Weniger Personal, mehr "Fälle"

Berlin Live  Arbeitsbelastung für Berliner Pflegekräfte verdoppelt

Krankenhaus (Symbolbild)
Krankenhaus (Symbolbild)
Foto: picture-alliance
Gerade erst streikte das Pflegepersonal der Charité. Nun zeigen Daten: Die Situation der Pfleger und Schwestern in der Hauptstadt ist dramatisch.

Die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte in Berliner Krankenhäusern ist in den vergangenen 25 Jahren erheblich gestiegen. Wie die Deutsche Stiftung Patientenschutz mitteilte, kamen 2016 auf eine Pflegekraft durchschnittlich rund 63 Fälle und damit fast doppelt so viele wie 1991 (rund 32). Die Zahlen stammen aus Unterlagen des Statistischen Bundesamtes und zeigen zudem, dass auch Ärzte in Berlin höher belastet sind. Die Fallzahlen pro Arzt sind um sieben Prozent von rund 98 auf rund 105 gestiegen.

Erklären lässt sich diese Entwicklung mit dem Abbau von Stellen im Gesundheitswesen bei steigenden Fallzahlen. Aus dem Bericht geht hervor, dass in den vergangenen Jahren die Krankenhausfälle in Berlin um 35 Prozent gestiegen sind, von 630.100 in 1991 auf 852.000 im vergangenen Jahr. Während die Zahl der Ärzte ebenfalls um knapp 27 Prozent auf 8100 gestiegen ist, wurden Pflegestellen massiv abgebaut. 1991 waren noch rund 19.700 Pfleger und Pflegerinnen in Berliner Krankenhäusern beschäftigt. Im vergangenen Jahr waren es 13.600.

Erst vor kurzem streikte das Charité-Personal

Erst kürzlich demonstrierten Schwestern und Pfleger an der Berliner Universitätsklinik Charité für mehr Pflegepersonal - und damit eine geringere Arbeitsbelastung. Viele Operationen mussten infolge des Streiks abgesagt werden.

Im Vergleich hat sich die Situation in Pflegeberufen in keinem anderen Land so verschlechtert wie in Berlin. „Berlin hat nach dem Mauerfall eine Sonderrolle“, sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. „Die Stadt hat jedoch die Chance verpasst, eine Vorreiterrolle in Sachen zukunftssichere Patientenversorgung einzunehmen.“

Ähnliche Probleme in Brandenburg

Auch in Brandenburger Krankenhäusern ist die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte in den vergangenen 25 Jahren gestiegen. 2016 kamen auf eine Pflegekraft durchschnittlich rund 60 Fälle und damit 42 Prozent mehr als 1991 (rund 42 Fälle). Im Bundesdurchschnitt stieg die Fallzahl pro Pflegekraft um 34 Prozent an, während die Zahl der Pfleger und Pflegerinnen minimal um 0,3 Prozent sank.

„In den vergangenen 25 Jahren sind die Behandlungen in den 2000 Krankenhäusern um ein Drittel auf 19,5 Millionen gestiegen“, sagte Eugen Brysch. Obwohl viele Patienten mehr Pflege brauchten, würden sie immer schneller entlassen. „Doch die Kliniken und die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben den demographischen Wandel ignoriert“, sagte Brysch. Die Zahl der Pflegekräfte sei über Jahrzehnte systematisch abgebaut worden.

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