Rückkehrer

Mehr #Flüchtlinge  reisen freiwillig aus Berlin aus

Ein Flüchtlingskind sitzt im Hangar 2 der Flüchtlings-Notunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof auf einem Bett (Archivbild)
Ein Flüchtlingskind sitzt im Hangar 2 der Flüchtlings-Notunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof auf einem Bett (Archivbild)
Foto: dpa Picture-Alliance / Kay Nietfeld / picture alliance / Kay Nietfeld/
Rund 1800 Asylsuchende haben im Jahr 2016 Berlin wieder verlassen. Auch die Zahl der Abgeschobenen steigt.

Berlin.  Im vergangenen Jahr sind mehr Flüchtlinge aus Berlin freiwillig ausgereist, aber auch abgeschoben worden als in den Jahren zuvor. Demnach wurden 2016 insgesamt 2028 Menschen aus Berlin abgeschoben, sagte ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung der Berliner Morgenpost. Im Jahr zuvor seien es 806 und 2014 nur 602 gewesen. Zu den Hauptländern, in die abgeschoben wurde, gehörten Serbien, Albanien, Bosnien-Herzegowina und das Kosovo.

Bei den freiwilligen Ausreisen zeigte sich ein ähnliches Bild. Laut Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) verließen 2016 insgesamt 1837 Asylsuchende freiwillig Berlin. Im Jahr zuvor waren es 1094 und 2014 insgesamt 1019. Hauptziele waren laut LAF der Irak, Moldawien und Afghanistan. Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer unter Asylbewerbern und Migranten hatte 2016 deutschlandweit den höchsten Stand seit 16 Jahren erreicht. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kehrten ungefähr 55.000 Menschen in ihre Heimatländer zurück. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Berlin kamen, um hier ein Asylverfahren zu durchlaufen, war indes stark rückläufig. 2016 waren es 17.000 Personen, im Jahr zuvor noch 55.000.

Kommentar: Für viele Flüchtlinge erfüllen sich die Hoffnungen nicht

Berlin setzt darauf, dass Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimat zurückkehren. Beim LAF kümmerten sich im vergangenen Jahr im Beratungsteam zehn zusätzliche Leute darum. „In den Rückkehrerberatungen wird beispielsweise geschaut, ob gültige Reisedokumente vorliegen und wie die Situation in den Zielgebieten ist“, sagte LAF-Sprecher Sascha Langenbach. Das beinhalte auch, die Sicherheitslage vor Ort zu erörtern. Vor allemKurden, die in den Nordirak zurückkehren wollen, oder Afghanen, die ursprünglich aus dem umkämpften Norden ihres Heimatlandes kommen, seien betroffen. Das heißt im Klartext: Nicht allen Rückkehrwilligen wird auch tatsächlich eine Rückreise empfohlen.

Dass sich aber immer mehr Flüchtlinge für eine freiwillige Ausreise interessieren, zeige laut Langenbach auch das gestiegene Interesse an eben solchen Beratungsgesprächen. 2015 gab es 385 Beratungen, im vergangenen Jahr waren es laut LAF bereits 1288.

Dabei erhalten Flüchtlinge, die sich für diesen Schritt entscheiden, finanzielle Unterstützung über die Internationale Organisation für Migration (IOM). Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Berlin aber keine über IOM-Mittel hinausgehende Unterstützung. Finanziert werden diese Zuschüsse vom Bund. Die Bundesrepublik ist eines von 136 Mitgliedern der weltweit agierenden Hilfsorganisation IOM und zahlt jährlich rund 18 Millionen Euro für die Rückkehrer-Programme. Wie hoch die finanzielle Unterstützung ist, hängt auch vom jeweiligen Zielland ab. Wer zum Beispiel in den Irak zurückreist, bekommt eine Starthilfe von 500 Euro, 300 Euro erhalten beispielsweise Rückkehrer nach Marokko oder Kenia. Hinzu kommen Reisebeihilfen und die Übernahme der Reisekosten, also die Bezahlung von Bus- und Flugtickets.

Zahl der Asylsuchenden auf ein Drittel zurückgegangen

Die Zahl der Asylsuchenden war in Deutschland 2016 drastisch zurückgegangen – auf nur noch ein Drittel des Vorjahres. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, suchten im vergangenen Jahr 280.000 Menschen hierzulande Schutz, nach 890.000 im Asyl-Rekordjahr 2015. Die Schutzquote lag im Vorjahr nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bei 62 Prozent. Die größte Gruppe unter den Asylsuchenden stellten demnach Syrer (36 Prozent). Zu den Hauptherkunftsländern zählten 2016 außerdem Afghanistan (17 Prozent) und der Irak (13 Prozent).

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