesen, mögliche Widersacher, insbesondere Security-Mitarbeiter durch das Versprühen von Reizgas auf Abstand zu halten. Diesem Auftrag kam der Angeklagte offenbar auch mit großem Elan nach, 13 Menschen mussten nach seinen Reizgas-Attacken medizinisch behandelt werden.

Hamza Al-Z., Spross einer polizeibekannten Großfamilie fiel bei dem Überfall die Aufgabe zu, mit einem Hammer möglichst viele Vitrinen einzuschlagen, die Auswahl der Beutestücke war dabei anderen Beteiligten zugedacht. Sonderlich erfolgreich war Al-Z. bei der Bewältigung seiner Aufgabe allerdings nicht, keine einzige der Vitrinen, auf die der damals 18-Jährige einschlug, ging zu Bruch. „Ich wusste nicht, wie hart Panzerglas sein kann“, sagte der Angeklagte bei seinem Geständnis ab Mittwoch.

KaDeWe-Raub und Mordauftrag: Großrazzia gegen Familienclans

Aladin Ö. erfüllte seinen Auftrag im vollen Umfang, Hamza Al-Z. dagegen eher nicht. Die Folgen waren für beide allerdings letztendlich die gleichen. Vom Erlös der Beute hätten sie bis heute nicht einen Cent gesehen, obwohl ihnen zuvor ein angemessener Anteil zugesichert worden sei, äußerten beide übereinstimmend. „Ich habe aber auch gar nicht mehr danach gefragt“, ergänzte Al-Z.

Die Geständnisse am Mittwoch waren Teil einer Verständigung, auf die sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger geeinigt hatten. Im Gegenzug erwarten die beiden Männer Jugendstrafen, die bei Al-Z.. drei Jahre und bei Ö. drei Jahre und drei Monate nicht übersteigen. Die Weichen für den weiteren Prozessverlauf sind somit gestellt. Und die Geständnisse dürften das Verfahren erheblich beschleunigen, das Urteil fällt womöglich schon beim Fortsetzungstermin am 31. Oktober

Der Auftragmörder verpatzte seinen Auftrag

Neben der Beteiligung am KaDeWe-Raub enthielt die Anklage in dem am Mittwoch begonnenen Prozess noch zwei weitere Tatvorwürfe. Einer zeigt, dass Ö. und Al-Z. nicht nur auf den großen Coup mit reicher Beute fixiert waren, zur Not musste es auch ein Kiosk-Einbruch mit geringem Erlös (282 Schachteln Zigaretten) tun. Einen solchen Einbruch verübten die Angeklagten im März dieses Jahres. Diesmal war es Aladin Ö. der wenig professionell vorging. Er war der Fahrer des Fluchtfahrzeugs, vergaß beim Losfahren aber, das Licht einzuschalten und erregte so die Aufmerksamkeit einer Funkstreifenbesatzung. Als er dann auch noch auf einen geparkten Wagen auffuhr, war die Flucht zu Ende.

Der dritte Vorwurf richtete sich allein gegen Ö., er soll an einem Einschüchterungsversuch beteiligt gewesen sein. Zu dessen Opfer wurde Mehmet A., der laut Staatsanwaltschaft mit einem Mord beauftragt worden war. Doch obwohl die Zielperson „nur“ schwer verletzt wurde, kassierte M. die volle Summe. Dafür bekam er den Unmut seiner Auftraggeber zu spüren, er wurde brutal zusammengeschlagen. Die Ermittlungen dazu laufen noch.

Im ersten Prozess zum KaDeWe-Raub wurde im Frühjahr 2016 unter anderem Jehad Al-Z. als Haupttäter zu knapp sieben Jahren verurteilt. Ein dritter Prozess gegen mehrere Hintermänner des spektakulären Raubs soll noch in diesem Jahr beginnen.

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Raubüberfall

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