Kolumne Immer Hertha

Berlin Live  Salomon Kalou, ein Weltstar im Hertha-Trikot

Salomon Kalou (Nr. 8) hat seit September 2014 für Hertha 87 Bundesligapartien gespielt, zehn  im DFB-Pokal und zwei in der Europa-League-Qualifikation
Salomon Kalou (Nr. 8) hat seit September 2014 für Hertha 87 Bundesligapartien gespielt, zehn im DFB-Pokal und zwei in der Europa-League-Qualifikation
Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images
Eine ultimative Lobhudelei auf Salomon Kalou, der am Sonntag gegen Bremen sein 100. Pflichtspiel für Hertha BSC bestreitet.

Es ist spät, fast 22 Uhr. Die Eltern haben sich im Treppenhaus der Altbauwohnung auf halber Höhe postiert. Oben nehmen die drei Zehnjährigen ihren Mut zusammen und drücken auf den Klingelknopf. Es dauert nicht lange, dann öffnet sich die Tür. „Herr Kalou, können wir ein Autogramm haben?“ Salomon Kalou grinst, schaut über die Schulter der Jungen hinweg und winkt hinunter zu den Eltern. Klar. Auf jedes der Fotos, die ihm hingehalten werden, setzt der Profi von Hertha BSC seine Unterschrift. „Und ein Selfie?“ Na klar. Wartet mal einen Moment, sagt Kalou. Verschwindet in der Wohnung und kehrt mit einem großen, signierten Poster zurück. „Für Euch.“

Wenn es im Kader von Hertha BSC jemals einen Profi gegeben hat, der Anlass für Allüren hätte, ist das Salomon Kalou: englischer Meister 2010, englischer Pokalsieger 2007, 2009, 2010, 2012. Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea 2012. 95maliger Nationalspieler für die Elfenbeinküste, WM-Starter 2010 und 2014, Afrika-Cup-­Sieger 2015 – Kalou ist ein Weltstar. Aber einer, der das nicht lebt.

Kalou fördert die Jungen

Warum Kalou immer noch eine große Nummer ist, warum Hertha BSC den Vertrag mit dem mittlerweile 32-jährigen Stürmer gerade um zwei Jahre verlängert hat, lässt sich an solchen Begebenheiten erzählen. Oder an dem Saisonabschlussgespräch, das Trainer Pal Dardai und Manager Michael Preetz mit Kalou nach dessen erstem Jahr in Berlin im Mai 2015 führten. Noch ehe die Vorgesetzten los legten, ergriff Kalou das Wort. Er sei sehr froh, dass Hertha ihm die Gelegenheit gebe, in Deutschland zu spielen. Er sei aber nicht zufrieden mit der Saison. Seine Fitness sei nicht gut genug für die Bundesliga gewesen. Die vielen Länderspielreisen würden ihm nicht gut tun. Er möchte einiges ändern, damit Hertha besseren Fußball spielen kann. Trainer und Manager guckten sich an: Schau‘ an es gibt auch selbstkritische Profis. Die vor­bereitet in so ein Gespräch kommen und Vorschläge mitbringen, was man besser machen kann.

Am Sonntag gegen Werder Bremen bestreitet Kalou sein 100. Pflichtspiel für Hertha BSC. Sein Standing in der Mannschaft ist enorm. Kalou ist ein unermüdlicher Förderer der Jungen. Kritik bekommen die genug zu hören, vom Trainer, vom Cotrainer, vom Athletikcoach … Kalou redet die Youngster stark. Seine Botschaft: Immer positiv, immer an sich glauben.

Der Reggae-Fan praktiziert Yoga

Egal wie groß die Herausforderung ist, Kalou ist ein Eisvogel. Fragt man ihn, wie er sich auf das größte Spiel seiner Karriere vorbereitet hat, das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern in München. So wie immer, sagt Kalou. Zehn Minuten in der Bibel gelesen und auf dem Weg ins Stadion Reggae gehört. Was geht einem durch den Kopf, wenn man durch den Tunnel schreitet und die vibrierende Atmosphäre des ausverkauften Stadions spürt? Kalou: Let’s do it. Genauso kam es: Außenseiter Chelsea verdarb den Bayern im Elfmeterschießen das „Finale dahoam“.

Kalou umgibt das Flair von Weltläufigkeit. Er mag schöne Dinge, teure Autos. Neben Bob Marley hat er einen Faible für Che Guevara. Hat er mal frei, schickt er Fotos aus Paris, wo er Didier Drogba trifft. Über Sylvester arbeitet er regelmäßig mit einer ­bildhübschen amerikanischen Yoga­lehrerin in New York.

Der Jüngste mit sieben älteren Geschwistern

Kalou weiß, wo er als jüngstes Kind mit sieben älteren Geschwistern aus der Elfenbeinküste herkommt. Es war Anfang Mai, ein Regentag, als Balla Keita, ein 16jähriger Flüchtling aus der Elfenbeinküste beim Hertha-Training zuschaute. Keita war lange auf der Flucht, er spielt in der Jugend der Reinickendorfer Füchse. Von Ivorer zu Ivorer, die beiden kamen sofort ins Gespräch. Kalou nahm Keita mit in Richtung Kabine.

Als die Verabschiedung nahte, fragte Kalou: Welche Schuhgröße? Keita nannte seine. Kalou: Wart’ mal einen Moment. Und kehrte mit Adidas-Fußballschuhen zurück, auf der eine Seite mit dem Namen „Kalou“, auf der anderen die Flagge der Elfenbeinküste, und drückte Keita das Paar in die Hand.

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