Sicherheit

Berlin Live  Berliner Polizei rüstet am Alexanderplatz auf

Kriminalitätsschwerpunkt: Polizeibeamte gehen über den Alexanderplatz
Kriminalitätsschwerpunkt: Polizeibeamte gehen über den Alexanderplatz
Foto: dpa
Mit einer neuen Polizeiwache, zusätzlichem Personal und neuer Videotechnik soll der Alexanderplatz in Mitte sicherer werden.

Lange hat die Berliner Polizei versucht, die Lage auf dem Alexanderplatz mit normalen Mitteln unter Kontrolle zu kriegen. „Der 14. Oktober 2012 hat alles verändert“, sagt Polizeipräsident Klaus Kandt. Damals wurde der 20-jährige Jonny K. an den Rathauspassagen in der Nähe des Alexanderplatzes zu Tode geprügelt. In der Folge wurde mehr Polizei auf den „Alex“ geschickt. An Wochenenden und in den Abendstunden stand ein Polizeibus auf dem Platz. Trotzdem stieg die Kriminalität weiter – bis auf zwischenzeitlich 8644 Straftaten im Jahr 2015. Damit ist der „Alex“ in Mitte, was die absoluten Zahlen angeht, der gefährlichste Ort Berlins.

Nun rüstet die Innenverwaltung massiv auf. Eine neue Wache, mehr Kollegen und eine mobile Videoüberwachung sollen Berlins Mitte sicherer machen. „Das ist auch für die subjektive Sicherheit ein Meilenstein“, sagte Kandt beim symbolischen Spatenstich am Donnerstag. Kein anderer der kriminalitätsbelasteten Orte in Berlin bekomme eine eigene Wache.

„Wir werden die Kriminalität zurückdrängen“, sagte Geisel

Die „Alexwache“ steht künftig mitten auf dem Alexanderplatz, zwischen Weltzeituhr und dem Brunnen vor dem Kaufhof. An der Stelle soll sie aus allen Richtungen für Besucher gut sichtbar sein. Der Containerbau hat eine Fläche von etwa 70 Quadratmetern und kostet knapp eine Million Euro. Bis zum Dezember soll alles fertig sein.

Drei Polizisten von der Bundes- und der Landespolizei sollen dann rund um die Uhr in der Wache präsent sein, am Tag auch das Ordnungsamt. 20 zusätzliche Polizisten habe der Abschnitt dafür bekommen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, dass auch die Direktion 5 in Kreuzberg 50 neue Polizisten bekomme, die vor allem für das Kottbusser Tor, den Görlitzer Park und das RAW-Gelände an der Warschauer Straße in Friedrichshain zuständig sind. „Wir werden die Kriminalität zurückdrängen“, sagte Geisel.

Viele Straftaten am „Alex“ passieren milieuintern

Wer mit Polizisten aus der Direktion 3, Abschnitt 32, spricht bekommt ein differenziertes Bild vom Alexanderplatz. Die Beamten, die dort regelmäßig auf Streife sind, kennen ihr Klientel. Viele Straftäter kennen sie, vor allem unter den Drogendealern. „Für viele ist der Alex ein Treffpunkt“, sagt ein Polizist. Am Tag sei meist alles friedlich. Erst in den Abendstunden, wenn Drogen und Alkohol ins Spiel kämen, werde es gefährlicher.

Vieles passiere dort allerdings milieuintern. Das heißt: Schlägereien unter Obdachlosen, zwischen Flüchtlingsgruppen und unter Drogendealern. Insgesamt sei das Klientel am „Alex“ sehr jung. „Wir greifen hier auch immer wieder Heimkinder und Ausreißer auf“, sagt ein Polizist. Weil der „Alex“ ein kriminalitätsbelasteter Ort ist, dürfen die Beamten anlassunabhängig Personen durchsuchen und Personalien feststellen. „Belastend ist es, wenn wir immer wieder dieselben kontrollieren“, sagt ein Beamter.

„Wir sind froh, dass es jetzt endlich in die heiße Phase geht“

Doch nicht alle sind zufrieden mit der Aufmerksamkeit, die der Alexanderplatz bekommt. „Der Alex ist besser und sicherer, als er dargestellt wird“, sagte etwa Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne). Er verweist auf die hohen Besucherströme. Täglich würden mehr als 360.000 Menschen den Platz queren. Setze man das ins Verhältnis, seien die Kriminalitätszahlen gar nicht mehr so hoch, so von Dassel weiter.

Um den Alex sicherer zu machen, müssten Angebote für Jugendliche geschaffen werden. Auch um die Wohnungslosen müsse man sich kümmern. Kritik übte von Dassel auch an den vielen Veranstaltungen, die auf dem „Alex“ stattfinden würden. „Weniger ist vielleicht mehr“, sagt er und kritisiert, dass vieles sehr beliebig sei.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die Wache am Alexanderplatz. „Wir sind froh, dass es jetzt endlich in die heiße Phase geht“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Gleichzeitig mahnt die GdP aber an, dass die Ausrüstung der Polizei in Berlin insgesamt verbessert werden müsse. In einer Mitarbeiterinformation, die der Berliner Morgenpost vorliegt, heißt es, dass viele der Versprechungen aus dem Sicherheitspakt noch nicht umgesetzt seien. Das betreffe etwa die Anschaffung neuer Pistolen und neuer Schutzausrüstung.

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