Modernisierung

Schönheitskur für die Berliner Legende #KaDeWe 

Simulation: Die Bogenfenster werden freigelegt, das Dachgeschoss mit dem Restaurant soll komplett verglast werden
Simulation: Die Bogenfenster werden freigelegt, das Dachgeschoss mit dem Restaurant soll komplett verglast werden
Foto: OMA/Klein / BM
Mitte Mai beginnt der Umbau des KaDeWe. Bauzeit: Sieben Jahre. Zum Auftakt gibt es ein Shooting mit Starfotograf Rankin.

Schon vor der Öffnung wartet eine Traube von Menschen vor dem KaDeWe. „Hallo, meine Süße“, begrüßen sich zwei Berlinerinnen und fallen sich freudestrahlend in die Arme. Geduldig wartet eine Schulklasse aus Frankreich, außerdem Besucher aus Korea, Dänemark und anderen Ländern, um das Traditionshaus am Tauentzien zu besuchen. Das schmiedeeiserne Gitter senkt sich in die Erde, und 15 Minuten später um Punkt 10 Uhr öffnet ein Portier von Hand die gläsernen Türen zur exklusiven Einkaufswelt.

Im Innern verteilt sich die Menschentraube schnell. Ein Pärchen blickt sich suchend um: „Wo sind denn die Männerhüte?“, fragen sie. Das Zurechtfinden im mit 60.000 Quadratmetern größten Kaufhaus Kontinentaleuropas ist nicht einfach. Doch genau das soll sich ändern.



Das KaDeWe erfindet sich gerade wieder einmal neu. Doch bevor Mitte Mai der große Umbau beginnt, lädt das Kaufhaus am Sonnabend zu einer außergewöhnlichen Inszenierung ein, einem Live-Foto-Shooting mit dem britischen Starfotografen Rankin.

Die Besucher werden Rankin erleben, wie er Menschen porträtiert, die sich mit dem Warenhaus und mit Berlin verbunden fühlen. Einige davon stehen schon fest. Sie haben sich über die sozialen Medien beworben und einen der begehrten 50 Plätze ergattert. Doch auch am Sonnabend besteht noch die Chance, von Rankin für das „Portrait of Berlin“ ausgesucht zu werden: „Einfach zwischen 10 und 19 Uhr ins KaDeWe kommen, sich das Live-Shooting im Atrium anschauen – und Teil einer großen Inszenierung werden“, sagt Marketingdirektorin Petra Fladenhofer. Auch Hairstylisten und Make-up-Profis gehören zu Rankins Team. Zusätzlich werden „Selfie-Boxen“ aufgebaut, um es einem weiteren Publikum zu ermöglichen mitzumachen. Die Bilder werden Teil der Kampagne werden.

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„Das KaDeWe ist seit meiner Kindheit ein Highlight für mich“

Eine der fotografierten Berlinerinnen ist Deniz Gruska. Die Charlottenburgerin hatte sich via Facebook beworben. Sie freut sich „riesig darauf und kann es kaum erwarten“, wie sie sagt. „Als ich erfahren habe, dass ich von Rankin fotografiert werde, war ich so glücklich und geehrt. Rankin hat das Zitat ,It’s not about beauty, it’s about character’ (Es geht nicht um Schönheit, sondern um Charakter, die Red.) erwähnt“, sagt sie. „Ich wollte mit meinem Bild genau das vermitteln, nämlich meine positive Lebenseinstellung.“ Rankins Fotos markieren den Auftakt des Umbaus – sie hängen open air am Bauzaun, fünf Meter hoch und 110 Meter lang. Das „Portrait of Berlin“ wird aus den Fotos der Porträtierten zusammengesetzt. Bis Ende Juni wird es zu sehen sein. Es soll die Berliner einladen, am Bauprozess teilzuhaben.

„Wir wollen beim Umbau so arbeiten, dass der Kunde wenig, im besten Fall gar nicht merkt, dass wir umbauen“, sagt Nico Heinemann, der neue Geschäftsführer des KaDeWe. Lärm und Schmutz sollen hinter vorübergehend aufgestellten Wänden verschwinden, so wie es jetzt teils schon geschieht. Auch das ist ein Grund, warum der gesamte Umbau rund sieben Jahre dauern wird.

Während die Schüler aus Frankreich das Haus wie bei einer Schnitzeljagd nach Souvenirs durchforsten, sind die zwei Frauen im gläsernen Fahrstuhl gleich bis in die siebte Etage ins Restaurant „Wintergarten“ gefahren. Die Kellnerin bringt ihnen bereits den Flaschenkühler mit dem Champagner zum Anstoßen. Auch diese Etage wird umgebaut. Als Dachterrasse und Highlight des neuen KaDeWe bildet sie den Schlusspunkt. Ein Freiluftgarten und die von oben einsehbare Küche der darunterliegenden Feinschmeckeretage sind nur zwei der vielen Umplanungen.

Nach Geschäftsschluss soll der zukünftig verglaste Dachbereich – das bisherige Rundgewölbe wird entfernt – für Lifestyle-Inszenierungen und Feiern geöffnet werden. Nach dem Umbau soll es per Aufzug über einen Seiteneingang bis unters Dach gehen. Bis es so weit ist, darf auf der „Raucherstraße“ neben dem jetzigen Restaurant „Wintergarten“ weiter unter freiem Himmel geraucht werden. Ein Warenhaus müsse der Zeit immer einen Schritt voraus sein: Das war schon die Devise, als Kommerzienrat Adolf Jandorf das Warenhaus 1907 als „Kaufhaus des Westens“ eröffnete. Schon damals lockten Waren und Dienstleistungen auf fünf Etagen und 24.000 Quadratmetern Besucher aus der ganzen Welt an.

50.000 Besucher kommentäglich im Durchschnitt

Die Entwicklung des KaDeWe in den vergangenen 100 Jahren spiegelt auch die wechselhafte Geschichte Deutschlands wider: Den „goldenen“ und auch wirtschaftlich erfolgreichen 20er-Jahren folgten die große Depression und mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten der Boykott und die Vertreibung der jüdischen Eigentümer Tietz. Im November 1943 brannte das Kaufhaus dann völlig aus, nachdem ein amerikanisches Kampfflugzeug in das Gebäude stürzte. 1950 wiedereröffnet, wurde es in den nachfolgenden Jahren zu einem Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders. Mehr noch: Im geteilten Berlin wurde es im wörtlichen Sinne zum „Kaufhaus des Westens“, zu einem Schaufenster der freien, westlichen Welt.

Knapp 2000 Menschen arbeiten im KaDeWe. Durchschnittlich 50.000 Besucher heute kommen jeden Tag. „Der lokale Kunde ist für uns extrem wichtig“, betont Petra Fladenhofer. In der Vorweihnachtszeit können es nach Auskunft von Petra Fladenhofer auch schon mal 80.000 sein, davon sind etwa 40 Prozent Touristen. Die Feinkostabteilung in der sechsten Etage ist eine Sehenswürdigkeit wie das Brandenburger Tor, die Gedächtniskirche oder der Reichstag.

Der Zeit immer einen Schritt voraus zu sein, das bedeute auch, „den Mut zu haben, ungewöhnliche Dinge zu tun“. Das fange beim Wareneinkauf an und höre beim Service auf. Auch der geplante Umbau sei ein Beispiel für diesen Mut. Zur Einkaufskultur gehöre heute, dass der Kunde sich inspirieren lassen möchte. „Und er möchte auch unterhalten werden. Ganz einfach: Er möchte eine gute Zeit bei uns verbringen.“

„Das KaDeWe ist und bleibt das bekannteste Kaufhaus Deutschlands, und das gelingt ihm vor allem dadurch, dass es die Kombination von Tradition und Moderne auf gelungene Weise immer wieder neu definiert. Es stellt sich den neuen Herausforderungen, ohne sich diesen zu unterwerfen“, sagt Angelika Schöttler (SPD), Bürgermeisterin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, zu dem das KaDeWe geografisch gehört. Mit dem geplanten Umbau gehe das KaDeWe „erneut einen mutigen Schritt in Richtung Moderne“. Mit Rem Koolhaas habe man sich einen Architekten an die Seite geholt, der mit Sicherheit Neues und Überraschendes erwarten lasse.

Auch die AG City schätzt das KaDeWe. „Es ist seit über 20 Jahren Mitglied bei uns. Aufgrund der weltweiten Bekanntheit ist dieses Traditionswarenhaus nicht nur für die City West, sondern für ganz Berlin ein wichtiger Anker mit großer Magnetwirkung“, sagt AG-City-Chef Klaus-Jürgen Meier. Und lobt die Geschäftsführung des Unternehmens als zuverlässigen und immer dem Zeitgeist zugewandten Ansprechpartner. Um die Bedeutung wissen auch die Tourismusvermarkter der Hauptstadt. „Das KaDeWe ist ein wichtiger und professioneller Partner in unserer Marketingarbeit. Insbesondere in den internationalen Märkten gilt das KaDeWe als erste Adresse zum Thema hochwertiges Einkaufserlebnis in unserer Stadt. Die Feinschmeckeretage über den Dächern Berlins ist ein Publikumsmagnet für unsere Gäste“, sagt Burkhard Kieker, Chef von „Visit Berlin“.

Damit das Einkaufen und vor allem das Einkaufserlebnis spannend bleibt, investieren die Eigentümer einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Umbau der Häuser in Hamburg, München und Berlin, die alle zeitgleich erneuert werden. Während in Hamburg das Berliner Architekturbüro Kleihues + Kleihues die Pläne liefert, ist es in München der britische Architekt John Pawson. Heute gehören die drei Premiumhäuser, die als The KaDeWe Group firmieren, der Central Group (50,1 Prozent) und dem österreichischen Immobilienunternehmen Signa (49,9 Prozent).

Rolltreppen mit spektakulärer Architektur

Damit sich die Gäste im Berliner Haus besser zurechtfinden, wird das riesige Gebäude komplett neu geordnet. Es wird vertikal und horizontal in vier etwa gleich große Teile aufgeteilt. Die Wege sollen kürzer werden. Und der Kunde soll in Zukunft sofort erkennen, wo es nach oben geht. Der Haupteingang am Tauentzien bleibt. Von dort geht es in die vier neuen Bereiche, die Architekten sprechen von „Quadranten“. Im Zentrum jedes Viertels wird es Rolltreppenanlagen geben – vier verschiedene, teils mit einer spektakulären Architektur. Mit dem Einbau der Rolltreppen soll im kommenden Jahr begonnen werden.

Beauftragt mit den Umplanungen in Berlin ist der niederländische Architekt und Pritzker-Preisträger Rem Koolhaas. Er und sein Team verpassen dem Traditionshaus das komplett neue Aussehen. Die Verkaufsfläche bleibt bei 60.000 Quadratmetern. Auch außen wird sich das Haus verändern: Statt der quadratischen Schaufenster, wie sie in den 80er-Jahren üblich waren, erhält das Haus wieder seine großen, ursprünglichen Bogenfenster zurück.

Begonnen wird mit dem Umbau Mitte Mai in der ersten Etage, wo sich die Herrenabteilung befindet, auf rund 8000 Quadratmetern. Künftig wird es vier verschiedene „Welten“ pro Etage geben, jeweils etwa 2000 Quadratmeter groß und unterteilt in sportlich, Design, Klassik und experimentell. Alle Eingänge sollen während des Umbaus geöffnet bleiben. In der Damenetage im zweiten Stock beginnen die Arbeiten zeitgleich.

„Die jungen Leute werden Pfiff reinbringen. Das Haus ist nicht mehr auf dem neuesten Stand“, sagt Stammkunde Ferdinand Ossege. Der Geschäftsführer einer technischen Gebäudeausrüstungsfirma, seit 40 Jahren Kunde im KaDeWe, hat schon drei Umbauten dort erlebt. Die Sorge, dass es sich zu stark verändern wird, hat er nicht: „Es ist immer nur besser geworden.“

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