Anschlag auf BVB-Bus

#Fußball  Spiel am Tag nach BVB-Anschlag: Tuchel oder Uefa — wer lügt?

Zuspruch für die Mannschaft: BVB-Trainer Thomas Tuchel spricht mit Christian Pulisic (M.)  nach dem Spiel
Zuspruch für die Mannschaft: BVB-Trainer Thomas Tuchel spricht mit Christian Pulisic (M.) nach dem Spiel
Foto: Bernd Thissen / dpa
Der neue Termin am Tag nach dem Bombenattentat sei „vor Ort“ mit dem Verein abgesprochen worden, heißt es jetzt von der Uefa.

Thomas Tuchels Angriffe Richtung Uefa lassen keinen Interpretationsspielraum zu: Beim neuen Termin für das Heimspiel gegen AS Monaco in der Champions League fühlte sich der Trainer von Borussia Dortmund nicht nur übergangen, sondern sogar respektlos behandelt.

„Die Termin werden vorgegeben, und wir haben zu funktionieren“, sagte Tuchel öffentlich. Als das Bombenattentat auf den BVB-Mannschaftsbus am Dienstagabend passiert war, hatte die Uefa kurzerhand die neue Anstoßzeit auf den nächsten Tag gelegt. 18.45 Uhr — nur 24 Stunden danach.

Der BVB spielte unter dem Eindruck des Anschlags und verlor 2:3 gegen AS Monaco. Tuchel hatte schon vor dem Spiel über den zeitnahen Termin geklagt. Nach dem Spiel lederte er richtig los: „Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose auf den Bus geflogen.“

Am Pranger: die Europäische Fußball-Union — die Uefa. Beim neuen Termin sei man „in die Entscheidung überhaupt nicht eingebunden gewesen“, beklagte Tuchel. „Das hat die Uefa in der Schweiz entschieden. Das ist kein gutes Gefühl, es war ein Gefühl der Ohnmacht.“

Dagegen verwahrt sich die Uefa in aller Entschiedenheit. In einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage dieser Redaktion teilte die Uefa am späten Mittwochabend mit, dass „die Entscheidung nicht in Nyon gefallen“ sei, also am Uefa-Hauptsitz in der Schweiz — sondern in Dortmund.

Wörtlich schreibt die Uefa, dass die Entscheidung über die zeitnahe Neuansetzung am Dienstag „vor Ort“ getroffen wurde und von BVB-Geschäftsführer Watzke „noch gelobt“ worden ist. Mehr noch: Die Uefa will auch keiner Bedenken gegen den Spieltermin am Mittwoch vernommen haben.

Noch am Mittwoch sei die Uefa „mit allen Beteiligten in Kontakt gewesen“, heißt es in der Stellungnahme, und es habe „zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Anzeichen gegeben, dass nicht gespielt werden solllte“. Tuchels Angriffe stoßen deswegen auf Unverständnis.

Tuchel oder Uefa: Wer lügt hier?

Tatsache ist: Den Spielern hat die Verlegung des Europacup-Spiel auf den nächsten Tag schwer zugesetzt. „Man hat uns keinen Gefallen getan, dieses Spiel anzusetzen — nicht mal 24 Stunden nach einem Anschlag“, sagte Torwart Roman Bürki nach dem 2:3 gegen AS Monaco.

"Ich hatte nicht eine Stunde Schlaf"

Er und seine Spieler hätten, als ihre Kollege Marc Bartra schwer verletzt im Krankenhaus gelegen hat, das Spiel nicht vorbereiten können. Bürki: „Ich hatte nicht eine Stunde Schlaf in der Nacht, das ist nicht die optimale Vorbereitung auf das Spiel.“

Tatsächlich wurden die Spieler nicht nur Opfer eines Attentats, sondern auch von der Dichte des Terminkalenders bestraft. Borussia Dortmund hat mit dem Viertelfinale in der Champions League und dem Pokalspiel gegen Bayern München ein straffes Saisonfinale neben der Bundesliga.

Nachdem die Uefa am Mittwoch versichert hatte, dass der neue Spieltermin „mit allen beteiligten Parteien“ abgesprochen gewesen sei. zitierte der Sportinformationsdienst den BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mit den Worten: „Es gab dazu keine Alternative.“

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