Videoüberwachung

Berlin Live  Polizei sucht Freiwillige für Video-Testlauf am Südkreuz

Der Bahnhof Südkreuz
Der Bahnhof Südkreuz
Foto: Peter Kneffel / dpa
Am 1. August startet in einem von Berlins größten Bahnhöfen Pilotprojekt mit intelligenter Videotechnik am Bahnhof.

Die Bundespolizei sucht ab diesem Montag am Bahnhof Südkreuz nach Berufspendlern, die freiwillig bei einer Testphase zur Erprobung intelligenter Videotechnik mitmachen wollen. Das teilte die Bundespolizei am Sonntag mit. Am 1. August startet an einem von Berlins größten Bahnhöfen ein Pilotprojekt mit neuartiger Video-Software zur Gesichtserkennung.

Die Beamten der Bundespolizei werden die gesamte Woche in den Morgen- und frühen Abendstunden auf Berufspendler zugehen und um Unterstützung für den Test werben. Mit diesen Probanden soll die Technik dann das erste Mal einem Härtetest unterzogen und in Echtzeit ausprobiert werden. Dieser Versuch soll bis zu sechs Monate dauern und ist Teil des Projekts Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz von Bundesinnenministerium, Deutscher Bahn, Bundespolizei und Bundeskriminalamt.

Die Berufspendler sollen biometrisch erfasst und die Daten während der Testphase ausgewertet werden. Die Technik an sich ist nicht neu und kommt etwa so ähnlich in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram zum Einsatz. Dort können Personen auf Fotos oder Videos auch anhand von Daten softwaregesteuert erkannt werden.

Die Sicherheitsbehörden sagen schon länger, dass die Gesichtserkennung die Arbeit bei der Gefahrenabwehr extrem erleichtern würde. Ein aktuelles Beispiel war der Fall des Syrers Dschaber al-Bakr, der sich im Oktober vergangenen Jahres in einer Gefängniszelle in Leipzig erhängt hatte. Al-Bakr stand im Verdacht, ein Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sein und einen Terroranschlag in Berlin verüben zu wollen. Die Ermittler wussten, dass er den Flughafen Tegel ausgekundschaftet hatte. Im Nachhinein wurden Dutzende Stunden an Videomaterial per Hand von erfahrenen Analysten gesichtet, bis man al-Bakr bei seiner Erkundungstour am Flughafen entdeckte. „Mit einer softwaregesteuerten Suchfunktion wäre das eine Sache von wenigen Minuten gewesen“, sagt ein mit dem Fall betrauter Polizist.

Neue Kameratechnik soll Gefahrensituationen erkennen

Die neue Kameratechnik am Südkreuz soll aber noch mehr können. Sie soll beispielsweise auch softwaregesteuert Gefahrensituationen erkennen. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn ein Gepäckstück länger nicht bewegt wird oder eine Person auffällig häufig eine Treppe auf und ab geht, wie es etwa Taschendiebe tun. Aber auch in der Graffiti-Bekämpfung erhoffen sich die Sicherheits­experten Fortschritte. Die intelligente Videotechnik soll beispielsweise erkennen, wenn sich die Struktur einer Wand verändert. Die Technik, mit der das Vorhaben umgesetzt werden soll, kommt aus der Autobranche. Derzeit gibt es am Bahnhof Südkreuz etwa 80 Videokameras.

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Projektes hatte es Kritik von Datenschützern gehagelt. Der Einsatz von Videokameras mit Gesichtserkennung sei hochproblematisch, hatte etwa die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk bitgeteilt. Diese Technik könne „die Freiheit, sich in der Öffentlichkeit anonym zu bewegen, gänzlich zerstören“, so die Befürchtung der Datenschützerin.

In Berlin gibt es 14.765 Überwachungskameras

Der Bahnhof Südkreuz gilt bei Sicherheitsexperten wiederum als idealer Bahnhof, um ein solches Pilotprojekt zu testen. Der Bahnhof ist modern und technisch auf einem hervorragenden Stand. Außerdem kommen hier viele verschiedene Menschenströme – von Fernverkehr bis Nahverkehr – zusammen. Gleichzeitig ist der Bahnhof Südkreuz aber nicht so stark überlaufen wie etwa der Hauptbahnhof, wo die Menschenmassen die neue Technik womöglich überfordern würden.

Allein die Bahn hat in Berlin an ihren Bahnhöfen etwa 1000 Kameras, die wenige Mitarbeiter im Blick haben müssen. In Berlin gibt es laut Innenverwaltung 14.765 Überwachungskameras, viele davon vor allem im öffentlichen Nahverkehr. Private Kameras sind in dieser Auflistung nicht mitgezählt. Experten gehen dort von einer Zahl im unteren sechsstelligen Bereich aus.

Informationen zu dem Testlauf gibt es hier.

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