Bundesliga

Berlin Live  Hertha und der Nachmittag der Missverständnisse

Schiedsrichter Tobias Stieler (l.) zeigt Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (Mitte) die Rote Karte. Valentin Stocker kann nicht mehr schlichten
Schiedsrichter Tobias Stieler (l.) zeigt Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (Mitte) die Rote Karte. Valentin Stocker kann nicht mehr schlichten
Foto: Ottmar Winter
Hertha verliert unnötig in Mainz mit 0:1. Vedad Ibisevic kassiert die Rote Karte. Dafür hat er eine kuriose Erklärung.

Vedad Ibisevic wollte sich nicht bremsen lassen. Nicht von Schiedsrichter Tobias Stieler, der Herthas Kapitän in einer turbulenten Schlussphase in Mainz vom Platz gestellt hatte (89. Minute), und auch nicht von Mitspieler Fabian Lustenberger. Der Schweizer versuchte zwar noch, den Stürmer zurückzuziehen, doch Ibisevic schüttelte ihn einfach ab, stapfte wütend auf den Unparteiischen zu und versuchte aufzulösen, was kaum aufzulösen war.

Jenes große Missverständnis eben, das zur Roten Karte geführt hatte, und damit zur endgültigen Entscheidung. Denn spätestens danach war klar: Die Berliner würden die 0:1 (0:0)-Niederlage nicht mehr verhindern können, die mehr von den Schiedsrichter-Entscheidungen geprägt war als von den Leistungen der beiden Teams.

So fiel der spielentscheidende Treffer durch einen Elfmeter, den Stieler erst nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten und eigener Ansicht der Videobilder am Spielfeldrand gab. FSV-Angreifer Pablo De Blasis verwandelte danach sicher, Hertha-Keeper Rune Jarstein war noch dran, konnte aber nicht parieren (54.). Auf der anderen Seite blieb den Berlinern ein Strafstoß verwehrt, als Sebastian Langkamp in der Nachspielzeit zu Boden ging. Diesmal verzichtete der Unparteiische auf den Video-Assistenten. „Es ist nicht glasklar, wann eine Szene noch mal kontrolliert wird und wann nicht“, monierte Langkamp später.

Dardai akzeptiert Entscheidung

„Der Schiedsrichter hat gut gepfiffen“, versuchte Hertha-Coach Pal Dardai zwar zu beschwichtigen, musste aber zugeben, dass der Platzverweis auch ihm noch schleierhaft war. „Bestimmt hat der Schiedsrichter seine Argumente“, sagte der Ungar, „das muss man akzeptieren.“ Nur das wollte, das konnte Ibisevic nicht. Selbst nachdem er in den Katakomben erneut mit Stieler gesprochen hatte, brodelte es noch in ihm: „Der Schiedsrichter wollte mich rausschicken, weil ich geblutet habe“, erklärte er mit genähtem Cut am Auge: „Ich habe zu ihm gesagt: Das ist doch schlecht. Aber er hat ein anderes Wort mit sch verstanden. Ich hoffe, es gibt einen Lippenleser, der das auflöst. Aber so, wie ich das Geschäft kenne, bin ich das Opfer.“ Man darf gespannt sein, wie das DFB-Sportgericht mit der Roten Karte umgeht.

Auf derart viel Aufregung wie zum Ende hatten die 23.517 Zuschauer in Mainz lange warten müssen, denn bis zum Elfmeter war die Partie nicht recht in Schwung gekommen. Durchgang eins entwickelte sich zu einem konzentrierten, taktisch geprägten Duell, das höchstens die beiden Trainer ansprach. „Wir haben uns gegenseitig eliminiert“, sagte Herthas Joker Valentin Stocker, „die Strafraumszenen haben gefehlt.“ Immerhin übernahmen die Berliner dabei das Kommando, standen defensiv gewohnt sicher und bauten über eine Dreierkette kontrolliert ihr Spiel auf. Einziges Manko: die Harmlosigkeit im letzten Drittel. So standen zur Pause zwar 60 Prozent Ballbesitz auf der Habenseite, aber keine Torchance.

Nach dem Seitenwechsel war der maue Kick der ersten 45 Minuten schnell vergessen, weil nun Stieler in den Blickpunkt rückte. Als Karim Rekik, seit Wochen einer der besten Berliner, im Strafraum FSV-Angreifer Yoshinori Muto umrempelte, ließ der Unparteiische zunächst weiterspielen. Eine Entscheidung, an der offenbar schnell Zweifel aufkamen, also forderte Stieler das Urteil des Video-Assistenten an. Der entschied: Foul, also Strafstoß – eine knifflige, aber korrekte Entscheidung. „Man kann nichts anderes tun, als das zu akzeptieren“, sagte Rekik. De Blasis schoss hart und platziert ein, unten rechts – 0:1 (54.). Das Gegentor saß, eine prompte Reaktion war von Hertha jedenfalls nicht zu sehen.

Ibisevic vergibt die einzige echte Torchance der Berliner

Was lange nach einem angenehmem Spätsommertag aussah, verwandelte sich in einen fußballerischen Herbstanfang. Die Berliner fanden nun immer weniger Zugriff, verloren ihre Souveränität und brachten nach vorn kaum noch etwas Planvolles zustande. Einzig ein scharfer Steilpass von Mitchell Weiser auf Ibisevic sorgte noch mal für Gefahr, doch der Bosnier schob den Ball freistehend aus Nahdistanz knapp am rechten Pfosten vorbei (67.).

Dardai probierte nun noch mal alles, brachte in der 72. Minute mit Stocker (für Ondrej Duda) und Alexander Esswein (für Mathew Leckie) frische Spieler. Stocker versuchte es mit Wucht aus der Distanz, konnte Keeper René Adler aber nicht überwinden (83.). Und dann, ja, dann nahm das Unheil um Ibisevic seinen Lauf. „Wenn man hier nicht gewinnt, darf man wenigstens nicht verlieren“, sagte Langkamp frustriert. Eine Maßgabe, die Hertha auch am Donnerstag beherzigen sollte. Dann sind die Berliner in der Europa League in Östersund gefragt.

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