Hertha BSC

Berlin Live  Haraguchi vor dem Absprung, bei Stocker stockt es

Bald nicht mehr in Blau-Weiß? Genki Haraguchi (l.) und Valentin Stocker möchte Hertha BSC gern noch abgeben
Bald nicht mehr in Blau-Weiß? Genki Haraguchi (l.) und Valentin Stocker möchte Hertha BSC gern noch abgeben
Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon
Auf dem Transfermarkt hat der Endspurt begonnen. Barcelona macht bei Dortmunds Dembélé Ernst. Und auch bei Hertha tut sich etwas.

Berlin.  Die ganze Aufregung lässt sich jetzt auch grafisch illustrieren. Den Seismographen zur Messung der Hysterie findet man, wenn man bei Google „BVB Aktie“ eintippt. Dann öffnet sich vor einem ein Diagramm zur Preisentwicklung des Wertpapiers der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Dienstagmittag rauschte plötzlich die Kurve nach oben und erreichte den höchsten Wert seit Ausgabe der Aktie 2002: 6,96 Euro pro Stück. Das hatte mit einem schmalschultrigen Jungen zu tun und einer neuerlichen Offerte für ihn in unverschämter Höhe.

Die „L’Equipe“ hatte am Morgen berichtet, dass der FC Barcelona auf der Suche nach einem Neymar-Nachfolger ein zweites Angebot für Ousmane Dembélé (20) beim BVB abgegeben habe. Die zunächst angebotenen 90 Millionen sollen auf 130 Millionen Euro nachgebessert worden sein.

Wenn die Vereine ihre Spieler nicht rausrücken

Derartige Summen können Anlegerherzen höher schlagen lassen, auch wenn noch nicht feststeht, ob sich der BVB bewegen lässt. Dort heißt es, ein neues Angebot sei nicht eingetroffen. Man will Barca ein Ultimatum bis zum Wochenende setzen. Der Endspurt hat damit begonnen auf dem Transfermarkt, auf dem nur noch neun Tage bis zum 31. August (in Deutschland und England, in Spanien ist das Transferfenster noch einen Tag länger offen) Geschäfte gemacht werden können. Dort wurde in diesem Sommer mit Megasummen hantiert, und wir beobachten bisher ein Phänomen: Vereine verweigern die Herausgabe von Profis trotz monströser Angebote und gegen den ausdrücklichen Spielerwunsch.

Neben dem BVB zeigt sich auch der FC Liverpool wenig beweglich im Falle des Brasilianers Philippe Coutinho (25). Barcelona hatte drei Angebote für den Mittelfeldspieler abgegeben – zuletzt eines über 130 Millionen Euro. Liverpools Trainer-Manager Jürgen Klopp lehnte ab, obwohl der Spieler weg wollte. „Geld haben viele Vereine im Moment, was wir brauchen, sind gute Spieler“, sagte Klopp. Gleiches Bild in Monaco, wo Kylian Mbappé (18) gern zu Paris St. Germain wechseln würde, AS Monaco wohl aber sogar eine Offerte von 180 Millionen Euro ausschlug. Das große Transferdomino, ausgelöst durch den 222 Millionen Euro schweren Stein Neymar, könnte jedoch in den nächsten neun Tagen noch einige Standpunkte umstoßen.

Die Bundesliga steuert auf einen Rekord zu

Schon jetzt wurde in Europa mächtig tief in die Tasche gegriffen. Die englischen Klubs gaben 1,26 Milliarden Euro für 211 neue Spieler aus – was der Höchstmarke von 1,38 Milliarden aus dem Vorjahr nahe kommt. Auf Platz zwei folgt Italien mit rund 820 Millionen Euro. In der Bundesliga ist der nächste Transferrekord möglich: Bisher wurden 502 Millionen Euro für 207 Spieler ausgegeben. Der Höchstwert von 2016 steht bei 544 Millionen Euro. Der Sommerschlussverkauf beginnt aber erst jetzt. Und falls noch jemand fragen sollte, wo die Reise hingeht: Vor fünf Jahren investierten die 18 Bundesligaklubs zusammen noch weniger als die Hälfte (249 Millionen Euro).

Auch bei Hertha BSC tut sich etwas, und hier passt der Begriff Sommerschlussverkauf besser. Denn die Berliner wollen in erster Linie nicht mehr ein-, sondern verkaufen, und das Spieler, die sich bisher keiner allzu großen Nachfrage erfreuten. Die Mittelfeldakteure Genki Haraguchi (26) und Valentin Stocker (28) stehen im Schaufenster – aber die Situationen bei beiden gestalten sich unterschiedlich. Haraguchi, bei dem Hertha Mitte Mai ein Angebot zur Vertragsverlängerung nach einer Hängepartie zurückgezogen hatte, hat zwei, drei Interessenten. Im Ausland, aber auch in der Bundesliga. Ein Wechsel in den nächsten Tagen ist wahrscheinlich, auch wenn Hertha-Manager Michael Preetz sagt: „Bei uns gibt es im Moment keine Angebote.“

Der in Ungnade gefallene Kurt wird wohl bleiben

Bei Stocker ist die Lage verzwickter. Der Schweizer stand anders als Haraguchi weder im Pokal-Spiel gegen Rostock (2:0 n.V.) noch zum Saisonauftakt gegen Stuttgart (2:0) im Kader. Herthas Trainer Pal Dardai plant nicht mehr mit dem Offensivallrounder. Für ihn aber interessiert sich bisher konkret nur sein Ex-Klub FC Basel, wo Stockers ehemaliger Mitspieler und Freund Marco Streller Sportdirektor ist. Ein formuliertes Interesse von Celtic Glasgow, wie andernorts berichtet wurde, gab es nie. Für den in Berlin mit seiner Situation unzufriedenen Stocker aber ist eine Rückkehr nach Basel, wo er achteinhalb Jahre spielte, nur die Ultima Ratio – die letzte mögliche Lösung. Neun Tage sind noch Zeit, um für ihn eine bessere zu finden.

In diesem Sommer wohl nicht abgeben wird Hertha den in Ungnade gefallenen Sinan Kurt, dem Dardai fehlende Professionalität vorwirft. „Es ist unsere Aufgabe, Sinan den Weg zu weisen, sein fraglos großes Talent abzurufen“, sagt Preetz. Sollte er noch Haraguchi und Stocker verkaufen, ist nicht ausgeschlossen, dass sogar ein weiterer Spieler kommt. Auf der Zehnerposition hätte Hertha noch Bedarf.

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