Prozess in Berlin

#KaDeWe  -Raub: Haupttäter muss knapp sieben Jahre in Haft

Maskierte erbeuteten im Dezember 2014 Schmuck im Wert von 817.000 Euro. Am Mittwoch ging der Prozess zu Ende.

17 Monate nach dem spektakulären Raubüberfall auf die Schmuckabteilung des KaDeWe hat das Berliner Landgericht das erste Kapitel der juristischen Aufarbeitung abgeschlossen. Eine große Strafkammer verurteilte am Mittwoch Haupttäter Jehad Al-Z. (29), Mitglied einer polizeibekannten Großfamilie, zu sechs Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe. Mittäter Hussein M. (26) kam wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Bei ihm honorierten die Richter, dass er umfassend ausgesagt und damit wesentlich zur Aufklärung der Tat beigetragen hatte. Ein dritter Angeklagter, Khalil El-Z., musste zwischenzeitlich freigesprochen werden, die Beweise gegen ihn reichten für eine Verurteilung nicht aus.

Mit diesen Urteilen ist der Fall allerdings noch nicht abgeschlossen. Drei weitere mutmaßlich an dem Raub Beteiligte warten noch auf ihren Prozess. Der bereits bestehende Verdacht gegen zwei dieser Männer erhärtete sich erst, als der am Mittwoch in erster Instanz beendete Prozess bereits lief. Zwei mutmaßliche Mittäter sitzen in Untersuchungshaft, der dritte befindet sich im Zeugenschutzprogramm. Ein Termin für den nächsten Prozess steht nach Angaben von Gerichtssprecherin Lisa Jani noch nicht fest.

Der „Mann mit der Machete“ als Kronzeuge der Anklage

Es ging alles blitzschnell, als am Vormittag des 20. Dezember 2014 fünf Maskierte durch einen Seiteneingang in das KaDeWe stürmten und sofort begannen, mit Vorschlaghämmern die Vitrinen der Schmuckabteilung im Erdgeschoss zu zertrümmern. Sie entwendeten hochwertige Uhren und Schmuck, der Gesamtwert wird mit 817.000 Euro angegeben. Bei ihrem Rückzug versprühten sie Reizgas, 13 Kunden wurden verletzt. Zeugen erinnerten sich zudem, dass einer der Täter drohend eine Machete schwang. Die Täter flüchteten schließlich in einem dunklen Audi.

Ein Durchbruch bei der Suche nach den Tätern gelang den Ermittlern, als das Fluchtfahrzeug in einer Autowerkstatt in Nordrhein-Westfalen entdeckt wurde. Halter Hussein M. wurde festgenommen und packte sofort aus. Resultat seiner Aussagen waren die Festnahmen von Jehad Al-Z. und seinem Cousin Khalil El-Z.

Ende November vergangenen Jahres begann der Prozess, der am Mittwoch sein erstinstanzliches Ende fand. Wie fast immer, wenn es um Mitglieder von Großfamilien geht, musste sich auch in diesem Fall das Gericht mit einer komplizierten Gemengelage befassen. Vor allem in den vergangenen Wochen gab es einige neue Entwicklungen und Wendungen. Die führten letztlich auch dazu, dass es ein zweites Verfahren gegen weitere mutmaßliche Mittäter geben wird.

Zu verdanken ist dies vor allem dem „Mann mit der Machete“. So stellte sich Ende März Ali H. bei der Polizei vor. H. erklärte den überraschten Beamten, er wolle reinen Tisch machen, gab zu, einer der Täter bei dem Raub gewesen zu sein und benannte weitere Mittäter. Die hatte die Polizei zwar auch schon im Visier, konnte ihnen bis dahin aber nichts beweisen. Besonders pikant: H. beschuldigte auch Khalil El-Z. der Mittäterschaft. Den allerdings hatte das Gericht wenige Wochen zuvor freigesprochen. Der Freispruch war inzwischen rechtskräftig, ein neues Verfahren gegen den 26-Jährigen ist damit nicht mehr möglich.

Richter verweisen auf ungeklärten Verbleib der Beute

H. kam aufgrund seiner umfassenden Aussagen in ein Zeugenschutzprogramm, belastende Aussagen gegen Mitglieder von Großfamilien gelten als überaus riskant. Die von ihm benannten Mittäter wurden im Rahmen einer aufsehenerregenden Razzia bei der Familie Al-Z. in Neukölln am 12. April festgenommen.

Der neue Belastungszeuge gegen ihren Mandanten war selbstverständlich auch den Verteidigern von Jehad Al-Z. nicht verborgen geblieben. Nachdem der Angeklagte monatelang geschwiegen hatte, sondierten die Anwälte jetzt, was ihm ein Geständnis bringe. Das Gericht unterbreitete einen Verständigungsvorschlag, eine Haftstrafe zwischen sechs Jahren drei Monaten und sechs Jahren zehn Monaten. Die Verteidiger akzeptierten, und Jehad Al-Z. legte ein Geständnis ab.

Für die Staatsanwaltschaft hatte das Geständnis aber nur begrenzten Wert. Es sei viel zu spät gekommen, so ein Argument des Anklagevertreters in seinem Schlussplädoyer. Die Richter, die in Jehad El-Z. „die treibende Kraft“ der Tat sehen, wiesen in der Urteilsbegründung auf einen weiteren Aspekt hin: Von der Beute, immerhin 817.000 Euro, fehlt bis heute jede Spur. Keiner der Angeklagten äußerte sich zum Verbleib. Den Ermittlern bleibt die Hoffnung auf das nächste Verfahren

Kommentare einblenden
KaDeWe

Starfotograf Rankin porträtiert 50 Berliner im #KaDeWe 

Diane und Dominique lassen sich im KaDeWe fotografieren.
Diane und Dominique lassen sich im KaDeWe fotografieren.
Foto: Rankin
Starfotograf Rankin war am Sonnabend im Kaufhaus des Westens zu Gast. Viele Berliner waren gekommen und hofften auf ein Porträt.
Mehr lesen