Ernährung

Berlin Live  Sternekoch Marquard zeigt: Auch Mensa-Essen kann lecker sein

Sternekoch Stefan Marquard mit Siad (l.) und Joshua beim Zubereiten des Hackfleisches und der Tomatensoße
Sternekoch Stefan Marquard mit Siad (l.) und Joshua beim Zubereiten des Hackfleisches und der Tomatensoße
Foto: David Heerde
Wie kann das Schulessen besser werden? Sternekoch Stefan Marquard zeigt Schülern in Berlin, wie es geht.

Juri (12) ist zufrieden. Das Mittagessen schmeckt ihm heute viel besser als sonst. „Das Fleisch ist besonders lecker, nicht so künstlich und viel besser gewürzt.“ Das finden auch Senta und Leon. Die Jugendlichen sind Schüler der Emanuel-Lasker-Sekundarschule in Friedrichshain. Sie nehmen regelmäßig an der Mittagsverpflegung teil. Insgesamt essen allerdings nur rund 80 der 700 Schüler täglich eine warme Mahlzeit in der Schule.

An diesem Dienstag hat Sternekoch Stefan Marquard mit Schülern der Emanuel-Lasker-Schule gekocht. Die Mittagesser haben drei Varianten eines Gerichts zur Auswahl: Es gibt Rote Bete und Kartoffeln mit Gehacktem, gedünstetem Fisch oder als vegetarische Mahlzeit. Dazu ein Salatbüfett. Die Schüler langen ordentlich zu. Sogar die älteren, die oft keine Lust auf das normale Schulessen haben, finden das Angebot lecker. Paul (17), Schüler der elften Klasse, freut sich darüber, dass das Essen nicht so zerkocht und deutlich besser gewürzt ist.

Gesunde Ernährungist ein wichtiges Thema

„Sterneküche macht Schule“ ist ein Projekt der Krankenkasse Knappschaft, die mit rund 1,66 Millionen Versicherten zu den größten Krankenkassen in Deutschland gehört. Für ihr Kochprojekt hat sie Sternekoch Stefan Marquard mit ins Boot geholt. Carmen Herold-Lacroix, Sprecherin der Knappschaft, sagte der Berliner Morgenpost, dass es dabei vor allem um Prävention geht. „Gesunde Ernährung ist ein Thema, mit dem die Schulen nicht früh genug anfangen können.“ Es gelte, den Kindern den Zusammenhang zwischen Ernährung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit deutlich zu machen und ihren Spaß am Selbstkochen zu wecken.

Sternekoch Marquard gibt außerdem Ratschläge, wie der Ablauf in der Schulküche noch besser organisiert werden kann. „Schulen, die an dem Projekt teilgenommen haben, werden deshalb nach einem Jahr noch einmal besucht“, sagt Sprecherin Herold-Lacroix. „Dann gucken wir, wie es läuft und ob alle Beteiligten etwas dazugelernt haben.“

In Berlin gibt es für das Mittagessen an Grundschulen seit drei Jahren einheitliche Standards, nach denen sich die Caterer richten müssen. Für das Essen an den Oberschulen sind solche Qualitätskriterien bisher nicht verbindlich. Michael Polster vom Deutschen Netzwerk für Schulverpflegung sagte der Berliner Morgenpost, dass es nach wie vor Kritik am Essen gibt und zwar auch an den Grundschulen. „Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Caterer das Essen frühmorgens zubereiten und es dann warm halten bis zur Auslieferung.“

Blumenkohl, der früh um 6 Uhr gekocht werde, käme mittags eben meist als Matsch in den Schulen an. So wäre das auch mit vielen anderen Zutaten. „Kein Wunder, dass es den Kindern nicht schmeckt“, sagte Polster. Das Netzwerk für Schulverpflegung fordert deshalb Geld vom Bund. Der müsse dafür sorgen, dass an allen Schulen Küchen eingebaut werden, in denen das Mittagessen für die Schüler frisch gekocht werden kann. Bisher sei in den meisten Schulküchen nämlich nur das Aufwärmen und die Ausgabe des Essens möglich.

Schulneubauten müsseneine große Mensa haben

Polster kritisierte in diesem Zusammenhang, dass bei Schulerweiterungsbauten, aber auch bei Schulneubauten, oft keine großen Mensen vorgesehen seien. „Dabei haben wir es nicht nur wegen der Flüchtlinge mit einer stark steigenden Schülerzahl zu tun“, sagte er. Ob Schüler mittagessen gehen würden, hänge nicht zuletzt von den Räumlichkeiten ab, in denen das Essen angeboten wird. Diesbezüglich sei noch viel zu tun, so der Experte.

Auch Sternekoch Stefan Marquard hat eine Mission. „Mein Ziel ist es, dass für alle Klassenstufen ein verbindliches Schulfach Ernährung und Bewegung eingeführt wird“, sagte er der Berliner Morgenpost. Schule habe die Aufgabe, die Kinder dazu zu erziehen, dass Selbstkochen und gemeinsames Essen wieder selbstverständlich werden. An der Emanuel-Lasker-Schule wird gesunde Ernährung bereits heute großgeschrieben.

Dort ist Pädagoge Rainer Mehltreter für die Mensa der Schule verantwortlich. Er kümmert sich auch um die Schülerfirma „Menserei“, die für das tägliche Frühstücksangebot der Schule zuständig ist. Außerdem organisiert er Kochwettbewerbe und Arbeitsgemeinschaften an der Schule. Auch Mehltreter wünscht sich eine Küche für seine Schule, in der das Mittagessen für die Schüler täglich frisch zubereitet werden kann. „Dann könnte jedes Essen so gut schmecken wie die Gerichte, die Stefan Marquard heute mit den Schülern gekocht hat“, sagt er. Aufgewärmter Matsch sei dann Vergangenheit, und die Zahl der Esser würde sich deutlich erhöhen.

Vor Ort gekochtes Essen wünschen sich auch die Schüler. Philip aus der neunten Klasse sagt, dass das Schulessen zwar ganz gut sei, ihm aber oft frische Zutaten und Gewürze fehlten. „Das Essen ist nicht kräftig genug, und es macht auch nicht richtig satt.“ Die anderen nicken.

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