DEL-Start

Berlin Live  Eisbären streben mit aller Macht zur Acht

James Sheppard (l.) ist der prominenteste Zugang des EHC
James Sheppard (l.) ist der prominenteste Zugang des EHC
Foto: imago sport / imago/Hentschel
Die Eisbären haben die Strukturen verändert, wollen mit besseren Bedingungen an alte Zeiten anknüpfen und den Titel gewinnen.

Berlin.  Inhaltlich zog sich die Gesprächsrunde gerade ein wenig in die Länge, da sorgte Uwe Krupp noch einmal für eine Klarheit. „Wir sind nicht in Berlin, um eine Mannschaft zu verwalten. Darauf hat der Headcoach keinen Bock“, sagte der Trainer des EHC Eisbären. Zu Saisonbeginn gleich Stillstand zu verkaufen, macht ohnehin nicht gerade Lust auf 52 Hauptrundenspiele und das Play-off. Krupp wollte mit seiner Aussage aber nicht nur langweiligen Erwartungen entgegentreten. Aus ihm sprach der Wille, endlich das zu erreichen, was er sich erhofft hat, als er im Dezember 2014 beim EHC anheuerte: Eine gewichtige Rolle im Titelkampf der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu spielen.

In den vergangenen Jahren traute den Berlinern dies kaum jemand zu. Mit der neuen Saison, die für die Eisbären am Freitag mit der Partie gegen Nürnberg (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) startet, sieht es nun anders aus. „Wir hatten viel Bewegung im Sommer“, sagt Stephané Richer. Er ist einer der Auslöser der Bewegung, als neuer Sportdirektor trägt er die Verantwortung für einen umfassenden Wandel in der Mannschaft. Doch das ist nur ein Teil der Veränderung.

Nicht vom Halbfinale blenden lassen

Ihren Ursprung hat diese in der Erkenntnis, dass der eingeschlagene Weg der Eisbären nicht mehr taugt, um große Erfolge zu feiern. Nach sieben Meistertiteln zwischen 2005 und 2013 genügten die Strukturen nicht mehr den Anforderungen. „Seit 2013 haben sich aus verschiedenen Gründen Quantität und Qualität bei uns verändert“, erzählt Geschäftsführer Peter John Lee. Hauptsächlich meint er damit, dass der Klubbesitzer, die Anschutz Entertainment Group (USA), nach den vielen Triumphen dachte, mit weniger Investitionen auskommen zu können. Für den Trainerstab etwa bedeutete das: „Wir haben versucht, mit zwei Mann zu machen, was wir vorher mit vier gemacht haben“, so Lee. Assistenten wurden eingespart, bei Spielern griff man oft auch bei der zweiten Wahl zu.

Die Hauptrunde mit der schlechtesten Zuschauerzahl (12.052 pro Spiel) seit dem Umzug in die Großarena 2008 war in der vergangenen Saison die Folge. Ein Alarmzeichen, das selbst durch die Halbfinalteilnahme nicht übertüncht und in den USA beim Klubbesitzer verstanden wurde. „Wir müssen die Fans begeistern. Daher wollen wir den Weg wieder in die andere Richtung gehen“, sagt Lee. Wichtigster Aspekt dabei ist neben einer leichten Etatsteigerung die Übertragung der Verantwortlichkeiten von der wirtschaftlich orientierten Anschutz-Basis in Denver nach Los Angeles zu den Kings, dem NHL-Klub der Gruppe. „Sie helfen uns mit allem, was nötig ist, um eine Meisterschaft zu gewinnen“, erzählt Lee. Vor allem sind die Entscheidungswege jetzt kürzer und nah an den sportlichen Bedürfnissen der Berliner.

Zusammenarbeit mit LA zahlt sich aus

In den Freiheiten, die Richer bei der Kaderoptimierung hatte, ließen sich erste positive Effekte der Zusammenarbeit erkennen. Neun Spieler mussten gehen, sieben kamen. Im Altersdurchschnitt wurde das Team dabei verjüngt, vor allem aber gilt: „Wir haben uns verstärkt“, sagt Krupp. Besonders auf den Mittelstürmerpositionen und auf der rechten Seite wurde darauf geachtet, dass die Leistungsfähigkeit steigt. „Die Qualität ist viel besser“, so Lee, der bei allem Sparzwang der vergangenen Jahre auch eigene Unzulänglichkeiten nicht verschweigt: „Wenn du mit einer Mannschaft so lange zusammen bist und Erfolg hast, bist du ein bisschen subjektiv und in vielen Dingen nicht mehr objektiv.“

Die Zeiten, in denen an vielen Spielern aus sentimentalen Gründen länger festgehalten wird, als es dem Team guttut, sind vorbei. Außerdem wurde bei der Quantität darauf geachtet, dass mehr Spieler im Kader stehen, als tatsächlich eingesetzt werden dürfen. „Das ergibt eine andere Atmosphäre in der Mannschaft“, sagt Krupp. Eiszeiten sind nicht mehr selbstverständlich, das macht das Training intensiver.

Vier neue Trainer helfen Krupp, die Ziele zu erreichen

Selbst der Ebene der Trainer schenkte der EHC viel Beachtung. Hinter Krupp wurden vier Positionen neu besetzt, der Chef hat nun wieder zwei Assistenten – so wie Pierre Pagé und Don Jackson in den Erfolgsjahren. Zusätzlich wurde ein Fitnesscoach eingestellt. „Ich habe viel Unterstützung diese Saison und fühle mich ideal aufgestellt“, sagt Krupp, der mehr Aufgaben abgeben und zusätzliche Expertisen einholen kann.

Alles in allem ist enorm viel passiert bei den Eisbären, Besitzer und Klub haben ein Zeichen gesetzt. Sie wollen mit aller Macht zur achten Meisterschaft. „Die Bedingungen sind jetzt besser“, sagt Lee, „wir steigen in den Ring und wollen mitboxen um den Titel.“ Ob der sich sofort realisieren lässt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall sind die Weichen gestellt, um die nahe Zukunft erfolgreicher zu gestalten, als es die jüngere Vergangenheit war.

Die wichtigsten Fakten zur neuen Saison:

Heimspiele 2017 der Eisbären: Freitag, 8.9., Nürnberg (19.30), Freitag, 15.9., Wolfsburg (19.30), Sonntag, 17.9., Straubing (14.00), Freitag, 22.9., Köln (19.30), Sonntag, 1.10., Mannheim (14.00), Sonntag, 8.10., Augsburg (14.00), Donnerstag, 12.10., Schwenningen (19.30), Sonntag, 22.10., München (17.00), Freitag, 27.10., Straubing (19.30), Freitag, 3.11., Iserlohn (19.30), Freitag, 17.11., Ingolstadt (19.30), Sonntag, 19.11., Krefeld (19.00), Freitag, 24.11., Düsseldorf (19.30), Sonntag, 26.11., Mannheim (14.00), Sonntag, 3.12., Ingolstadt (14.00), Mittwoch, 13.12., Krefeld (19.30), Freitag, 15.12., Köln (19.30), Dienstag, 19.12., Nürnberg (19.30), Dienstag, 26.12., Bremerhaven (16.30), Sonnabend, 30.12., Düsseldorf (16.30).

Dauerkarten: Zum Start der neuen Saison haben die Eisbären 5519 Dauerkarten (ab 290 Euro) verkauft. Eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr zu diesem Zeitpunkt (5424).

Neue Regeln: Die interessanteste Veränderung im Spielbetrieb dürfte die Schwalbenliste sein, die von der DEL eingeführt wird. Wer sich durch Schauspieleinlagen auf dem Eis einen Vorteil verschafft, wird per Videoanalyse registriert. Bei fünf Schwalben innerhalb einer Saison muss auch der Cheftrainer des Akteurs eine Strafe bezahlen.

Favoriten: Red Bull München peilt mit dem größten Etat (geschätzt 12,5 Millionen Euro) den Hattrick an. Nach den Titeln 2016 und 2017 ist der Meister wieder das Maß aller Dinge. Der exquisite Kader wurde noch einmal verstärkt – unter anderem mit Nationalspieler Patrick Hager (Köln). Die Adler Mannheim (12,2) stehen personell kaum nach. Die Kölner Haie (11,5) haben mit Weltenbummler Felix Schütz Hagers Abgang hochkarätig aufgefangen. Mit einer Budgeterhöhung um etwa eine Million Euro halten aber auch die Eisbären (11,2) Anschluss an die Spitze und untermauern ihre Ansprüche. Selbst Nürnberg (10,4) hat noch einmal aufgerüstet.

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