Urteil

Berlin Live  Knapp drei Jahre Haft für Berliner U-Bahn-Treter

Der Angeklagte Swetoslaw S.
Der Angeklagte Swetoslaw S.
Foto: Paul Zinken / dpa
In einem Gutachten wurde dem Täter verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Die Strafe blieb unter der Forderung des Staatsanwaltes.

Nach dem brutalen Fußtritt gegen eine junge Frau auf einer Berliner U-Bahn-Treppe muss der Angreifer für zwei Jahre und elf Monate ins Gefängnis. Das Berliner Landgericht sah es in seinem Urteil vom Donnerstag als erwiesen an, dass der 28-Jährige im Oktober 2016 die Studentin mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken die Treppe im U-Bahnhof Hermannstraße in Neukölln heruntergetreten hatte.

Nach einem psychiatrischen Gutachten soll der Täter mit großer Wahrscheinlichkeit nicht voll schuldfähig sein. Der Experte erklärte am Donnerstag vor dem Landgericht, eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit des 28-Jährigen sei nicht auszuschließen. Mehrere Faktoren wie eine bei dem Angeklagten vorliegende hirnorganische Störung nach einem Autounfall vor einigen Jahren sowie ein Missbrauch von Alkohol und Drogen hätten zu der Diagnose geführt. Die Kammer folgte bei der Urteilsfindung der Einschätzung des Sachverständigen.

Verteidigung plädierte für Bewährungsstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten gefordert. Der 28-jährige Angreifer habe sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer am Donnerstag. Unvermittelt habe der Mann angegriffen - an einem öffentlichen Ort, an dem man sich solche Verbrechen nicht vorstellen könne - „ein unfassbarer Sturz voll auf das Gesicht“, sagte die Staatsanwältin. Die Tat habe das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinträchtigt. Die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert.

Die junge Frau erlitt einen Armbruch und eine Platzwunde am Kopf. Im Prozess hatte sie ausgesagt, sie habe monatelang unter dem Geschehen gelitten. In der ersten Zeit habe sie den Kontakt zur Außenwelt gemieden

Der Angriff im Oktober 2016 im U-Bahnhof Hermannstraße im Bezirk Neukölln hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Der aus Bulgarien stammenden Angeklagten hatte im Prozess gestanden und um Entschuldigung gebeten. Bei der Tat will er berauscht gewesen sein.

Prozess gegen Berliner U-Bahn-Treter startet

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