Dortmund gegen Madrid

Berlin Live  Traumduo bringt Gelbe Wand zum Schweigen

Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (r) und Madrids Raphaël Varane im Kampf um den Ball
Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (r) und Madrids Raphaël Varane im Kampf um den Ball
Zweimal Cristiano Ronaldo und Gareth Bale treffen zum verdienten 3:1 der Königlichen in Dortmund. Es ist der erste Sieg Reals beim BVB.

Dieses imposante Stadion in Dortmund zum Schweigen zu bringen – und sei es nur für Sekunden -, ist durchaus eine Aufgabe. Aber als der Ball im schwarz-gelb lackierten Tornetz eingeschlagen war und Cristiano Ronaldo seine Jubelarien vor jener Tribüne vollführte, die man die Gelbe Wand nennt, da war es doch erstaunlich ruhig. Der Superstar von Real Madrid hatte soeben zum 3:1 getroffen, was die Niederlage von Borussia Dortmund elf Minuten vor dem Ende schon amtlich machte. Es ist die zweite im zweiten Spiel der Champions-League-Saison, was den Achtelfinal-Einzug für den BVB vorerst in weite Ferne rücken lässt. Dabei hatte die Mannschaft eine ansprechende Leistung geboten in einem Spiel, das Spektakel und Intensität bot.

Schiedsrichter übersieht ein klares Handspiel von Ramos

„Gegen Real Madrid brauchst du einen Sahnetag, den hatten wir heute nicht. Es gibt aber keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, Real Madrid hat das gut gemacht“, sagte BVB-Profi Nuri Sahin. Gonzalo Castro meinte: „Real Madrid war abgezockt, sie haben ihre Chancen genutzt. Wir haben alles versucht, aber sie sind immer gefährlich.“

Im Grunde war es eine feinsinnige Pointe, dass nur ein Tor gefallen war in der ersten Halbzeit. Denn die ersten 45 Minuten boten so viel prächtige Offensive und ungeordnete Defensive, dass sich zwischen Irdischen und Galaktischen ein hübscher, bisweilen wilder Schlagabtausch entwickelte. Der BVB versuchte den ersten Hieb, als Jeremy Toljan, der den Vorzug von Dan-Axel Zagadou erhielt, den Ball vors Tor passte, aber das madrilenische Abwehrungetüm Sergio Ramos vor Pierre-Emerick Aubameyang klärte (3.). Jener Toljan geriet kurze Zeit später in Bedrängnis, weil er sich falsch postiert hatte. Dani Carvajal zog davon, scheiterte aber am gut reagierenden Torwart Roman Bürki (10.). Die Hereingabe von Cristiano Ronaldo spitzelte Lukasz Piszczek mit einer eingeflogenen Grätsche in letzter Sekunde Gareth Bale vom Fuß (11.).

Einem Prolog voller Aufregung folgte ein ereignisreicher Hauptteil. Andrey Yarmolenko, neben Gonzalo Castro und Nuri Sahin eine von drei Veränderungen in der Dortmunder Startelf, flankte und Maximilian Philipp bugsierte den Ball in Richtung Tor, wo erneut Ramos klärte. Auf der Linie. Mit der Hand. So protestierten jedenfalls die Dortmunder. Vergebens. Kein Elfmete, kein Tor. Das fiel dann auf der anderen Seite mit königlicher Ästhetik. Carvajal flankte, und Bale schoss den Ball volley in den Dortmunder Torwinkel (18.). Bürkis Arm zuckte nur kurz nach oben, mehr hatte er diesem Moment nicht entgegenzusetzen.

Und das blieb das Grundgefühl in diesem weiterhin temporeichen Spielchen: Dass nämlich Real die etwas reifere und bessere Mannschaft war. Dortmund besaß den Ball, aber bis zur Pause kaum mehr klare Chancen. Bale hätte beinahe schon auf 2:0 erhöht, doch Bürki hielt (24.). Ronaldo kam ähnlich frei zum Schuss, der Ball ging aber am Tor vorbei (45.). Verdiente Führung für den Titelverteidiger. Pause. Pause? Kaum. Der wilde Ritt setzte sich im zweiten Durchgang nahtlos fort.

BVB-Trainer Peter Bosz: „Wir haben zu Recht verloren“

Raphael Varane musste schon nach nur wenigen Sekunden vor dem einschussbereiten Aubameyang klären. Hoffnung schlich die Ränge empor. Vielleicht ging ja doch was. Ging nicht. Zumindest vorerst. Real schlug den Aufstand durch seine Majestät höchstselbst nieder. Cristiano Ronaldo drückte eine Hereingabe von Bale zum 2:0 ins Dortmunder Tor (49.). Was die Entscheidung zu sein schien geriet zur Initialzündung für noch mehr Rasanz und zurückkehrenden gelben Glauben. Castros feine Flanke von links lenkte Aubameyang zum Anschlusstreffer ins Real-Tor (54.).

BVB-Trainer Peter Bosz wechselte Julian Weigl und Mahmoud Dahoud ein für frische Impulse. An frischen Chancen mangelte es nicht. Auf beiden Seiten. Binnen Sekunden. 62. Minute: Castro tauchte allein vor Keylor Navas auf, vergaß aber den Ball. Konter. Bürki klärte gegen Luka Modric. 65. Minute: Nacho grätschte Götze im Strafraum den Ball in höchster Not vom Fuß. Konter. Sokratis grätscht Bale im Strafraum den Ball in höchster Not vom Fuß. Dortmund drängte auf den Ausgleich. Real aber hatte die Chancen. Isco vergab zweimal aussichtsreich (71./75). Erst Ronaldo aber musste die Entscheidung herbeiführen. Gegen seinen wuchtigen Schuss aufs kurze Eck war Bürki machtlos (79.). Es war das dritte Tor des Stürmers im zweiten Spiel der Königsklasse. Er schoss sein 111. und 112. Europacup-Tor und baute damit seine Führung vor Lionel Messi (99) aus.

Sechs Mal war der berühmteste und zuletzt erfolgreichste Verein des Planeten zuvor in Dortmund angetreten, nie hatte er einen Sieg mit nach Spanien genommen. Im siebten Anlauf tilgte der Großklub nun diesen Makel. Für Dortmund war es das verflixte siebte Spiel. BVB-Coach Peter Bosz meinte: „Wir kamen überall zu spät, das war nicht das Dortmund-Niveau. Wir haben in keinem Moment des Spiels richtig Druck auf den Ball bekommen. Wir haben zu Recht verloren.“

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