Steglitz-Zehlendorf

Park in Lankwitz muss für Unterkunft für #Flüchtlinge  weichen

200 Bäume müssen bis Ende Februar gefällt werden
200 Bäume müssen bis Ende Februar gefällt werden
Foto: picture alliance
Bis Ende Februar werden 200 Bäume in Lankwitz für den Bau von neuen Flüchtlingsunterkünften gefällt.

Die Appelle der Anwohner, Senioren, Naturschützer und Bezirkspolitiker blieben am Ende ungehört. „Ein hundertjähriger Park wird ausradiert, das kann man nie wieder rückgängig machen“, fasste ein Lankwitzer das Grundärgernis zusammen. Etwa 100 Zuhörer waren am Montagabend zu einer Bürgerversammlung zum Bau der Flüchtlingsunterkünfte an der Leonorenstraße gekommen. Wut und Enttäuschung darüber, den Kampf für die Bäume verloren zu haben, herrschten im Saal. Doch es bleibt dabei: Schon in einem Jahr werden 450 Flüchtlinge in neu erbaute Drei- und Viergeschosser an der Lankwitzer Leonorenstraße ziehen. Daran ließ Sascha Langenbach vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) keinen Zweifel mehr.

200 Bäume müssen dafür bis Ende Februar gefällt werden, davon 50 schützenswerte Exemplare in einem historischen Park, den der jüdische Mediziner James Fraenkel 1907 angelegt hatte. Der Protest einer Bürgerinitiative, die den Park retten und die Bauten auf einer benachbarten Brache errichten lassen wollte, scheiterte vor allem an einem Punkt: „Wir haben einen verflucht hohen Druck und keine Zeit, noch einmal drei Jahre zu warten“, so Langenbach. 15.000 Flüchtlinge lebten derzeit in Notunterkünften.

Dabei sah es anfangs gut für den Park aus, für den Dieter Hallervorden die Patenschaft übernommen hatte – er war bei Dreharbeiten durch die Grünanlage gejoggt. Das Bezirksamt hatte zunächst eine Fällgenehmigung verweigert. Jetzt wurde sie aber von Maren Schellenberg (Grüne), Umweltstadträtin in Steglitz-Zehlendorf, doch erteilt. „Hätte ich die Zustimmung verweigert, hätte der Senat das Verfahren an sich gezogen“, sagt Schellenberg. Sie sei nicht zufrieden, habe aber erkannt, dass andere Varianten nicht zeitnah zu realisieren sind.

Dazu gehörte auch die Prüfung, ob leer stehende Gebäude auf dem benachbarten Grundstück, das Vivantes gehört, für die Flüchtlinge umgebaut werden könnten. Das Vorhaben sei als „zeitaufwendig und schwer kalkulierbar“ verworfen worden, erläuterte Hermann-Josef Pohlmann von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bis sie zur Verfügung stehen könnten, würden drei bis vier Jahre vergehen.

Überzeugen konnte er nicht. Die Alternativen seien nicht ausreichend geprüft worden, sagte Günther Schulze vom Willkommensbündnis für Flüchtlinge. Auf der benachbarten Fläche wäre der deutlich bessere Standort gewesen. „Unser Druck auf die Politik war nicht groß genug“, resignierte am Ende Holger Holzschuher von der Bürgerinitiative. Dabei stünden Unterkünfte im Land Brandenburg, wie in Michendorf und in Wünsdorf, leer.

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