Prenzlauer Berg

#Verkehr  Weniger Platz für die Autos auf der Schönhauser Allee

Die Schönhauser Allee soll im Sommer  umgebaut werden
Die Schönhauser Allee soll im Sommer umgebaut werden
Foto: David Heerde
Die Umgestaltung der Schönhauser Allee soll im Sommer beginnen. Das verschärft vor allem die Parkplatzsituation für Autofahrer.

Auf den ersten Blick ist es ein relativ kleiner Abschnitt Straßenland. Doch er steht sinnbildlich für die Veränderungen, die im gesamten Berliner Verkehr anstehen. Im Rahmen eines Pilotversuchs werden die Flächen im Bereich des Bahnhofs Schönhauser Allee bald neu verteilt. Und gemäß dem Motto der rot-rot-grünen Koalition sollen die Autofahrer auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen zurückstecken.

Ein Blick auf die aktuelle Verteilung verrät, warum: Rund 80 Prozent des Platzes auf der Schönhauser Allee nutzen Fußgänger, Radfahrer und Fahrgäste von BVG und S-Bahn. Sie haben jedoch deutlich weniger Platz als die autofahrende Minderheit. Kritiker bemängeln schmale Bürgersteige und eine gefährliche Führung der Radwege. Den Verlust an Lebensqualität in diesem so boomenden Stückchen Prenzlauer Berg. „Es ist so eng, dass man sich kaum traut, stehen zu bleiben“, klagt Stefan Lieb von der Fußgänger-Lobby Fuss e. V.

Per Machbarkeitsstudie wird deshalb ermittelt, wie die belebte Straße umgestaltet werden könnte. Konkrete Vorschläge gibt es bereits, sie basieren auf den Ergebnissen eines Workshops, der 2015 mit dem dänischen Architektenbüro Gehl Architects abgehalten wurde. So sollen zwischen Eberswalder und Wichertstraße auf gut einem Kilometer Strecke zunächst sogenannte Parklets entstehen: modern gestaltete Sitzmöglichkeiten zum Verweilen.

Gesucht werden Paten – Anwohner oder Einzelhändler – die bei Aufstellungsort und Gestaltung der Parklets involviert werden. Vorbild ist San Francisco, wo die Module sich nach anfänglicher Skepsis bewährten und vermehrten. In Stuttgart sorgten die elf neuen Parklets für Furore, besonders Autofahrer waren entrüstet.

Grafik vergrößern

ADAC fordert Ausgleich für gestrichene Parkplätze

Denn sie werden in der Regel dort aufgestellt, wo zuvor Parkplätze waren. So soll es auch auf der Schönhauser Allee sein. Mindestens sechs Parklets sind noch für diesen Sommer eingeplant, dafür fallen je nach Größe ein bis zwei Stellflächen weg. Die Autofahrer-Lobby ist alarmiert. „Die Parkplatzsituation dort ist jetzt schon angespannt“, sagt Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg. Sollten Plätze verschwinden, müsse für Ausgleich gesorgt werden.

Etwa durch niedrigere Gebühren im Parkhaus der Schönhauser Allee Arcaden. Im Mai wollen sich ADAC und Senatsverkehrsverwaltung zum Thema austauschen. Befürworter hingegen sehen einen Bedarf für die Parklets. „An der Schönhauser Allee gibt es immer mehr Cafés, die Leute nutzen die Straße nicht nur zum Einkaufen. Ihr Charakter verändert sich“, sagt Stefan Gelbhaar, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen.

Im nächsten Schritt könnte es für die Autofahrer noch härter kommen. So könnte auf dem rund 350 Meter langen, stadtauswärts führenden Abschnitt zwischen Stargarder Straße und Wichertstraße, der den Bahnhof Schönhauser Allee umfasst, die Parkspur komplett wegfallen und durch Parklets und Lieferzonen ersetzt werden. Eine Fahrspur würde für Radfahrer umgewidmet, die verbliebene Spur müssten sich dann Autos und Tram teilen. Ob das funktionieren kann, ist mehr als umstritten. „Das geht nicht, denn bei so einem Szenario wäre die Tram nur zweiter Sieger“, ist Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb überzeugt.

Es drohten Zustände wie auf der Invalidenstraße – dort steckt die Tram kurz vor der Endhaltestelle Hauptbahnhof regelmäßig im Autoverkehr fest. Die Belange des öffentlichen Nahverkehrs müssten berücksichtigt werden, dieser sei immer noch das wichtigste Transportmittel, so Wieseke. Ebenso müsse geklärt werden, wie Rettungsfahrzeuge trotz nur einer Spur freie Fahrt hätten. Die Senatsverkehrsverwaltung verweist auf Anfrage auf die Machbarkeitsstudie, „in der Antworten für diese Fragen gesucht werden“. Geplant ist das Vorhaben für kommendes Jahr.

Radschnellwege in Berlin

Der Fahrradclub ADFC hat dem Senat die besten Vorschläge aus einem Wettbewerb für Radschnellwege überreicht. Der beste Plan sieht eine Fahrradautobahn von Buch bis zum Mauerpark vor.
Radschnellwege in Berlin


Kein Autoverkehr auf der „Sonnenseite“

Fast schon revolutionär ist, was in einem dritten Schritt auf der Schönhauser Allee passieren könnte. So sehen die Pläne der dänischen Architekten vor, den Autoverkehr im Bereich des Bahnhofs komplett auf die Fahrbahn westlich der U-Bahn zu verschwenken. Die östliche „Sonnenseite“ stünde dann ausschließlich der Tram, Radfahrern und Fußgängern zur Verfügung (siehe Grafik oben).

Dadurch solle auch „mehr Platz für die wartenden Fahrgäste und Fahrradabstellanlagen geschaffen werden“, heißt es in der Verkehrsverwaltung. Und vielleicht können sich auch die Autofahrer mit dieser Variante anfreunden: Sie sollen demnach Parkplätze unter der U-Bahn-Trasse bekommen.

Das sind die 10 größten U-Bahn-Baustellen im Jahr 2017

Berlins U-Bahn wird 115 Jahre alt. Wir verraten, wo es im kommenden Jahr zu Einschränkungen kommen wird.
Das sind die 10 größten U-Bahn-Baustellen im Jahr 2017


Mehr zum Thema:

Wie das neue Fahrradgesetz bei den Berlinern ankommt

Schwierige Begegnung an der Maaßenstraße

Bergmannstraße - Zwei von drei Parkplätzen sollen weg

Baustellen in Berlin: Die Ringbahn wird wieder unterbrochen

Kommentare einblenden
Berlin-Buch

Feuerwehr muss helfen: BVG-Bus beim Wenden festgefahren #Verkehr 

Bei einem Wendemanöver in Berlin-Buch hat sich ein BVG-Bus festgefahren
Bei einem Wendemanöver in Berlin-Buch hat sich ein BVG-Bus festgefahren
Foto: Thomas Peise
Bei einem Wendemanöver in Buch blieb ein BVG-Bus stecken. Nun musste die Feuerwehr zur Befreiung anrücken.
Mehr lesen