Bundesliga

Berlin Live  10 Spiele, 20 Profis: Hertha wird Rotation Berlin

Herthas Genki Haraguchi (M.) tanzt Bayern-Verteidiger Mats Hummels aus
Herthas Genki Haraguchi (M.) tanzt Bayern-Verteidiger Mats Hummels aus
Foto: Matthias Koch
Pal Dardai rotiert wie nie in seiner Trainer-Karriere: Personell passt es, bei den Resultaten hat Hertha noch Luft nach oben

Berlin.  Auch Marcel Koller, der österreichische Nationaltrainer, will profitieren von der guten Arbeit bei Hertha BSC. Eigentlich hatte Valentino Lazaro seinen Coach gebeten, ihn in Berlin zu lassen. Nach seiner langen Verletzung wollte Lazaro in der Länderspielpause bei seinem Klub an der Kondition arbeiten. Doch wegen mehrerer Absagen nominierte Koller Lazaro nach, so dass derzeit 14 blau-weiße Profis international im Einsatz sind.

Lazaro ist der bisher letzte Ankömmling im Personalpuzzle von Hertha, der dazu beiträgt, dass Trainer Pal Dardai endlich das hat, was in den vergangenen Jahren vermisst worden war: mehr Auswahl. Zehn Spiele hat Hertha absolviert in Liga (7), Europa League (2) und DFB-Pokal (1). Nur Mitchell Weiser war bei allen Begegnungen dabei, Lazaro bei den letzten beiden (siehe Grafik).

In bisher zehn Spielen kamen 20 Profis zum Einsatz

Ein anderer, der bei vielen gar nicht mehr auf dem Zettel stand, zeigte in seinem ersten Saisoneinsatz in der Startelf, dass er durchaus zu Größerem fähig ist: Bei Herthas 2:2 gegen den FC Bayern weckte Genki Haraguchi das Olympiastadion mit einem Sensationssolo vorbei an fünf Münchenern und Torwart Sven Ulreich und legte zum 1:2-Anschlusstreffer für Ondrej Duda auf (51.). Salomon Kalou sorgte wenig später für den 2:2-Endstand (56.). Die Bayern reisten konsterniert heim, für Hertha fühlte sich der Punkt an wie ein Sieg.

Die Verantwortlichen waren heilfroh. Schließlich haben sich die Berliner seit Jahren mit englischen Wochen schwer getan. Der Härtetest gegen den Meister war das Ende der dritten englischen Woche in Folge – und Dardai lässt rotieren wie noch nie in seiner Trainer-Karriere. 20 Profis kamen ­bereits zum Einsatz. Gegen die Bayern waren es acht Neue im Vergleich zur Europa-League-Partie in Östersund (0:1).

Leckie und Rekik wollten mit nach Schweden

Die Mannschaft kommt, so weit sich das beurteilen lässt, mit den Wechselspielen klar. Ob Kapitän Vedad Ibisevic, Torwart Rune Jarstein oder Salomon Kalou – auch die großen Namen setzen mal aus. Vor dem Östersund-Spiel waren Karim Rekik und Mathew Leckie – beide zuvor in guter Form – beim Trainer. Sie akzeptieren und tragen die Entscheidung mit, dass sie statt der Schweden-Reise in Berlin bleiben sollen. Aber ob es nicht doch möglich wäre, dass sie nach Östersund mitkommen können, um der Mannschaft zu helfen.

Dardai war erfreut – lehnte aber ab. Der Trainer sagte der Morgenpost: „Gegen die Bayern hat man gesehen, dass uns die Frische und Konzentration von Salomon, Karim, Mathew und Rune [Jarstein] gut getan hat.“

Ob Kraft oder Torunarigha – die Neuen überzeugen

Weiter erfreulich: Der Hertha-Jahrgang 2018 verfügt über mehr Qualität als seine Vorgänger. Fabian Lustenberger musste vier Wochen warten, ehe er gegen Athletic Bilbao (0:0) erstmals dabei war - und traf auf Anhieb das Niveau. Youngster Jordan Torunarigha (20) holte sich Spielpraxis in der U23 – und war, als er in Östersund gefragt war, sofort da. Der Wechsel, der einigen Fans im Vorhinein am meisten Bauchschmerzen bereitet hatte – die Einsätze von Thomas Kraft in der Europa League – war komplett unproblematisch. Kraft gefiel in beiden Partien.

Natürlich gibt es Härtefälle. Peter Pekarik überzeugte in Hoffenheim (1:1), saß aber gegen Leverkusen (2:1) wieder auf der Bank. „Peka hat gut gespielt“, sagt Trainer Dardai, „aber je nachdem, ob wir offensiver oder defensiver spielen, habe ich mich öfters für die Kombination von Mitchell Weiser und Mathew Leckie entschieden.“

Dardai als Moderator gefordert

Der Trainer als Moderator: Zu 80 Prozent, so erzählt Dardai, informiere er betroffene Spieler, die mal raus müssen, vor der Taktikbesprechung. Bei den anderen begründet er in der Besprechung, warum er diesmal auf sie verzichtet. Dardai: „Eine ehrliche Kommunikation ist wichtig.“

Manager Michael Preetz gefällt der Zusammenhalt: „Wir haben das vor der Saison mit dem Team besprochen. Bei der Belastung ist Rotation wichtig. Bisher läuft es sehr positiv.“

Frust über Niederlagen in Mainz und Östersund

Nur bedingt zufrieden sind beide Verantwortlichen mit den Resultaten. Im DFB-Pokal trifft Hertha in der zweiten Runde auf den 1. FC Köln (25. Oktober). In der Europa League steht nach zwei Spielen nur ein Zähler auf der Haben-Seite. In der Bundesliga kommt Hertha auf neun Punkte und Rang zehn.

Die 0:1-Niederlagen in Mainz und in Östersund „tun richtig weh“, so Dardai. Auch gegen Bremen (1:1) war für ihn mehr drin. „Eine gute Mannschaft gewinnt das Spiel.“

Selke-Debüt gegen Schlalke

Hertha wird weiter rotieren. Allein deshalb, weil nach der Länderspielpause drei weitere englischen Wochen anstehen. Da trifft es sich, dass ein Hoffnungsträger zum Kader dazustoßen wird.

Im nächsten Heimspiel gegen den FC Schalke am 14. Oktober soll Torjäger Davie Selke (für 8,5 Mio. Euro von RB Leipzig gekommen), der bisher wegen Verletzung nicht ­spielen konnte, erstmals dabei sein.

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