Interview

Berlin Live  „Dardai macht einen sehr guten Job“

Alexander Nouri ist seit einem Jahr Trainer von Werder Bremen
Alexander Nouri ist seit einem Jahr Trainer von Werder Bremen
Foto: Carmen Jaspersen / dpa
Alexander Nouri spricht über sein erstes Jahr als Trainer von Werder Bremen und lobt den kommenden Gegner Hertha BSC.

Berlin.  Vor einem Jahr stieg Alexander Nouri (38) bei Werder Bremen zum Cheftrainer auf. Der Bundesliga-Novize verwandelte den Abstiegskandidaten zum Sensationsteam der Rückrunde, schrammte nur knapp an einem Europa-League-Platz vorbei. In seiner ersten vollen Saison muss der drittjüngste Coach der Liga nun beweisen, dass dieser Erfolg mehr war als eine Kurzepisode. Vor dem Spiel bei Hertha BSC (Sonntag, 15.30 Uhr, Olympiastadion) sprach die Morgenpost mit ihm.

Herr Nouri, Werder hat nach zwei Spieltagen weder Tore noch Punkte auf dem Konto. Anlass zur Sorge?

Alexander Nouri: Nein, natürlich hätten wir gern schon etwas Zählbares auf der Habenseite, aber wir hatten zu Beginn auch zwei Gegner, bei denen niemand damit gerechnet hat, dass wir sie aus dem Stadion schießen.

Auswärts Hoffenheim und zu Hause Bayern München ...

Richtig, ein Champions-League-Anwärter und das Maß aller Dinge in Deutschland. Natürlich waren die Ergebnisse nicht zufriedenstellend. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war aber okay. Wichtig war für uns zudem, dass wir im Pokal eine Runde weitergekommen sind.

Sie sind fast genau ein Jahr im Amt. Was ist in den vergangenen zwölf Monaten mit Ihnen passiert?

Das ist wie in anderen Berufen auch, man wächst mit der Erfahrung, entwickelt sich weiter. Aber es stimmt schon: Das Jahr hatte unheimliche Wellenbewegungen, wir haben eigentlich alles mitgemacht. Vielfältiger hätten die Erfahrungen nicht sein können.

An welchem Punkt haben Sie gemerkt, dass es Klick gemacht hat?

Das war ein Prozess, aber die ersten Siege unserer Serie waren entscheidend. Nur so konnte bei den Spielern die Überzeugung in unsere Prinzipien und Abläufe wachsen. Erfolge sind nun mal durch nichts zu ersetzen.

Die erste Profi-Station ist für Trainer meist zukunftsweisend: Für manche ist sie das ultimative Sprungbrett, andere verschwinden schnell wieder in der Versenkung. Wie viel Druck haben Sie sich selbst gemacht?

Nicht viel. Es ging und geht nicht um mich, sondern um etwas Größeres, nämlich den Erfolg des Vereins. Ich bin nur ein Glied in der Kette.

Klingt nach Führungskräfte-Ratgeber.

Mir muss meine Arbeit Spaß machen. Ich muss das Gefühl haben, dass der Enthusiasmus, den ich einbringe, auf fruchtbaren Boden fällt. So lange das der Fall ist, erfüllt mich der Job. Alles andere kommt von allein. Ich habe nie dagesessen und um mein Arbeitspapier gebangt.

Statt über Taktik sprechen Sie viel über Respekt, Gemeinschaft oder Verantwortung. Ist die Teamchemie tatsächlich wichtiger als vieles andere?

Man wird ja nicht allein dadurch zu einem Team, weil man sich jeden Tag zum Training trifft. Eine Mannschaft lebt davon, sich mit gegenseitigem Respekt zu begegnen – auch gegenüber dem Zeugwart oder der Wäschefrau. Der Teamspirit ist dabei aber nur ein Faktor von vielen. Fußballlehre oder Trainingswissenschaften gehören genauso dazu. Eine fitte Mannschaft zu haben, ist ja auch nicht unwichtig (schmunzelt). Wenn das eine nicht funktioniert, funktioniert das andere auch nicht.

Wie finden Sie die richtige Mischung aus Kumpeltyp und Boss?

Für mich ist wichtig, dass man authentisch ist, sich die Wahrheit sagt und in die Augen guckt. Die Autorität definiert sich am Ende über Inhalte und Argumente. Als Kumpeltyp würde ich mich übrigens nicht bezeichnen.

Im „Kicker“ wurden Ihnen kühle Machttendenzen unterstellt – etwa im Umgang mit Klub-Ikone Claudio Pizarro oder auch Co-Trainer Florian Bruns. Beide mussten gehen.

Das ist hanebüchen. Bei Werder war es noch nie so, dass einer alleine die Entscheidungen trifft. So etwas wird gemeinsam mit der sportlichen Leitung und dem Trainerteam diskutiert und entschieden.

Als Spieler und Trainer sind Sie seit fast 20 Jahren im Profi-Fußball unterwegs. Ihre prägendste Erfahrung?

Das ist der gesamte Weg. Scheitern gehörte dazu, genauso wie eine lange Verletzung. Mit 20 habe ich im Ausland in Seattle gespielt, auch das hat mich geprägt. Damals habe ich beim Klub-Besitzer gewohnt, einem Microsoft-Manager, von dem ich viel für meine Persönlichkeitsentwicklung mitgenommen habe – zum Beispiel in Sachen Einstellung und Beharrlichkeit. Bei einer späteren Station bin ich zum Führungsspieler aufgestiegen, an anderer Stelle saß ich auf der Bank. Mein Studium gehört genauso dazu. Viele Gedanken habe ich mir jedenfalls schon immer gemacht.

In Ihrer Premierensaison haben Sie sich klar gegen die AfD positioniert. Müsste in dieser Hinsicht nicht noch mehr kommen aus dem Fußball, der so viel Aufmerksamkeit genießt?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin in erster Linie Trainer, aber ich habe eine Meinung. Mein Appell ist: Bitte geht alle zur Wahl.

Zurück zu Werder: Spieler wie Serge Gnabry, Clemens Fritz, Claudio Pizarro und Florian Grillitsch sind weg. Die Einkäufe halten sich hingegen in Grenzen.

So wie er sich momentan darstellt, sind wir mit dem Kader zufrieden. Unser neuer Linksverteidiger Ludwig Augustinsson tut uns gut, Ishak Belfodil macht uns in der Offensive variabler. Und Jiri Pavlenka hat schon gezeigt, dass er im Tor ein guter Rückhalt ist.

Nur Augsburg hat in diesem Sommer weniger Geld ausgegeben als Werder. Ist es nicht frustrierend, wenn die Konkurrenz mehr Gestaltungsspielraum hat?

Nein, Neid ist kein guter Ratgeber. Wir tun gut daran, uns auf unsere Philosophie zu besinnen und mit Bedacht zu wirtschaften. Wir haben in der Vorbereitung gut gearbeitet und gehen deshalb optimistisch in die Saison.

Hertha konnte knapp 20 Millionen investieren und spielt nach zwei starken Saisons in der Europa League. Wie viele Schritte ist Berlin Bremen voraus?

Pal Dardai macht mit seinem Team einfach einen sehr, sehr guten Job. In den ersten Spielen haben sie schon wieder gezeigt, wie gefestigt sie sind – Herthas Pokalspiel in Rostock fand ich richtig gut! Für uns wird das am Sonntag eine schwierige Aufgabe, aber sagen wir’s mal so: Wir nehmen die Herausforderung an.

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