Brendel mit drittem Gold

Berlin Live  Deutsche Festspiele bei Kanu-WM in Tschechien

Der Canadier-Vierer mit Conrad Scheibner, Stefan Kiraj, Sebastian Brendel und Jan Vandrey jubelt über den Sieg.
Der Canadier-Vierer mit Conrad Scheibner, Stefan Kiraj, Sebastian Brendel und Jan Vandrey jubelt über den Sieg.
Foto: dpa
Die deutschen Kanuten dominieren bei den Weltmeisterschaften in Racice. Und das im nach-olympischen Jahr. Dabei nahmen sich nach den Olympischen Spielen in Rio fast alle Top-Athleten eine Auszeit.

Racice/Tschechien. Die deutschen Kanuten konnten sich bei den Weltmeisterschaften auf ihre Spurtqualitäten verlassen und erlebten in Racice als erfolgreichste Nation wahre Festspiele. Auffällig: Fast alle deutschen Medaillen wurden dank starker Endspurts erkämpft.

"Generell ist es so, dass wir ein sehr gutes Grundlagen-Niveau haben und hintenraus noch richtig was draufpacken können", bilanzierte Sportdirektor Jens Kahl am Sonntag nach insgesamt sechs WM-Titeln, vier Silbermedaillen und einer Bronzeplakette. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 kündigte er für 2018 "eine Durststrecke an. Da werden wir nicht so eine erfolgreiche WM haben. Wir brauchen mehr Grundlagentraining".

Als König von Racice krönte sich Sebastian Brendel. Der 29-Jährige bezwang auf seiner Paradestrecke über 1000 Meter im Canadier-Einer erneut den Tschechen Martin Fuksa und schaffte nach 2014 und 2015 den WM-Hattrick. Am Sonntag legte er mit Gold im nicht-olympischen Canadier-Vierer seinem zweiten WM-Titel nach. Mit Conrad Scheibner, Stefan Kiraj, und Jan Vandrey war der Potsdamer im Schlussspurt nach 1000 Metern erneut nicht zu bezwingen.

"Ein schönes Gefühl, mit einem Mannschaftsboot Medaillen zu feiern", sagte Brendel, der dann zum Abschluss über die 5000 Meter sein drittes Gold holte. Silber über diese Distanz holten zum Abschluss die Kajakeiner mit Tabea Medert aus Potsdam und Max Hoff.

Mit viel Raffinesse fuhr der Canadier-Zweier über 1000 Meter mit Yul Oeltze und Peter Kretschmer zu Gold. Die Europameister, die sich in der internen Qualifikation gegen die Olympiasieger Brendel/Vandrey durchgesetzt hatten, bezwangen erst auf den letzten Metern die Kubaner Serguey Torres und Fernando Jorge.

Sie hatten gepokert. "Wir wollten unbedingt auf eine Außenbahn", meinte der Leipziger Kretschmer. "Eine taktische Meisterleistung von den beiden, dass sie über die Vorläufe auf eine Außenbahn kommen, weg von den Favoriten, damit sie ihr eigenes Rennen fahren können", lobte Kahl.

Dabei verließen sich Oeltze und Kretschmer auf ihre Kräfte. "Wir hatten Selbstvertrauen und genug Arroganz im Rennen, um das hier auszuspielen", sagte der Magdeburger Oeltze. Kretschmer fügte an: "Wir haben gehofft, dass die anderen dann einbrechen."

Die erste Medaille mit Bronze am Sonntag hatte der Kajak-Vierer mit Tamas Gecsö, Lukas Reuschenbach, Kostja Stroinski und Kai Spenner im bis 2016 in Rio de Janeiro noch olympischen Wettbewerb über 1000 Meter geholt.

Dann kam die Stunde des Kajak-Vierers in der ab Tokio 2020 neuen olympischen Disziplin über 500 Meter. Max Rendschmidt, Tom Liebscher sowie Ronald Rauhe und Max Lemke sicherten sich den Titel vor Spanien und Tschechien.

Bereits am Samstag hatte Liebscher mit einem beherzten Schlussspurt überraschend Gold im Kajak-Einer über 1000 Meter gewonnen. "Ich hatte noch Körner", meinte der 24-Jährige. "Die Trainer wollten viel mehr über die Renntaktik reden als ich. Ich hab sie mir lieber mit ins Bett genommen und mir mein Teil gedacht."

Zweimal Silber gab es für die Olympia-Zweiten Franziska Weber und Tina Dietze: Erst im Kajak-Zweier über 500 Meter, dann am Sonntag im Vierer mit Sabrina Hering und Steffi Kriegerstein hinter den Olympiasiegerinnen aus Ungarn.

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