Fußball

Berlin Live  Der Markt ist ein bisschen verrückt

Neue Dienstkleidung für Ousmane Dembélé
Neue Dienstkleidung für Ousmane Dembélé
Foto: Getty Images / AFP/Getty Images
20.000 Fans begrüßen Dembélé beim FC Barcelona. Der Franzose gibt zu, Schuld am Streit mit dem BVB zu sein. Nächster Star soll bald kommen.

Barcelona.  Ist ja irgendwo klar, dass auch am Tag der großen Präsentation nicht alles rund läuft beim Wechsel von Ousmane Dembélé aus Dortmund zum FC Barcelona. Eine Stunde später als angekündigt macht der teuerste Zugang der Klubgeschichte seine ersten Schritte im Camp Nou. Die rund 20.000 Fans sehen darin das nächste Versagen einer umstrittenen Klubführung, schwenken weiße Taschentücher und fordrn lautstark „Bartomeu, dimisión“ – den Rücktritt des Präsidenten Bartomeu. Falls es Dembélé nicht gewusst haben sollte: Er kommt in einen aufgewühlten Verein.

Ein „bürokratisches Problem“ sei für die Verzögerung verantwortlich, entschuldigt sich dieser schließlich, offenbar musste Dembélé mit dem BVB noch Details an seinem Auflösungs­vertrag klären, und angesichts der im Fußball schon erlebten Volten mag mancher nun das Schlimmste gefürchtet haben. Aber dann ist er da, um kurz vor drei am Nachmittag, zunächst im feinen Anzug auf der Ehrentribüne, wohin die nun kreischenden Fans sofort gerannt kommen. Dann auch im Trikot auf dem Platz. Ein paar Kunststücke mit dem Ball, ein Trainingsspielchen im Kreis mit Kindern, die ersten Worte: „Ich bin glücklich, im größten Klub der Welt zu sein.“

Keine Vergleiche mit Neymar, bitte

Der Satz wird hier gern genommen gegen Ende einer hysterischen Transferperiode, während Barca beim Verlust von Neymar an Paris St. Germain vorgeführt wurde. Dembélé allerdings ist mehr als nur Frustshopping. Schon vorigen Sommer galt er als Wunschspieler von Sportdirektor Robert Fernández, aber da konnte man ihm noch keine offene Planstelle garantieren. Jetzt zahlt Barcelona mit 105 Millionen Euro und bis zu weiteren 40 Millionen an leistungsabhängigen Bonusprämien den sieben- bis zehnfachen Preis wie 2016 der BVB. Darüber, dass das eigentlich zu viel ist, herrscht Einigkeit im Umfeld. Darüber, dass der Transfer nötig war, allerdings auch. Und die 222 Millionen Euro für Neymar erlaubten die Investition nun mal, zumal Dembélé fürs erste nur die ­Hälfte verdienen wird wie zuletzt der brasilianische Superstar.

„Ich bin nicht hier, um Neymar zu ersetzen“, erklärt Dembélé später auf der Pressekonferenz, „er ist einer der Besten der Welt. Ich stehe noch am Anfang.“ Bei Barca allerdings sind sie überzeugt, den Spieler gefunden zu haben, der Neymar am nächsten kommt. „Er geht in die Tiefe, und diese Qualität fehlte im Kader“, freut sich Trainer ­Ernesto Valverde. „Dembélé gibt uns viele Möglichkeiten.“

Furchtlos im Dribbling

Links wie Neymar, rechts wie Messi, und auch in der Mitte – alle Halbstürmer-Positionen hat Dembélé beim BVB gespielt. Seine Furchtlosigkeit im Dribbling soll das zuletzt depressive Camp Nou mitreißen, und für das bisweilen etwas akademische Spiel Barcas erscheint die Anarchie des beidfüßigen Franzosen in der Tat als richtige Medizin; insofern ersetzt sie vielleicht wirklich die Kunst Neymars. Umgekehrt kann eine so klar strukturierte Mannschaft den taktischen Nachholbedarf des 20-Jährigen zumindest in den ­einfacheren Ligaspielen sicher ­kompensieren. An Trainer Valverde wird es liegen, ihn für die Schlüsselmatches wie schon in zwei Wochen in der Champions League gegen Juventus Turin auch in das Abwehrsystem der Mannschaft einzubinden.

Denn das Privileg zu machen, was er will – das gebührt in Barcelona nur einem: Dembélés „Adaption an das Regime von Messi“ nennt die seriöse „La Vanguardia“ als wesentliche Herausforderung der nächsten Monate.

Dembélé weiß zumindest, was sich zu sagen gehört: „Es ist eine Ehre, an ­seiner Seite zu spielen, er ist der Beste der Welt und der Beste der Geschichte, ich will von ihm lernen.“ Für die weitere Wertevermittlung bekam er in der Umkleidekabine den Spind zwischen den Klubveteranen Andrés Iniesta und Gerard Piqué.

Borussia Dortmund stellt Stürmer Yarmolenko vor

Im Sinne der Erneuerung hoffen sie in Barcelona allerdings auch, dass er nicht gleich allzu unterwürfig wird. Dass diese Gefahr eher gering ist, ­können sie aus Dortmund berichten. Immerhin, rückblickend sucht Dembélé gar nicht erst nach anderen Schuldigen für seinen Trainingsstreik: „Mit der Borussia ist alles immer gut gelaufen, außer am Ende, und das war meine Schuld“, sagte er am Montag und räumte ungeniert sein Erpressungsmanöver ein: „Ich wollte es so, denn sonst wäre es mit dem Wechsel schwierig ­geworden.“

Derweil dreht sich das Transfer­karussell unablässig weiter. Dortmund präsentierte als Nachfolger am Montag den Ukrainer Andrey Yarmolenko (27). Knapp 30 Millionen Euro muss der BVB für den 1,89 Meter großen Stürmer an Zenit St. Petersburg überweisen. Yarmolenko, der 29 Tore in 69 Länderspielen für die Ukraine erzielt hat, unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag. Auch Barca hat noch nicht fertig. Nach wie vor hofft man auf die Verpflichtung von Philippe Coutinho, auch wenn dessen Klub Liverpool sich bisher nicht mal von 150 Millionen Euro Ablöse beeindrucken lässt. Dembélé sagte bei seiner Vorstellung: „Der Markt ist ein bisschen verrückt.“

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