Gegen Bielefeld

Berlin Live  Union schafft zu Hause nur ein Unentschieden

Marcel Hartel (l.) bejubelt mit  Simon Hedlund und Sebastian Polter den Ausgleichstreffer
Marcel Hartel (l.) bejubelt mit Simon Hedlund und Sebastian Polter den Ausgleichstreffer
Foto: dpa
Nach einem Abwehrfehler konnte Union gegen Bielefeld nur noch ausgleichen. Neuzugang Uchida blieb auf der Bank.

Das Spiel war schon eine Weile beendet, da fuhr ein Krankenwagen mit Blaulicht vor die Kabine des 1. FC Union. So dicht es ging, um den auf dem Heimweg befindlichen Zuschauern wenig Sicht zu bieten. Trotzdem war zu erkennen, dass es Sebastian Polter nicht gut ging. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag er auf der Trage, erhielt eine Infusion und wurde anschließend mit Sirenengeheul ins Krankenhaus gefahren.

Auf dem Platz hatte sich der Stürmer des Berliner Fußball-Zweitligisten zuvor beim 1:1 (0:0) gegen Arminia Bielefeld noch durchgekämpft. Sicher schon mit Schmerzen, denn Polters Körper wurde viel gefordert. Nach einem heftigen Zusammenprall in der 58. Minute musste er bereits länger behandelt werden, hielt sich Rücken und Nacken. Die Szene wertete Schiedsrichter Christian Dietz (München) dennoch mit einem Freistoß für den Gegner. „Jede Aktion, die Polter hat, wird gegen ihn gepfiffen. Man muss mal schauen, ob das immer alles so korrekt ist“, erregte sich Union-Trainer Jens Keller, der den Sonntag mit gemischten Gefühlen erlebte.

Wegen Polter auf der einen Seite, wegen des Schiedsrichters, wegen der Spielweise seiner Mannschaft am Ende. „Ich war sauer, weil das nicht unser Spiel ist. Das ist nicht das, was wir wollen“, zürnte der Trainer. Ab der 85. Minute hatte sich das Team eigenständig eine neue Taktik auferlegt, wollte die tief stehenden Bielefelder nur noch mit hohen und langen Bällen bezwingen. Das funktionierte nicht, es führte eher dazu, dass Arminia die Partie gut über die Runden bekam.

Hartel erzielt seinen ersten Treffer für die Berliner

Auf der anderen Seite sah Trainer Keller viel Gutes bis zu dieser 85. Minute: „Wir waren klar die bessere Mannschaft, hatten unzählige Torchancen, wir haben genügend Gefahr ausgestrahlt.“ Gegen einen sehr defensiv eingestellten Kontrahenten hatten die Berliner in vielen Statistiken die Nase vorn. Dennoch reichte es nicht für einen Sieg, so dass die Enttäuschung schließlich überwog. „Es war ein hartes Spiel. Wir haben zwei Punkte verloren“, sagte Angreifer Steven Skrzybski, der vor der Partie als Unioner des Jahres der vergangenen Spielzeit gekürt worden war.

Skrzybski hatte schon kurz nach Spielbeginn die erste Chance für Union. Die Berliner waren von Keller diesmal in einer offensiveren Grundordnung auf den Platz geschickt worden. Sechser Stephan Fürstner musste auf die Bank, dafür kam Marcel Hartel ins Team und agierte als hängende Spitze. Damir Kreilach übernahm den defensiven Part von Fürstner. Dieser Plan ging gut auf, Union bestimmte die Partie. Ein Distanzschuss von Brian Behrendt hätte dennoch zum Rückstand führen können, der Ball klatschte an die Latte (31.).

Unmittelbar nach der Pause traf das Unerwartete tatsächlich ein. Fabian Schönheim, für den verletzten Toni Leistner in die Innenverteidigung gerückt, brachte Kreilach mit einem schwachen Pass in Bedrängnis, Bielefeld konnte den Ball erobern, und Andreas Voglsammer erzielte aus kurzer Distanz das 0:1 (46.). „Durch einen dummen Stellungsfehler haben wir uns das Tor quasi selbst eingeschenkt“, sagte Keller. Das führte zu einer turbulenten Anfangsphase in der zweiten Hälfte mit einigen guten Gelegenheiten für Union. „Wir haben Fußball gespielt und das gemacht, was wir wollten, wir sind nicht hektisch geworden“, sagte Hartel, der schließlich den Ausgleich erzielte (55.). Aus sechs Metern drosch er den Ball mit dem Außenrist ins Netz, es war der erste Treffer des Zugangs.

Für die Köpenicker hätte es nicht der einzige bleiben müssen, Schönheim kam nach einer Ecke frei zum Kopfball (60.). Kreilach traf mit einem Schuss aus 20 Metern die Latte (75.). Dann verlor sich die Gefahr der Berliner, bei denen der jüngst verpflichtete Japaner Atsuto Uchida auf der Bank saß, langsam in zu vielen langen Bällen.

Beide Mannschaften blieben damit auch am vierten Spieltag der Zweiten Liga ungeschlagen. Bielefeld gab sogar erstmals Zähler ab und rangiert auf Platz drei, gefolgt von den Berlinern auf vier. „Das ist ordentlich“, sagte Union-Verteidiger Marc Torrejon. Nun folgt die Länderspielpause, in der die Köpenicker eine Testpartie absolvieren. Und zwar am kommenden Sonnabend beim Abschiedsspiel der einstigen Helden Karim Benyamina und Torsten Mattuschka. Allerdings wohl ohne Polter.

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