Grundsteinlegung

Das sind die Pläne von Anschutz in #Friedrichshain 

Die Simulation zeigt, wie es an der Arena ab Herbst 2018 aussehen soll. Für die UCI-Kinowelt (links) wurde am Donnerstag der Grundstein gelegt
Die Simulation zeigt, wie es an der Arena ab Herbst 2018 aussehen soll. Für die UCI-Kinowelt (links) wurde am Donnerstag der Grundstein gelegt
Foto: Alexander Ware / ©Archimation 2015
Das Fundament für das neue Vergnügungsviertel in Friedrichshain ist gelegt. Die Chefs der Anschutz Entertainment Group im Interview.

Der Anfang ist gemacht: Am Donnerstag ist mit dem Grundstein für die neue UCI Kinowelt zugleich auch das Fundament für das neue Vergnügungsviertel gelegt worden, das in den kommenden Jahren rund um die Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain entsteht. Bauherr des „Entertainment Districts“ nach amerikanischem Vorbild ist die Anschutz Entertainment Group (AEG). Die Berliner Morgenpost sprach mit Europachef Tom Miserendino und dem AEG-Vizepräsidenten Ted Tanner.

Mr. Tanner, Mr. Miserendino, vor 15 Jahren hat Phil Anschutz das Areal neben dem Ostbahnhof erworben. Erst im Sommer vergangenen Jahres haben Sie mit dem Bau des Vergnügungsviertels begonnen. Warum hat das so lange gedauert?

Ted Tanner: Wieso lange? In Los Angeles, wo wir 1999 mit dem Staples Center unsere erste Arena eröffnet haben, hat es auch knapp zehn Jahre gedauert, bis L. A. Live (das angrenzende Vergnügungsviertel, Anm. der Redaktion) fertig war. Die Arena in Berlin haben wir 2008 eröffnet, 2018 soll der neue Entertainment District fertig sein. Also ein durchaus vergleichbarer Zeitraum. Sie dürfen auch nicht vergessen, dass solche Bauvorhaben mit hohen Investitionen verbunden sind. In den Bau der Berliner Arena sind 165 Millionen Euro geflossen. Und nun verbauen wir bis zum Herbst des kommenden Jahres noch einmal mehr als 200 Millionen Euro in Berlin. Daneben sind wir ja auch noch in anderen Städten tätig – sogar fast auf allen Kontinenten, nur in Afrika noch nicht.

Nach amerikanischem Vorbild errichten Sie einen Entertainment District mit einer Konzerthalle, einem Premierenkino mit 14 Sälen und einem sogenannten Lifestyle-Bowlingcenter. Passt das nach Berlin?

Tom Miserendino: Ja, davon sind wir überzeugt. Dieses Konzept funktioniert ja nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, etwa in London. Und wir bauen ja auch nicht einfach nur ein Bowlingcenter der herkömmlichen Art, sondern das Konzept sieht neben 28 Bahnen auch Livemusik und DJs vor. Wir wollen ein Veranstaltungsort für alle Altersgruppen sein, es wird deshalb auch rund 15 Bars, Cafés und Restaurants für jeden Geldbeutel geben, die Music Hall als „kleine Schwester“ der Mercedes-Benz Arena hat Platz für bis zu 4300 Personen und das Multiplex-Kinocenter insgesamt 2500 Plätze. Es wird also für jeden Geschmack etwas geben.

Ted Tanner: Im Mittelpunkt bleibt ohnehin die Arena mit ihren bis zu 17.000 Plätzen, in der im Jahr etwa 140 Veranstaltungen vom Rockkonzert über das Motocross-Event Night of the Jumps bis hin zu Basketball- und Eishockeyspielen stattfinden.

Gemessen an der Zahl der Veranstaltungen in Los Angeles mit 240 oder London mit immerhin 200 ist das eine eher bescheidene Anzahl. Woran liegt’s?

Miserendino: Wir sind nicht unzufrieden mit der Auslastung, aber natürlich ist noch Luft nach oben. Als weltweit führendes Unternehmen im Bereich Unterhaltung und Sport sind wir auch immer bemüht, neue Formate zu konzipieren und diese natürlich auch nach Berlin zu bringen. 2016 haben wir beispielsweise Europas größte Beauty-Convention, die Glossycon, mit Youtube-Stars wie Bibi Heinicke live auf die Bühne nach Berlin gebracht. Wie gesagt, wir sind auch aufgeschlossen für neue Ideen, neue Formate.

Tanner: Berlin wird aber auch noch auf andere Weise von unserem Entertainment District profitieren. Und zwar auf finanzielle Art. Wie sehr genau, wollen wir mit einer Studie klären lassen, die wir gerade in Auftrag gegeben haben. In London, das hat eine entsprechende Untersuchung ergeben, fließen durch uns 526 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen in die Stadtkasse. Daran hängen natürlich auch jede Menge Arbeitsplätze. Schon jetzt hat die Arena in Berlin rund 150 Vollzeitbeschäftigte und rund 2000 Teilzeitbeschäftigte.

Miserendino: Um die Arena herum ist mit der Zentrale des Mercedes-Benz-Vertriebes Deutschland und der Zalando-Zentrale ein ganz neues Quartier entstanden. Weitere Bürogebäude, insgesamt circa 1500 Hotelzimmer sowie rund 2000 Wohnungen sind in Planung und im Bau. Dazu kommt die East Side Mall als neues Shopping-Highlight für Berlin, die die Freo-Gruppe gerade baut. Ab 2018 werden dort rund 110 bis 120 Geschäfte in Betrieb gehen. Wir gehen davon aus, dass rund um die Arena etwa 20.000 Büroarbeitsplätze entstehen. Die Gegend wird also sehr belebt sein.

Tanner: Schon jetzt zählen wir im Jahr rund 1,35 Millionen Besucher in der Arena in Berlin. Wenn der Mercedes-Platz mit allen seinen Bars und Restaurants, Kinos und weiteren Attraktionen fertig ist, wenn wir, wie wir es vorhaben, Weihnachtsmärkte, Silvesterpartys und andere jahreszeitliche Veranstaltungen auf dem Platz etablieren, werden es fünf Millionen Besucher im Jahr sein. Darunter werden sicher auch viele Touristen sein.

Beim Spatenstich für den Mercedes-Platz im vergangenen Sommer haben Sie ein Besucherzentrum in Aussicht gestellt, das über die Entwicklung des Areals und die East Side Gallery informiert. Wie konkret sind die Pläne?

Miserendino: Wir wollen auf jeden Fall in einem der Gebäude vorne an der Mühlenstraße eine öffentliche Aussichtsterrasse mit Blick auf den ehemaligen Grenzstreifen einrichten. So etwas fehlt noch, gerade weil die Besucherzahlen an diesem ehemaligen Mauerabschnitt in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Aber wie das konkret ausgestaltet werden soll, das haben wir noch nicht ausgearbeitet. Da bleibt uns bis Herbst 2018 ja auch noch etwas Zeit.

Anschutz hat ebenso versprochen, den Erhalt der East Side Gallery finanziell zu unterstützen. Ist denn bereits Geld geflossen?

Miserendino: Wir haben dem Bezirk, der ja für die Instandhaltung zuständig ist, hierfür bereits eine feste Zusage für eine jährliche finanzielle Unterstützung im mittleren fünfstelligen Eurobereich gegeben.

Mit den im Bau befindlichen Gebäuden rund um den Mercedes-Platz sind Ihre Grundstücksreserven so gut wie aufgebraucht. Haben Sie noch andernorts Pläne für Berlin?

Tanner: Wie gesagt, wir verbauen ja gerade mehr als 200 Millionen Euro, das ist nicht eben wenig.

Wollen Sie langfristig die Arena oder auch Teile des Vergnügungsviertels verkaufen?

Tanner: Wie an vergleichbaren Standorten, wie Los Angeles und London, sind wir auch in Berlin an einer langfristigen Investition interessiert. Unser Geschäftsmodell ist der Betrieb von Veranstaltungshallen und die Organisation von Veranstaltungen.

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