Modulbauten

#Flüchtlinge  Ein Fertigbau für 100 Jahre in Marzahn

Blick auf die erste Berliner Flüchtlingsunterkunft in modularer Bauweise
Blick auf die erste Berliner Flüchtlingsunterkunft in modularer Bauweise
Foto: Jörg Carstensen / dpa
In Marzahn ist die erste modulare Unterkunft für Flüchtlinge fertiggestellt worden. Bewohner aus Turnhallen sollen dort einziehen.

Auf dem künftigen „Dorfplatz“ liegen noch Sandberge und Paletten mit Pflastersteinen. In den weiß getünchten Räumen riecht es nach frischer Farbe. Am kommenden Dienstag sollen in Marzahn Asylbewerber in die erste Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) ziehen. Für 17,8 Millionen Euro ist an der Wittenberger Straße ein moderner Fertighauskomplex mit drei Gebäuden entstanden.

Neben Gemeinschafts- und Büroräumen gehören dazu zwei Wohnkomplexe, die den Geflüchteten sowohl geschlossene Wohnungen mit eigenem Bad und als auch Doppelzimmer mit modernen Küchen, Duschen und WC zur gemeinsamen Nutzung auf der Etage bieten. Vier barrierefreie Wohnungen stehen zur Verfügung. Um den Bewohnern möglichst viel Privatsphäre zu sichern, wurde auf guten Schallschutz ebenso geachtet wie auf abschließbare Sanitärbereiche. „Das bedeutet für die Menschen eine großartige Verbesserung der Lebensqualität“, sagte Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Freitag während der Präsentation der Räume.

Die ersten Flüchtlinge ziehen in neue Wohnblöcke in Marzahn

Tag der offenen Tür für Anwohner am Montag

Die erste Berliner MUF bietet Platz für 450 Menschen. Zunächst sollen dort 300 Bewohner untergebracht werden. Die Mehrzahl kommt aus fünf Turnhallen in Steglitz-Zehlendorf, die als Notunterkünfte dienen und nun freigemacht werden. 90 Personen ziehen aus der Notunterkunft an der Stresemannstraße in Kreuzberg nach Marzahn. Dass die meisten Bewohner des neuen MUF nun an das andere Ende der Stadt ziehen, nennt die Senatorin zwar „nicht optimal“. Es habe jedoch in Steglitz-Zehlendorf keine Alternative gegeben, um die schwierige Lebenssituation der Flüchtlinge in den Turnhallen möglichst schnell zu beenden.

Betreiber des Heims in Fertigbauweise wird die Volkssolidarität sein. 15 Mitarbeiter, darunter eine Erzieherin, sollen die Flüchtlinge betreuen, kündigte der Träger an. Nach Angaben der Präsidentin des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Claudia Langeheine, werden 60 Prozent der Bewohner an der Wittenberger Straße Alleinreisende und 40 Prozent Familien sein. 50 Kinder im schulpflichtigen Alter werden in die MUF ziehen.

Sie sei optimistisch, dass die meisten der Kinder nach den Winterferien einen Schulplatz in Wohnnähe erhalten würden“, sagte die Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle (Linke). Sie ließ durchblicken, dass sie den Umzug von Flüchtlingen aus Steglitz-Zehlendorf nach Marzahn problematisch findet. „Wir heißen diese Flüchtlinge hier willkommen“, sagte Pohle. Sie wünsche sich aber, dass in das nächste fertiggestellte MUF in Marzahn-Hellersdorf Flüchtlinge aus Notunterkünften ihres Bezirks einziehen könnten. Dagmar Pohle räumte ein, dass viele Anwohner die Flüchtlingsunterkunft kritisch sehen. „Doch trotz aller Auseinandersetzungen konnten wir viele engagierte Anwohner für eine Willkommenskultur gewinnen“, sagte sie . Am kommenden Montag zwischen 15 und 18.30 Uhr gibt es in der neuen MUF einen Tag der offenen Tür.

Mit 2200 Asylbewerbern nehme Marzahn-Hellersdorf mehr Flüchtlinge auf, als viele andere Bezirke. 750.000 Euro hätte der Bezirk erhalten, um in den Stadtteilzentren Beratungs- und Betreuungsangebote für die Flüchtlinge zu schaffen. Sie werde im Rat der Bürgermeister für eine Erhöhung der Mittel werben, kündigte Dagmar Pohle an.

„Ich kann ein Ungleichgewicht zwischen den Bezirken erkennen“, sagte auch Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke). Allerdings seien öffentliche Grundstücke, auf denen schnell Baurecht zu schaffen sei, nicht überall vorhanden. Umso vorteilhafter sei dann aber die Modulbauweise, so Lompscher. Die neue MUF in Marzahn sei in nur zehn Monaten entstanden. Die Landesregierung rechnet für die MUF mit „einer Standzeit von 100 Jahren“ . Weil jedes Haus aus sechs Modulen besteht, können die Räumlichkeiten auch neu zugeschnitten werden, unterstrich die Bausenatorin den Vorteil des Fertigbaus. Damit könnten die Gebäude später für andere Zwecke genutzt werden, von der Unterkunft für Obdachlose bis zum Studentenheim.

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