Herthas EM-Hoffnung

Berlin Live  Davie Selke - Bereit für den großen Augenblick

Foto: Markus Gilliar / picture alliance / GES/Markus Gi
Hertha-Zugang Davie Selke soll die deutsche U21 zum EM-Titel schießen. Zwei weitere Berliner zählen ebenfalls zu den Hoffnungsträgern.

Berlin.  Nun bekommt er sie also, die große Bühne, die er zuletzt meist nur vom Rand beobachten durfte. Im Sturm-und-Drang-Ensemble von RB Leipzig hatte sich Davie Selke (22) in der abgelaufenen Saison ja mit einem Statistendasein begnügen müssen, was ihn zu einem Wechsel zu Hertha bewegte. Aus der zweiten Reihe hofft sich Selke damit verabschiedet zu haben. Er will eine Hauptrolle – künftig in Berlin, vorerst aber bei der Freitag beginnenden U21-EM in Polen (16. bis 30. Juni).

Stefan Kuntz kann es kaum erwarten, seinen Stürmer ins Rampenlicht zu schicken. „Man kann sich vorstellen, was sich in dem Jungen angestaut hat“, sagt der Nationaltrainer, „da muss man nur den Korken ziehen.“

Kuntz (54), einst selbst einer der Top-Angreifer des Landes, macht kein Geheimnis daraus, wie sehr er Selkes eher klassische Interpretation des Mittelstürmers schätzt. „Davie schießt das 1:0, nimmt den Ball wieder aus dem Tor und legt ihn auf den Mittelpunkt, weil er noch ein zweites schießen will“, schwärmt der Europameister von 1996, „das ist das, was du als Trainer haben willst.“ Schon in der Qualifikation hatte Selke zuverlässig geliefert, traf in sieben Spielen sieben Mal. Deutschland sicherte sich das EM-Ticket ohne einen einzigen Punktverlust.

Niklas Stark gewann mit Selke schon die U19-EM

Auch wenn ihm in den drei Freundschaftsspielen, die er seit November im DFB-Dress gemacht hat, kein weiteres Tor gelingen wollte: Die Trips zum Nationalteam hatten für Selke immer auch Therapie-Charakter. Anders als in Leipzig, wo er sich in 21 Bundesligaspielen 19 Mal mit der Joker-Rolle abfinden musste, spielte Selke bei Kuntz: immer.

„Davie ist ein Mentalitätsmonster“, sagt der DFB-Coach, und zwar eines mit unbändigem „Erfolgshunger“. Jenen hat Selke nicht zuletzt vor drei Jahren bewiesen, als er mit der U19 den EM-Titel holte und sich im Vorbeigehen auch die Torschützenkrone aufsetzte (sechs Treffer).

Was es zu einer erfolgreichen Titeljagd braucht, weiß auch sein damaliger DFB- und künftiger Klub-Kollege. „Ich hab’ erlebt, wie geil es ist, so ein Turnier zu gewinnen“, sagt Herthas Niklas Stark (22), der den EM-Pokal 2014 als Kapitän entgegennahm. Nun soll auch er wieder einen zentralen Platz im Ensemble einnehmen.

Mitchell Weiser will voll angreifen

In den Proben hakte es jedoch noch. Der rechte Fuß – die Überlastungsreaktion, die ihn zum Saisonende um sechs Spiele gebracht hatte, hielt sich hartnäckiger als erhofft. In Absprache mit Hertha hob Stark trotzdem den Daumen für Polen. Er weiß: Eine U21-EM spielt man nur einmal. Dass er im Sommer 2016 die Olympischen Spiele verpasst hatte, weil Hertha ihn für die Europa-League-Qualifikation brauchte, war bitter genug.

Der dritte Berliner in Kuntz’ Auswahl, Mitchell Weiser (23), musste dieses Schicksal mit Stark teilen. Während Selke, Serge Gnabry und Co. für ihre Darbietung in Rio Silber und Applaus erhielten, erntete die Hertha-Fraktion für das Scheitern gegen Bröndby IF Pfiffe.

Weiser gelang es jedoch, den Frust in Ehrgeiz und Energie umzuwandeln. Bis zum zehnten Spieltag zählte er zu den auffälligsten Akteuren der Liga, spielte sich in den Kandidatenkreis von Bundestrainer Joachim Löw. Dann schlug das Verletzungspech zu. Ein irritierter Nerv, der Rücken, der Oberschenkel – Weiser verpasste insgesamt 17 Spiele. Dafür ist er nun womöglich ausgeruhter als viele andere. Der Außenbahnspieler wird darauf brennen, der EM seinen Stempel aufzudrücken.

Wechsel in die Hauptstadt lag auch an Bundestrainer Löw

Das gilt auch für Selke. Der Angreifer hat auf Attacke geschaltet, nicht nur in der Nationalelf, sondern auch mit seinem Wechsel zu Hertha. „Ich wollte zu einem Verein, der hinter mir steht, bei dem ich deutlich mehr Spielzeit bekommen kann“, sagt er – und ist „sehr, sehr froh, dass es mit Hertha geklappt hat“. Dass er einem „großen Interesse“ aus England widerstand, lag auch an der Tatsache, dass er im Blickfeld von Löw bleiben wollte. „Ja“, gibt er zu, „das ist auch so ein kleiner Punkt.“

Ein kleiner Punkt, hinter dem sich eine große Vision verbirgt: die, eines Tages Pokale mit der A-Nationalmannschaft zu gewinnen – so wie die Neuers, Özils und Boatengs, die fünf Jahre vor dem WM-Coup 2014 den EM-Titel mit der U21 gewannen.

„Als Deutschland kannst du nicht sagen, wir wollen nur die Gruppenphase überstehen“, betont Stark. Selke träumt schon vom Finale: „Wenn ich das Siegtor machen würde, da würde ich komplett ausrasten.“ Viele würden es ihm gleichtun – vor allem in Berlin.

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