Bundesliga

Was #Hertha  aus Mainzer Fehlern lernen kann

Endspiel um Europa: Mainz mit Cordoba (l.) schafft im Mai 2016 ein 0:0 gegen Hertha mit Plattenhardt
Endspiel um Europa: Mainz mit Cordoba (l.) schafft im Mai 2016 ein 0:0 gegen Hertha mit Plattenhardt
Foto: Fotostand / Racocha / picture alliance / Fotostand
Herthas nächster Gegner Mainz stürzte nach der Quali für die Europa League in der Liga ab. Den Berlinern soll es nicht so ergehen.

Berlin.  Pal Dardai stand da und echauffierte sich. Dass es nicht angehen könne, als Bundesligist gegen einen solchen Gegner unterzugehen. Dass es einigen in seinem Team an Mumm gefehlt habe, in der hitzigen Atmosphäre dagegen zu halten. Aber gleichzeitig war Dardai froh. Mit 1:3 hatte sich Hertha BSC bei Bröndby IF blamiert. Damit war der Traum von der Europa League ausgeträumt. Das Aus im vergangenen Sommer ärgerte den ehrgeizigen Hertha-Trainer zwar enorm. Doch der Realist in Dardai sagte schon am Morgen nach der Niederlage auf dem Flughafen von Kopenhagen: „Vielleicht ist es besser so. Die Hälfte meiner Mannschaft ist schon von den vielen Reisen kaputt.“

Es ist ein Paradoxon der Bundesliga: Viele Vereine investieren alles, um in den Europacup zu gelangen. Aber wenn es so weit ist, gehen diese Mittelklasseklubs unter der Belastung in die Knie. Wie der FSV Mainz 05, am Ostersonnabend Gastgeber für die Berliner (15.30 Uhr/Sky). Die Mainzer hatten im letzten Spiel der vergangenen Saison, einem 0:0 gegen Hertha, den Blau-Weißen noch die direkte Qualifikation für die Europa League weggeschnappt. Zehn Monate später wissen sie nicht, wo ihnen der Kopf steht.

Der FSV steckt in akuter Abstiegsgefahr

Während Hertha als Fünfter in den 29. Bundesliga-Spieltag geht, erneut das Ziel Europa League fest im Blick, steckt Mainz im harten Überlebenskampf. So herausfordernd es war gegen St. Etienne, RSC Anderlecht und FC Qäbälä/Aserbaidschan – praktisch alle Dominosteine fielen gegen den FSV. Die Fans, die den Einzug in den Europacup noch gefeiert hatten, blieben weg. Der Zuschauer-Schnitt in der Europa League lag bei nur 18.140.

Die Personalplanung erwies sich als nicht optimal. Mit Florian Niederlechner wurde ein Offensivspieler an den SC Freiburg ausgeliehen, der dort mit neun Treffern bester Torschütze wurde. Im Winter entschied die sportliche Leitung in Mainz, Spielmacher Yunus Malli (zu jenem Zeitpunkt mit sechs Toren, sieben Assists) gegen 12,5 Millionen Euro Ablöse zum VfL Wolfsburg ziehen zu lassen. Mit 21 Punkten zu Weihnachten im gesicherten Mittelfeld liegend, schien FSV-Sportdirektor Rouven Schröder das Risiko vertretbar zu sein. Ein Irrtum. Nur Schlusslicht Darmstadt spielt eine schlechtere Rückrunde als Mainz.

Das Hauptproblem: Bei allem Aufwand, den der FSV betreibt, werden zu wenig Tore erzielt (zehn in elf Rückrunden-Partien). Bojan Krkic, einstiges Supertalent vom FC Barcelona, im Winter von Stoke City ausgeliehen, ist immer noch nicht in der Bundesliga angekommen. Sein Arbeitsnachweis: kein Einsatz über 90 Minuten, kein Tor, keine Vorlage. Prompt gerät das Teamgefüge ins Wanken. Martin Schmidt, eben noch gehandelt als kommender Trainer von Bayer Leverkusen, darf nach fünf Niederlagen in Folge froh darüber sein, dass Sportdirektor Schröder Anfang dieser Woche verkündete: „Wir ziehen das Ding mit Martin Schmidt bis Saisonende durch.“

Stocker sieht zusätzliche Motivation

Verschärfend zog sich über Monate eine Diskussion um Präsident Harald Strutz. Der Rechtsanwalt hat für das Ehrenamt des Präsidenten eine Aufwandsentschädigung von 9000 Euro pro Monat erhalten. Und monatlich weitere 14.000 Euro als ständiger juristischer Berater des Klubs – Sponsoren und Fans waren nicht amüsiert. Strutz, seit 1988 im Amt, kandidiert nicht mehr als Präsident.

All das ergibt eine Konstellation, in der Hertha sich in Mainz endlich einmal von seiner notorischen Auswärtsschwäche (zuletzt sieben Niederlagen in Folge) befreien könnte. Valentin Stocker, der am vergangenen Sonntag zum 2:0-Endstand gegen Augsburg getroffen hatte, rät: „ Hinfahren, nicht zu viel nachdenken – und punkten.“

Der Schweizer Nationalspieler, der gestern seinen 28. Geburtstag feierte, findet, dass Hertha profitiert von der Negativerfahrung bei Bröndby: „Wir wollen es nach dem Verpassen der Europa League im letzten Jahr diesmal besser machen“, so der Schweizer. „Bei uns wollen alle dahin. Das Verpassen gibt uns mental noch ein, zwei Prozent, zu zeigen, dass wir es diesmal schaffen.“

Manager Preetz sieht sich gerüstet für Doppelbelastung

Manager Michael Preetz sagt: „Mainz ist ja nicht der erste Verein, der Schwierigkeiten in der Liga hat, wenn er gleichzeitig international in Einsatz ist. Das ist eine Riesenherausforderung.“ Preetz ließ durchblicken, dass Hertha sich gerüstet fühlt für eine Doppelbelastung in der kommenden Saison. Mainz ist auch ein Lehrbeispiel, wie es nicht geht. „Aber es macht jetzt wenig Sinn, das Thema zu diskutieren. Erst mal müssen wir das Ziel erreichen.“ Sechs Spiele sind es noch.

Trainer Dardai hat hochgerechnet, dass Hertha zum Erreichen des internationalen Geschäftes drei Siege benötigt. Situationen wie jene auf dem Flughafen Kopenhagen vom vergangenen August sollen sich nicht wiederholen. Preetz sagt: „Keine Frage, wir würden uns im Sommer gern mit der Herausforderung auseinandersetzen.“

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