Handball

Berlin Live  Füchsen droht Saison der verpassten Chancen

Paul Drux (M.) mit Durchsetzungsproblemen
Paul Drux (M.) mit Durchsetzungsproblemen
Foto: imago sport / imago/Matthias Koch
Berlins Bundesligist bringt sich wie gegen Gummersbach immer wieder selbst um den Lohn. Hanning kündigt Gespräche mit Spielern an.

Berlin.  Es war ein Abend der leicht improvisierten Feiern in der Handball-Bundesliga. Während Meister Rhein-Neckar Löwen so früh noch gar keine Party vorgesehen hatte (siehe Artikel links), hatten sich die Füchse Berlin ihr Abschiedsfest anders vorgestellt. „Danke für eure tolle Unterstützung“ stand auf dem Spruchband, das die Profis am Mittwoch nach dem letzten Heimspiel der Saison ihrem treuen Publikum präsentierten. Allein ihre Mienen und die verhaltenen Reaktionen der Zuschauer in der Schmeling-Halle ließen ahnen, dass in den eineinhalb vorangegangenen Stunden wenig Erbauliches geboten worden war.

27:28 (15:19) gegen den immer noch abstiegsgefährdeten VfL Gummersbach, 19 Gegentreffer in der ersten Hälfte: Die Stellungnahmen waren unverblümt. „Unterirdisch, inakzeptabel“, schimpfte Geschäftsführer Bob Hanning, der vor Enttäuschung gar nicht viel reden wollte. „So ein Spiel dürfen wir uns nicht erlauben“, gab Nationalspieler Paul Drux zu. Vielleicht Müdigkeit am Ende der langen Saison? „Kann ich nicht gelten lassen“, grummelte Trainer Velimir Petkovic, „in der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft ja gekämpft. Aber davor hat sie ohne Lust und Feuer gespielt.“

Nächste Aufgaben nicht unlösbar

So verdiente sich eine sehr bieder agierende VfL-Mannschaft mit ihrem monotonen Handball-Vortrag zwei Zähler im Abstiegskampf. Ewig wurde der Ball von links nach rechts gepasst und wieder zurück, bevor meistens die langen Rückraumschützen Julius Kühn (elf Tore) und Florian Baumgärtner (5) hochstiegen und zuschlugen. Der nach der Pause durch Petr Stochl ersetzte Torwart Silvio Heinevetter hielt kaum einen Ball, wurde jedoch von seiner Abwehr auch schmählich allein gelassen. „Da hat völlig der Zugriff gefehlt“, erkannte Drux. Warum? Unterschätzung des Gegners? Der Glaube, auch ohne Physis mit den Gummersbachern schon irgendwie fertig zu werden?

Falsch gedacht, Chance verpasst. Mit einem Sieg wären die Füchse nach Punkten gleichgezogen mit dem Tabellendritten Kiel, der den Berlinern sogar den Gefallen tat, bei den Rhein-Neckar Löwen 19:28 zu verlieren und sein gutes Torverhältnis zu ramponieren. Die Gelegenheit war da, sich ins Geschäft um einen Platz in der Champions League 2017/18 zu befördern. Nur vergaßen die Füchse, auch zuzugreifen. Zwar ist immer noch alles möglich. Die Berliner treten Montag in Minden und am Sonnabend darauf in Leipzig an. Unlösbar sind diese Aufgaben nicht. Doch die Füchse scheinen im entscheidenden Moment nie bereit.

Ziele erreicht, aber ungutes Gefühl

So droht eine Saison, in der sie am Ende auf Rang vier der Bundesliga landen und trotzdem mit einem flauen Magen in die Sommerpause gehen könnten. Denn selten schien die Chance so gut für die ambitionierten Berliner, noch mehr zu erreichen. Selbst der Finaleinzug im EHF-Pokal hinterließ ein Gefühl der Enttäuschung, weil sich das Team vom Gastgeber Göppingen den Schneid abkaufen ließ.

Und nun dieser vermaledeite, so wichtige dritte Platz, der dem schwer in der Krise steckenden THW Kiel irgendwie nicht abgejagt werden kann. Hanning stellte sich bisher stets vor das Team, auch dem verlorenen Finale: „Wir haben alle unsere Ziele erreicht.“ Doch die Leistung gegen Gummersbach war zu viel. „Wir sind dabei, den guten Eindruck der Saison zu verwässern“, sagte er und kündigte an, das Gespräch mit den Spielern zu suchen: „Da wird noch was kommen.“

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