Tischtennis-WM

Berlin Live  Gäb: „Das ist eine Schande für Deutschland“

Ma Long (r, China) und Fan Zhendong (l, China) zeigen, wer beim Tischtennis das Sagen hat
Ma Long (r, China) und Fan Zhendong (l, China) zeigen, wer beim Tischtennis das Sagen hat
Foto: Jonas Güttler / dpa
China hamstert vier von fünf Titeln bei der Tischtennis-WM in Düsseldorf. Kritik an deutschen Politikern. Eine Medaille für den DTTB.

Düsseldorf.  Für einen Moment war es wie 1989. Bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft in Düsseldorf betraten Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner die Halle. Sie hielten den Pokal der Doppel-Weltmeister in Händen. Doch anders als beim Triumph damals in Dortmund reckten sie die Trophäe nicht als Sieger in die Höhe, der Bundestrainer und sein früherer Doppelpartner präsentierten nur den Pokal, den die Chinesen Fan Zhendong und Xu Xin gewannen.

So ging die Heim-WM zwar vor fast immer vollem Haus, aber ohne deutsche Weltmeister zu Ende. Weder reichte die starke Leistung von Timo Boll, noch gelang das Projekt der deutsch-chinesischen Doppel. Im Einzel war für Boll im Viertelfinale Schluss – mit 2:4 gegen seinen Doppelpartner, den alten und neuen Weltmeister Ma Long. Mit ihm hatte Boll im Doppel schon im Achtelfinale mit 1:4 verloren – gegen die späteren Weltmeister.

Nur im Mixed dominieren andere

Petrissa Solja sorgte im (nichtolympischen) Mixed mit Fang Bo zwar für eine deutsche Medaille, doch ihr Ziel war Gold, nicht Bronze – denn es war der einzige von fünf Titeln, der nicht nach China ging. Auch das frühe Aus in Einzel und Doppel hatte die Spielerin des TTC Eastside so nicht geplant. Bundestrainerin Jie Schöpp fand klare Worte: „Peti weiß, dass sie noch mehr für ihre Fitness und Kondition tun könnte. Dann verpackt sie die Anstrengung von drei Disziplinen besser.“

Nichts von alledem sahen Vertreter der Bundesregierung. Hans Wilhelm Gäb, Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB): „Das ist eine Schande für Deutschland als Gastgeber. Der größte Sportverband der Welt ist mit der größten Hallen-Sportveranstaltung der Welt in Deutschland zu Gast – und aus Berlin lässt sich nicht einmal ein Staatssekretär geschweige ein Minister sehen.“

Zielvorgabe beim DTTB erfüllt

Mit einer WM-Medaille wurde die Vorgabe zwar erfüllt. Doch wie steht es ums deutsche Tischtennis? Timo Boll ist der Star, aber schon 36. Seine alte Stärke reicht gegen Chinas neue nicht. Zwar sagt der frühere Weltranglisten-Erste (inzwischen Nr. 8), dass er noch einige Jahre auf Spitzenniveau spielen will, doch ein Karriereende ist absehbar. Dem Olympiadritten Dimitrij Ovtcharov (28) fehlt das Talent eines Boll. Bei der WM schied Ovtcharov im Achtelfinale nach einer 3:4-Niederlage gegen den Japaner Koki Niwa aus. Roßkopf: „Er ist unser Mann der Zukunft.“

Nur: Bei der WM kam der 13-jährige Japaner Tomokazu Harimoto bereits ins Viertelfinale. „Die Entwicklungen in Europa und Asien sind verschieden“, sagt Sportdirektor Richard Prause. „In China gilt Superstar Zhang Jike mit 29 Jahren als Opa. In Europa erreichen die Spieler meist erst mit Anfang 30 ihr Topniveau.“ Roßkopf bleibt daher zuversichtlich: „Wir haben genug junge Spieler, die Topleistungen bringen werden.“

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