#BMGBSC

#Hertha  Langkamp und Stindl – zwei Spieler, eine Geschichte

Foto: dpa Picture-Alliance / Annegret Hilse / picture-alliance / augenklick/GE
Herthas Sebastian Langkamp und Gladbachs Lars Stindl begannen einst in Karlsruhe ihre Bundesliga-Karrieren. Nun treffen sie aufeinander.

Berlin.  Die Hände taucht Edmund Becker in Erde, als das Telefon klingelt. Der ehemalige Bundesligatrainer des Karlsruher SC arbeitet im Garten. Unkraut zupfen. Muss raus, wenn etwas wachsen soll. Becker liebt das Gärtnern in seiner Freizeit. Es ähnelt seinem Hauptberuf. Der 60-Jährige ist mittlerweile Nachwuchskoordinator beim KSC. Die Saat soll er säen, damit die Badener irgendwann wieder in die Bundesliga aufsteigen. Ein Spielerzüchter.

Hätte es diesen Edmund Becker nicht gegeben, müsste die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC an diesem Mittwoch (20 Uhr, Sky) wohl ohne Sebastian Langkamp und Lars Stindl auskommen.

Der Berliner Verteidiger und der Gladbacher Angreifer wären lange vorher herausgerissen worden aus ihren Profiträumen. Wie Unkraut, bevor überhaupt etwas gedeihen konnte. „Viele haben den beiden den Durchbruch in der Bundesliga nicht zugetraut“, sagt Becker und lässt einen unspektakulären, aber wichtigen Satzstumpf folgen: „Ich schon.“

Beiden wurde das Potenzial für ganz oben abgesprochen

Langkamp und Stindl sind zwei Spieler mit ein und derselben Geschichte. Zwei alte Kumpel, beide in Speyer 1988 geboren, beide auf verschiedenen Wegen nach oben durchgekämpft. Doch der Ausgangspunkt war der gleiche – sowie die unschöne Karriereprognose: „Uns beiden hat man die Voraussetzungen für die Bundesliga abgesprochen“, sagt Langkamp, „doch wenn ich mir Lars’ und meine Laufbahn heute so angucke, kann man sagen, dass wir das widerlegt haben. Lars noch mehr als ich.“

Langkamp (29) 134 Bundesligaspiele für Karlsruhe, Augsburg und Hertha – Stindl (28) 206 für den KSC, Hannover und Gladbach. Der eine ein solider Verteidiger, der andere einer der besten Offensivspieler der Liga und im Moment in aller Munde. Nun treffen sie im direkten Duell im Borussia-Park aufeinander.

Langkamp und Stindl begannen gemeinsam beim KSC. Langkamp kam 2008 als 20-Jähriger zunächst zur Amateurmannschaft. Stindl spielte für die Karlsruher, seit er zwölf war. Beide wurden Kumpel und Zimmerpartner, trafen sich oft gemeinsamen mit ihren Freundinnen und bei den Profis auf Trainer Edmund Becker.

Beide debütierten zusammen in der U21-Auswahl

Stindl debütierte unter ihm in der Bundesliga im März 2008. Langkamp ein Jahr später. Und Becker sah früh die Parallelen: Beide klug, willig, aber nicht die Schnellsten. Doch eines imponierte dem Cheftrainer: „In der Saison 2008/09 lief es nicht bei uns. Für einen jungen Spieler ist es leichter, bei einem funktionierenden Team mitzuschwimmen. Die beiden haben aber trotz unserer Probleme konstant ihre Leistung gebracht“, sagt Becker.

Unterschiede habe es auch gegeben: Stindl sei viel zurückhaltender gewesen. Langkamp lässiger, fast etwas arrogant habe er manchmal gewirkt. „Aber das war sein Laufstil“, lacht Becker. Entscheidend dafür, ob einer es schafft oder nicht, sei der Wille zur Selbstoptimierung, sagt Becker. Und den brachten beide mit. Langkamp sagt: „Ich habe mich durchgebissen.“ Stindl beschreibt es so: „Ich hatte nicht den rasanten Aufstieg. Bei mir ging alles Schritt für Schritt. Aber das war gar nicht so schlecht. So konnte ich mich in Ruhe entwickeln.“

Obwohl der KSC 2009 abstieg, debütierten beide gemeinsam im August in der deutschen U21-Nationalelf, die wenige Wochen zuvor mit Mesut Özil und Manuel Neuer Europameister geworden war. Eine Länderspielkarriere erwuchs nie daraus. Langkamp wundert das bei Stindl: „Lars wird immer noch viel zu sehr unterschätzt. In jedem anderen Land wäre er längst Nationalspieler“, sagt er.

Immer noch Nachrichten bei Whatsapp

Stindl zog es 2010 weg vom KSC zu Hannover, 2015 weiter nach Gladbach, wo er Kapitän und Topscorer ist. Langkamp ging 2011 nach Augsburg und 2013 zu Hertha, wo er zum Vizekapitän aufstieg. Seit damals habe es viele Spiele gegeneinander gegeben, sagt Stindl, „aber es ist noch immer etwas Besonderes. Ich freue mich auf Basti.“ Langkamp sieht das ein bisschen anders: „Gegen Lars zu spielen, ist problematisch, denn man kriegt ihn kaum in Zweikämpfe verwickelt“, sagt er. Das Gespür für den richtigen Raum sei früher schon Stindls große Stärke gewesen.

Noch heute schreiben sich Langkamp und Stindl bei Whatsapp, bleiben auf Ballhöhe beim jeweils anderen. Die Bundesliga ist ein Sammelbecken von Leuten, deren Lebenswege sich immer wieder mal gekreuzt haben. Aber hier ist es vielleicht doch etwas bedeutender. Beide spiegeln sich gegenseitig, dass man es schaffen kann, auch wenn es einem nur wenige zutrauen. „Ihre Laufbahnen sprechen für sich“, sagt Becker, bevor er weitergärtnert. „Und es zeigt, dass es sich lohnen kann, etwas behutsam wachsen zu lassen.“

Kommentare einblenden
Hertha BSC

#Hertha  Auf Torunarigha kommt es in Gladbach an

Jordan Torunarigha (r.) von Hertha BSC
Jordan Torunarigha (r.) von Hertha BSC
Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb
Herthas 19-jähriges Eigengewächs Jordan Torunarigha gibt in Mönchengladbach sein Startelfdebüt – und das auf ungewohnter Position.
Mehr lesen