Leichtathletik

Berlin Live  Das Istaf war wieder ein großer Wurf

Foto: Hendrik Schmidt / dpa
Im Olympiastadion sehen 42.500 Besucher zwei Rekorde und vier deutsche Siege. Und der Regierende bekennt sich zur blauen Laufbahn.

Das Hauptprogramm des 76. Istaf im Olympiastadion hatte noch gar nicht begonnen, da konnte sich Meeting-Direktor Martin Seeber schon das erste Mal freuen. Michael Müller (SPD) äußerte sich auf der neuen Bühne über der Laufbahn zur Zukunft. „Die Leichtathletik gehört zu Berlin“, sagte der Regierende Bürgermeister, „sie wird in diesem Stadion bleiben. Sie wird auch in den nächsten Jahrzehnten hier zu finden sein.“ Warme Worte im Wahlkampf vor 42.500 Leichtathletik-Fans. Jene begeisterten sich mindestens genauso für vier deutsche Siege in 15 Wettbewerben, Top-Leistungen vor allem im Speerwurf und 100-Meter-Lauf der Männer, den deutschen Rekord von Gesa Krause über 3000 Meter Hindernis und eine Weltbestzeit der Südafrikanerin Caster Semenya über 600 Meter.

Deutsche 100-Meter-Frauen rennen sogar den USA davon

Die Speerwerfer hatten gleich zu Beginn für ein Highlight gesorgt – mit Happy End für die Deutschen. Weltmeister Johannes Vetter siegte mit 89,85 Metern im fünften Versuch, dem mit Abstand weitesten Wurf des Tages, nur vier Zentimeter weniger als beim WM-Titelgewinn, vor Thomas Röhler (86,07). Der Tscheche Jakub Vadlejch, der noch beim Diamond-League-Finale in Zürich zum Verdruss dieser Beiden gewonnen und 50.000 Dollar Siegprämie eingeheimst hatte, wurde Dritter (85,15). „Der deutsche Speerwurf ist top“, sagte Olympiasieger Röhler. „Es war eine tolle Saison mit einem tollen Abschluss“, ergänzte der deutsche Rekordinhaber Vetter, gab nach anstrengenden Monaten aber auch zu: „Jetzt muss ich erst mal Pause machen, ich bin komplett am Ende.“

Ebenfalls siegreich war Kugelstoßer David Storl (Leipzig/21,11 Meter), der nach der Trennung von Trainer Sven Lang seine Enttäuschung über WM-Platz zehn in London mit seinem dritten Erfolg beim Istaf in Berlin etwas verdrängte. „Nächstes Jahr“, sagte er, „werde ich versuchen, in Berlin meinen vierten EM-Titel zu holen.“ Im 100-Meter-Lauf der Frauen stach Lisa Mayer in persönlicher Bestleistung von 11,14 Sekunden einmal ihre Staffelkollegin Gina Lückenkemper (11,16) aus. Gewonnen haben allerdings beide diese Disziplin nicht, denn im ersten Zeitlauf war Weitsprung- und Staffel-Olympiasiegerin Tianna Bartoletta (USA) in 11,04 Sekunden schneller. Dafür rannte das deutsche Quartett über 4x100 Meter in der Aufstellung Alexandra Burghardt, Mayer, Lückenkemper und Rebekka Haase sogar Olympiasieger USA davon und gewann in 42,17 Sekunden. Wie schnell die blaue Bahn im Olympiastadion ist, zeigte sich im 100-Meter-Lauf der Männer: Dort gewann der Jamaikaner Julian Forte in 9,91 Sekunden vor 200-Meter-Weltmeister Ramil Guliyev aus der Türkei (10,09).

Eine herausragende Vorstellung lieferte auch Konstanze Klosterhalfen ab. Die 20-Jährige aus Winterberg siegte gegen gute internationale Konkurrenz über 1500 Meter in persönlicher Bestzeit von 3:58,92 Minuten. Wie so oft rannte sie auf der letzten Runde ein einsames Rennen, nachdem sie ihre Gegnerinnen abgeschüttelt hatte. In London hätte die Zeit von Berlin sogar zum Gold gereicht. Aber solche Vergleiche hinken, weil jedes Rennen anders läuft. „Ich habe gelernt aus dem, was in London passiert ist“, sagte sie.

Caster Semenya hatte sich vorgenommen, über die selten gelaufenen eineinhalb Stadionrunden die Marke der Kubanerin Ana Fidelia Quirot (1:22,63) zu verbessern. In 1:21,77 Minuten gelang ihr dieses Vorhaben souverän. Da die 600 Meter keine olympische Disziplin sind, spricht man nicht von Weltrekord, sondern von Weltbestzeit. „Ich wollte diesen Rekord unbedingt“, sagte die 26-Jährige, „das liegt an Berlin. Die Unterstützung ist fantastisch.“ Hier hat sie 2009 den ersten WM-Titel über 800 Meter gewonnen – vor zwei Wochen in London hatte sie den zweiten folgen lassen.

Robert Harting gewinnt Duell mit Bruder Christoph

Ein wenig hinter den Erwartungen blieb der Diskuswurf-Wettbewerb. Weder hatte Weltmeister Andrius Gudzius aus Litauen einen guten Tag erwischt noch der WM-Dritte Mason Finley aus den USA. Ein alter Hase schnappte ihnen den Sieg weg – aber es war nicht Robert Harting. Der ponische Ex-Weltmeister Piotr Malachowski, bereits 34 Jahre alt, gewann mit 67,18 Metern.

Auch den vierten Bruder-Vergleich zwischen den Berliner Olympiasiegern Robert und Christoph Harting in diesem Jahr entschied Robert für sich. Christoph kam nicht über 62,83 Meter hinaus und belegte Rang sieben. Der fünfeinhalb Jahre ältere Robert warf zwar 64,59 Meter, war mit Platz fünf jedoch nicht zufrieden. „Es war nicht mein Wettkampf“, sagte er, „mein Körper konnte leider heute nicht auf seine Leistungsfähigkeit zurückgreifen.“ Er fühle sich sonst aber wohl, „es tut nichts weh. Ich bin an den Jungs dran. Nächstes Jahr bei der EM will ich um eine Medaille mitwerfen.“ Dafür und insgesamt für die Europameisterschaften war das 76. Istaf eine Veranstaltung, die große Vorfreude weckte.

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