Flüchtlinge ausgezogen

Berlin Live  Viele Berliner Sporthallen bleiben unbenutzbar

In der Carola-Neher-Sporthalle in Hellersdorf können Kinder nach Auszug der Flüchtlinge wieder Fußball spielen
In der Carola-Neher-Sporthalle in Hellersdorf können Kinder nach Auszug der Flüchtlinge wieder Fußball spielen
Foto: DAVIDS/Darmer
Die Flüchtlinge haben die 63 Turnhallen verlassen. Doch bis zum neuen Schuljahr wird nur ein Drittel davon saniert sein.

Berlin hat nach den Sommerferien ein Turnhallen-Problem. Der Grund: Die meisten der 63 Sporthallen, die eineinhalb Jahre von Flüchtlingen als Unterkünfte belegt waren, werden wohl auch zu Beginn des neuen Schuljahres den Schülern und Vereinen noch nicht zur Verfügung stehen, weil die notwendigen Sanierungsarbeiten noch nicht durchgeführt worden sind. In wenigen Fällen müssen die Schulen offenbar sogar ein ganzes weiteres Schuljahr auf den Sportunterricht in der Halle verzichten.

Betroffen davon sind auch die mehr als 400 Kinder an der Reginhard-Grundschule in Reinickendorf. Die Schule nutzt normalerweise gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Oberstufenzentrum Georg Schlesinger eine große Sporthalle. Im März sind dort die Flüchtlinge ausgezogen. Für den Sportunterricht kann die Halle dennoch bis heute nicht genutzt werden. Bis jetzt ist der Auftrag für die nötigen Sanierungsarbeiten noch nicht einmal ausgeschrieben. „Schon jetzt steht fest, dass wir noch ein weiteres Jahr auf die Halle verzichten müssen, weil so schnell gar keine Firmen verfügbar sind, die die Arbeiten übernehmen könnten“, sagte Antje Mikolajski der Berliner Morgenpost.

Die Sportlehrer der Grundschule seien sehr engagiert und erfinderisch. Bei schlechtem Wetter gebe es bewegte Stunden im Klassenraum. Die Kinder machen Liegestütze an den Schulbänken oder üben Motorik mit Tischtennisbällen. Sehr aktiv nutzten sie auch das Bündnis eversport.de. Schulen, deren Turnhallen belegt waren, durften Freizeitsporteinrichtungen in der Umgebung besuchen, wie etwa die Jump­halle in Reinickendorf. Die Berlin Senatsverwaltung für Bildung gab dafür pro Klasse 500 Euro dazu. Doch das Projekt läuft mit diesem Schuljahr aus und wird darüber hinaus auch nicht verlängert. „Alle Sporthallen sind ja inzwischen wieder frei gezogen, damit entfällt der Grund dafür“, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung.

Doch das stimmt nicht ganz. Zwar sind die Geflüchteten wie angekündigt seit Ende März alle ausgezogen, doch die Reparaturen an den Hallen ziehen sich länger hin als geplant. Das ursprüngliche Ziel, dass die Gebäude alle ab September wieder intakt sind, ist nicht mehr zu erreichen.

In zwei Hallen läuft erst das Ausschreibungsverfahren

Allein von den zwölf Hallen der zentral verwalteten Oberstufenzentren, die in der Hand der Landesgesellschaft Berliner Immobilien Management (BIM) liegen, können nur zwei rechtzeitig zum neuen Schuljahr öffnen. Sieben weitere sollen dann aber wenige Wochen später oder bis zum Halbjahr öffnen. Bei zwei Hallen läuft nach Angaben der BIM derzeit erst das Ausschreibungsverfahren. Hier werde es aller Voraussicht nach erst im Schuljahr 2018/19 zu einer Fertigstellung kommen.

Die Gründe für die Verzögerungen sind vielfältig. Größtes Hemmnis ist offenbar der Mangel an Planungsfachkräften und an ausführenden Handwerkern. „Bei mehreren Sporthallen führen wir im Zuge der Sanierungsarbeiten zusätzliche Maßnahmen aus, die nicht im Zusammenhang mit der Zwischennutzung stehen. Hier gab es auch schon vorher Mängel, die nun behoben werden“, erklärte zudem Johanna Steinke von der BIM. Das habe zusätzlich zu längeren Planungszeiten geführt.

Derzeit sei es aber auch schwierig, Planungsbüros für die Durchführung der Sanierungsarbeiten zu finden. Zudem seien die Abläufe im öffentlichen Vergaberecht sehr langwierig. Wenn kein Angebot eingeht oder die Angebote nicht wirtschaftlich sind, müssten die Verfahren zum Teil wiederholt werden. Und bei Firmen der Gebäudeausrüstung, wie sie hier benötigt werden, sei die Auftragslage zu Zeit sehr gut, so dass sie nicht so schnell agieren können, wie es zu wünschen wäre, sagte Steinke. Auch aus den Rückmeldungen der Bauämter der Bezirke sei ihr bekannt, dass einige Firmen von vornherein erst Ausführungstermine ab dem zweiten Quartal 2018 anbieten würden.

Auch die Sportvereine hatten sich mehr Tempo erhofft. „Wir hätten uns gewünscht, dass alle Hallen zu Beginn des Schuljahres wieder sportfähig sind“, sagte David Kozlowski, zuständig für die Infrastruktur beim Landessportbund. „Nun gehen wir davon aus, dass ein Drittel bis die Hälfte der Hallen bis zum Schulstart tatsächlich fertig sind und erwarten, dass bis zum Ende des ersten Halbjahres dann alle wieder am Netz sind“, sagte Kozlowski.

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